Verbitterung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verbitterung · Nominativ Plural: Verbitterungen
Aussprache
WorttrennungVer-bit-te-rung
Wortzerlegungverbittern-ung
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Zustand, Gefühl (dauerhafter) tiefer Enttäuschung, schmerzlicher Resignation, Unzufriedenheit
Beispiele:
»Die Angehörigen befinden sich […] in einer Gefühlslage aus Wut, Enttäuschung, Verzweiflung und Verbitterung«. [Die Zeit, 05.07.2015 (online)]
Überall in Europa herrscht Verbitterung über die Arbeit gewählter Politiker. [Spiegel, 14.05.2013 (online)]
Ohne Verbitterung schreibt [die Designerin] Bashi über die Widersprüche im Leben der Iraner. [Die Welt, 24.12.2010]
Haben Sie das alles nicht nur aus persönlicher Verbitterung geschrieben? [Der Tagesspiegel, 04.02.2001]
Wenn er davon [von seiner Entlassung] erzählt, klingt in seiner Stimme noch immer die Frustration und Verbitterung darüber durch. [die tageszeitung, 13.11.1995]
An diesem Abend […] saß er ihr gegenüber, verriet Gefühle, die ihr nicht unbekannt waren, ein wenig Verlassenheit und ein wenig Verbitterung […]. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 133]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine wachsende, tiefe Verbitterung
als Akkusativobjekt: (bei jmdm.) eine Verbitterung auslösen, erzeugen; jmds. Verbitterung verstehen
in Präpositionalgruppe/-objekt: für Verbitterung sorgen; mit Verbitterung reagieren
2.
Entstehung eines Gefühls enttäuschter Erwartung, das Verbittertwerden
Beispiele:
Sein Tod [des hingerichteten Predigers] wird die Verbitterung vieler Schiiten enorm verstärken […]. [Die Zeit, 05.01.2016 (online)]
Aufseiten der Russen hat dieses Vorgehen der USA zu großer Verbitterung geführt. [Welt am Sonntag, 19.11.2006, Nr. 47]
Ratzingers Bemerkung, das Heil sei allein in der Taufe zu erreichen, führt zu weiterer Verbitterung. [Die Welt, 30.09.2000]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitter · bitterlich · Bitterkeit · Bitternis · erbittern · Erbitterung · verbittern · Verbitterung
bitter Adj. ‘herb und unangenehm im Geschmack’, übertragen ‘schmerzlich, scharf, beißend’, verstärkend ‘sehr, groß’, ahd. bittar (8. Jh.), mhd. bitter ‘scharf, schneidend, beißend, schmerzhaft, schmerzbereitend’, speziell ‘bitter von Geschmack’, asächs. bittar, mnd. mnl. nl. bitter, aengl. biter, engl. bitter, anord. bitr (germ. *bitra-), mit Hochstufe got. baitrs (germ. *baitra-) gehört mit dem Suffix germ. -ra- zu ↗beißen (s. d.). Die zu erwartende hd. Verschiebung des im Westgerm. durch Einfluß des nachfolgenden r geminierten t zu tz ist unterblieben (vgl. auch Otter, zittern). Ursprünglich ‘beißend, schneidend, scharf’ (die mhd. Dichtung spricht von swerten bitter, eigentlich ‘beißenden Schwertern’), doch wird das Adjektiv schon früh auf den Geschmack und auf andere Empfindungen bezogen (bitterer Ernst, Schmerz, bittere Reue). Seit dem 18. Jh. dient bitter auch zur Verstärkung: bittere Not, Kälte; sich bitter rächen. bitterlich Adj. ‘ein wenig bitter’, verstärkend ‘groß, sehr’, mhd. bitterlich. Bitterkeit f. ‘bitterer Geschmack, bitteres Gefühl, Verbitterung’, mhd. bitterkeit; voraus geht ahd. bittarīgheit ‘Schärfe, Bissigkeit, Verbitterung (der Rede)’ (Hs. 12. Jh.). Bitternis f. gehobener Ausdruck für ‘Bitterkeit, bitteres Gefühl’, Plur. Bitternisse ‘Leiden’ (1. Hälfte 19. Jh.). erbittern Vb. ‘in bitteren Groll, in Zorn versetzen’, mhd. erbittern ‘kränken, zu Zorn und Haß treiben’, gebildet zum Simplex ahd. bitt(a)ren ‘zum Zorn, zur Auflehnung reizen, mit Kummer, Leid, Bitternis erfüllen’, auch ‘mit bittrem, unangenehmem Geschmack, widerlichem Geruch erfüllen’ (9. Jh.), mhd. bittern; dazu Erbitterung f. ‘bitterer Groll’ (17. Jh.). verbittern Vb. ‘verärgern, mißmutig machen’, spätmhd. verbittern; mit verstärkender Vorsilbe ver-. In konkreter Bedeutung ‘bitter machen’ selten, dagegen in übertragenem Gebrauch seit frühnhd. Zeit häufig; früher in bezug auf Personen gleichbed. mit erbittern. In neuerer Zeit bezieht sich erbittern in der Regel auf das Eintreten einer vorübergehenden Erregung, verbittern auf das Entstehen eines anhaltenden Gemütszustandes. Verbitterung f. anfangs ‘augenblickliche, vorübergehende Gemütserregung’ (16. Jh.), heute ‘andauernder Zustand bitteren Grolls’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bitterkeit · ↗Erbitterung · Verbitterung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bestürzung Empörung Entfremdung Enttäuschung Frust Frustration Groll Haß Hilflosigkeit Hoffnungslosigkeit Neid Ohnmacht Radikalisierung Resignation Sarkasmus Trotz Verzweiflung Verärgerung Wut Zorn Zynismus aufgestaut breitmachen durchklingen gerechtfertigt maßlos mitschwingen ohnmächtig verständlich überhören

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verbitterung‹.

Zitationshilfe
„Verbitterung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verbitterung>, abgerufen am 19.10.2019.

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