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Verhältniswahlsystem, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verhältniswahlsystems · Nominativ Plural: Verhältniswahlsysteme · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [fɛɐ̯ˈhɛltnɪsvaːlzʏsˌteːm] · [fɛɐ̯ˈhɛltnɪsˌvaːlzʏsteːm]
Worttrennung Ver-hält-nis-wahl-sys-tem
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur Bundestagswahl.
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Wahlsystem, dem für (bestimmte) Wahlen die Verhältniswahl zugrunde liegt (wobei also das prozentuale Verhältnis der für die einzelnen Parteien o. Ä. abgegebenen Stimmen bei der Sitzverteilung maßgebend ist)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein reines Verhältniswahlsystem
Beispiele:
Das geltende Wahlsystem ist ein (durch Elemente der Mehrheitswahl modifiziertes) Verhältniswahlsystem, das heißt, die kandidierenden Parteien sind im Verhältnis der auf sie entfallenden Stimmen im Parlament vertreten. [Südkurier, 25.02.2021]
Es gibt die weitverbreitete Annahme, dass Verhältniswahlsysteme besonders effektiv dabei sind, für eine angemessene Repräsentation aller gesellschaftlich relevanten Gruppen zu sorgen. Allerdings gilt dies so grundsätzlich nur dann, wenn dabei offene Listen eingesetzt werden. [Südkurier, 16.04.2021]
In einem Verhältniswahlsystem müssen die Stimmen nicht nur nominell, sondern auch in ihren Einflusschancen für die Zusammensetzung des Bundestages das gleiche Gewicht haben. Diese Erfolgswertgleichheit muss aber in Balance zu einem anderen Verfassungsprinzip gesetzt werden, nämlich dass die Wahl ein handlungs‑ und mehrheitsbildungsfähiges Parlament hervorbringen muss. [Ist am Sonntag die Fünfprozenthürde verfassungswidrig geworden?, 24.09.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Durch das Mehrheitswahlrecht sind Linke [in Großbritannien] geradezu gezwungen, sich um Bündnisse in der und um die Demokratische Partei bzw. die Labour Party zu bemühen. Das bedeutet zunächst einmal höhere Hürden als in einem Verhältniswahlsystem, in dem man als Nischenpartei starten kann. [Warum gibt es in Deutschland (noch) keinen »Millennial Socialism«?, 20.05.2020, aufgerufen am 03.12.2020]
Von einer Mischung aus dominierendem Mehrheitswahlrecht (für 75 Prozent der Sitze in Senat und Kammer) und Verhältniswahlrecht (für 25 Prozent der Sitze) war man [in Italien] wieder zu einem Verhältniswahlsystem zurückgekehrt, wie es schon in ähnlicher Form vor der Wahlrechtsreform von 1994 geherrscht hatte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2006]
Nach den schlechten Erfahrungen, die man in der Weimarer Republik mit dem reinen Verhältnis‑W. (= Verhältniswahlrecht) gemacht hat, ist man heute weithin zur kombinierten Verhältniswahl übergegangen, die die Vorzüge des Mehrheitswahlsystems mit der größeren Gerechtigkeit des Verhältniswahlsystems verbindet. [Mommsen, W. J.: Wahlrecht. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Bd. 6. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 34803.]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Verhältniswahlsystem“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verh%C3%A4ltniswahlsystem>.

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