Verfolgung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verfolgung · Nominativ Plural: Verfolgungen
Aussprache
WorttrennungVer-fol-gung
Wortzerlegungverfolgen-ung
Wortbildung mit ›Verfolgung‹ als Erstglied: ↗Verfolgungsfahren · ↗Verfolgungsfimmel · ↗Verfolgungsjagd · ↗Verfolgungsrennen · ↗Verfolgungswahn · ↗Verfolgungswahnsinn
 ·  mit ›Verfolgung‹ als Letztglied: ↗Christenverfolgung · ↗Hexenverfolgung · ↗Judenverfolgung · ↗Ketzerverfolgung · ↗Rechtsverfolgung · ↗Strafverfolgung
eWDG, 1977

Bedeutungen

entsprechend der Bedeutung von verfolgen (Lesart 1 a)
Beispiel:
die Polizei nahm die Verfolgung des Diebes auf
entsprechend der Bedeutung von verfolgen (Lesart 1 b)
Beispiel:
die politische Verfolgung von Antifaschisten unter dem faschistischen Regime
Jura
entsprechend der Bedeutung von verfolgen (Lesart 1 c)
Beispiel:
die strafrechtliche Verfolgung
entsprechend der Bedeutung von verfolgen (Lesart 1 d)
Beispiel:
die Verfolgung einer Spur
entsprechend der Bedeutung von verfolgen (Lesart 2)
Beispiel:
die Verfolgung eigener, gemeinsamer Ziele
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

folgen · Folge · folglich · folgsam · folgenschwer · folgerecht · folgerichtig · folgern · Folgerung · Gefolge · Gefolgschaft · erfolgen · Erfolg · verfolgen · Verfolger · Verfolgung · verabfolgen
folgen Vb. ‘hinterhergehen, der nächste sein, sich nach etw. richten, sich aus etw. ergeben, gehorchen’, ahd. folgēn ‘folgen, treu dienen, nachjagen’ (8. Jh.), seltener folgōn ‘Folge leisten’ (9. Jh.), mhd. volgen, auch ‘Heerfolge leisten, beipflichten’, asächs. folgon, mnd. volgen, mnl. volghen, nl. volgen, aengl. folgian, engl. to follow, anord. fylgja, schwed. följa ist trotz zahlreicher Deutungsversuche in seiner Etymologie ungeklärt. Außergerm. Verwandte sind fraglich; erwogen wird Verwandtschaft mit kymr. ol ‘Spur’, ar ol ‘nach, hinter’, korn. ol ‘Fußspur’, so daß sich eine Form ie. *pelgh-, *polgh- ergäbe (Kluge ²¹211 f.); andere vermuten einen Zusammenhang mit der Wortfamilie ↗befehlen (s. d.) mit einer Bedeutungsentwicklung ‘bedecken ‒ beschützen ‒ in jmds. Gefolgschaft treten’ (Falk/Torp 1, 291 und 227). Die naheliegende Annahme, das Verb (mit den Endungen ahd. -ōn bzw. -ēn) als Ableitung von einem Nomen aufzufassen, bleibt ebenfalls zweifelhaft, da Folge f. ‘Ergebnis, Wirkung, Reihe’ erst spät im Kompositum ahd. selbfolga ‘Sekte’ (11. Jh.) bezeugt ist, danach mhd. volge ‘Gefolge, Begleitung, Verfolgung, Nachfolge, Beistimmung’. Hier liegt eher eine postverbale Bildung vor. folglich Konj. ‘daher, infolgedessen’ (1. Hälfte 17. Jh.), ohne Tradition zu ahd. folglīhho Adv. ‘in der Folge, hintenan’ (9. Jh.); in älterer Sprache nicht nur kausal (s. oben), sondern auch temporal im Sinne von ‘danach, ferner, weiter’ (bis ins 19. Jh.) verwendet. folgsam Adj. ‘brav, gehorsam’ (17. Jh.); vgl. ahd. gifolgīg ‘gehorsam, gefügig’ (um 1000), mhd. gevolgec, -volgic, nhd. gefolgig (bis ins 18. Jh.). Daneben wird folgsam (wie folglich, s. oben) als kausale (17. Jh.) und temporale (18. Jh.) Konj. benutzt. folgenschwer Adj. ‘von schwerwiegender Wirkung’ (18. Jh.), wohl nach frz. gros de conséquences, entsprechend noch im 19. Jh. auch folgeschwer. folgerecht Adj. (18. Jh.), heute häufiger folgerichtig (19. Jh.) ‘sich aus den Tatsachen logisch ergebend’, für frz. conséquent (s. ↗konsequent). folgern Vb. ‘eine Folge ableiten, einen Schluß ziehen’ (16. Jh.), bei Luther geringschätzig im Sinne von ‘Sophisterei treiben’, seit dem 18. Jh. im Wortschatz der Philosophie üblich ‘einen logischen Schluß ableiten’; dazu Folgerung f. ‘logische Ableitung, Schluß’ (18. Jh.), älteres ↗Konsequenz (s. d.) teilweise ersetzend. Gefolge n. ‘Begleitung’, seit dem 17. Jh. belegt, geläufig seit dem 18. Jh. für ‘Begleitung einer fürstlichen Person, Hofstaat’; im Gefolge ‘zeitlich oder kausal folgend’ (18. Jh.). Gefolgschaft f. ‘Gesamtheit der Gefolgsleute’ (eines germanischen Fürsten), Fachwort der Geschichtswissenschaft; dann auch ‘Anhängerschaft’ (19. Jh.). erfolgen Vb. ‘als Folge eintreten, geschehen’, ahd. irfolgēn ‘verfolgen’ (9. Jh.), mhd. ervolgen ‘zuteil werden, erreichen, erlangen’, reflexiv ‘sich erfüllen, zutragen’; dazu Erfolg m. ‘Wirkung, Erreichen eines Zieles’, Rückbildung zu erfolgen (17. Jh.); erfolglos, erfolgreich Adj. (19. Jh.). verfolgen Vb. ‘(in feindlicher Absicht) hinterhergehen, zu erreichen suchen’, verstärktes ↗folgen (s. d.), mhd. vervolgen ‘Folge leisten, beistimmen, nachfolgen, befolgen’, asächs. farfolgon; dazu Verfolger m. ‘wer jmdn. feindlich verfolgt’ (15. Jh.) und Verfolgung f. ‘feindliches Nachsetzen, Versuch, ein Ziel zu erreichen’ (14. Jh.). verabfolgen Vb. ‘zuteilen, übergeben’ (17. Jh.), neben gleichbed., heute seltenem abfolgen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hatz · ↗Hetze · ↗Jagd · Verfolgung · ↗Verfolgungsjagd  ●  ↗Hetzjagd  auch figurativ · ↗Kesseltreiben  auch figurativ · ↗Treibjagd  auch figurativ · Gjaid  ugs., österr., veraltend
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asylgrund Bestrafung Diskriminierung Ermordung Folter Jude Kriegsverbrechen Kriegsverbrecher NS-Verbrechen Nationalsozialist Opfer Straftat Straftäter Täter Unterdrückung Verbrechen Vernichtung Vertreibung aufnehmen gerichtlich geschlechtsspezifisch juristisch konsequent nationalsozialistisch nichtstaatlich politisch polizeilich rassisch strafrechtlich systematisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verfolgung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und trotzdem ist es den Roma in ihrer Geschichte, abgesehen von der kurzen Ära der nationalsozialistischen Verfolgung, noch niemals derart schlecht gegangen wie jetzt.
Die Zeit, 20.09.2010, Nr. 38
Wieder nahm ich die Verfolgung auf, der Hund folgte mir.
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2002
In der Verfolgung seiner Ziele war er weniger konsequent als dieser, dafür aber produktiver.
Klein, John W.: Leoncavallo. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 41811
Ich werde zuerst von den Verfolgungen gegen die Personen sprechen, die in den deutschen Bestimmungen als Juden bezeichnet waren.
o. A.: Einundfünfzigster Tag. Dienstag, 5. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 6965
Die weitere Verfolgung dieses Nachsinnens war dazumal ein wichtiger Teil meines inneren Lebens.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 31107
Zitationshilfe
„Verfolgung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verfolgung>, abgerufen am 19.08.2019.

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