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Verhältniswahlrecht, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verhältniswahlrecht(e)s · Nominativ Plural: Verhältniswahlrechte · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [fɛɐ̯ˈhɛltnɪsˌvaːlʀɛçt] · [fɛɐ̯ˈhɛltnɪsvaːlˌʀɛçt]
Worttrennung Ver-hält-nis-wahl-recht
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur Bundestagswahl.
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Wahlrecht (1), das für (bestimmte) Wahlen die Verhältniswahl festlegt (für das also das prozentuale Verhältnis der für die einzelnen Parteien o. Ä. abgegebenen Stimmen bei der Sitzverteilung maßgebend ist)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein reines, personalisiertes Verhältniswahlrecht
als Akkusativobjekt: das Verhältniswahlrecht einführen
in Präpositionalgruppe/-objekt: nach einem Verhältniswahlrecht wählen; [Sitze, Mandate] nach einem Verhältniswahlrecht vergeben, bestimmen
in Koordination: Verhältniswahlrecht und Mehrheitswahlrecht
als Genitivattribut: die Einführung, Abschaffung des Verhältniswahlrechts
Beispiele:
Bei der Bundestagswahl […] wird die Personenwahl mit dem Verhältniswahlrecht verbunden. Es werden 299 Abgeordnete in Wahlkreisen über die Erststimme in relativer Mehrheitswahl und 299 Abgeordnete auf Landeslisten nach dem Verhältniswahlrecht über die Zweitstimmen gewählt. [Süddeutsche Zeitung, 21.09.2002]
Bekommt eine Partei in einem Regierungsbezirk mehr Direktmandate, als ihr laut Verhältniswahlrecht zuständen, entstehen Überhangmandate, die dann durch weitere Mandate ausgeglichen (Ausgleichsmandat) werden. [Badische Zeitung, 13.03.2021]
Das Grundgesetz schweigt zu den Grundsätzen des Wahlsystems, zur Frage nach Mehrheits‑ oder Verhältniswahlrecht, nach Sperrklauseln oder dem Ausgleich von Überhangmandaten – und beschränkt sich auf den Hinweis, dass die Mitglieder des Bundestages in allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahlen gewählt werden. [Die Welt, 20.04.2015]
Die Sitze [im Gemeinderat] werden beim Verhältniswahlrecht nach dem prozentualen Erfolg der Parteien verteilt. [Badische Zeitung, 30.11.2006]
In dem personalisierten Verhältniswahlrecht des Bundeswahlgesetzes sind Elemente des Mehrheitswahlsystems mit dem Verhältniswahlsystem verknüpft. Der Grund für diese Verknüpfung ist hauptsächlich darin zu sehen, daß einerseits eine möglichst verhältnismäßige Verteilung der Sitze auf die Wahllisten und andererseits durch direkte Personenwahl eine stärkere Verbindung des Abgeordneten mit seinem Wahlkreis bewirkt werden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.1994]
In der Wahl zur russischen Staatsduma am 12. Dezember wird die eine Hälfte der 450 Abgeordneten nach dem Verhältniswahlrecht auf Listen gewählt, die andere nach dem Mehrheitswahlrecht in 225 Wahlkreisen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.1993]
Zur Diskussion steht, ob das deutsche Wahlrecht den Charakter der »Verhältniswahl« oder den der »Mehrheitswahl« haben soll. Das Wahlrecht 1953 gehörte zur Gruppe der »Verhältniswahlrechte«, das Grabensystem hatte starke Elemente des »Mehrheitswahlrechts«. [Die Zeit, 23.02.1956] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Verhältniswahlrecht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verhältniswahlrecht‹.

Zitationshilfe
„Verhältniswahlrecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verh%C3%A4ltniswahlrecht>.

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