Verlagssystem, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verlagssystems · Nominativ Plural: Verlagssysteme
WorttrennungVer-lags-sys-tem
WortzerlegungVerlagSystem
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2020

Bedeutungen

1.
frühe Form der arbeitsteiligen Erzeugung von Gütern, bei der der Verleger die Rohstoffe beschafft, diese Handwerkern zur Produktion in Heimarbeit zur Verfügung stellt und für den Absatz der Produkte sorgt
Beispiele:
Die Produktion von Leinwand und Baumwolltuch war in Schlesien nach dem Verlagssystem organisiert. Die Unternehmer lieferten den Webern die Garne und waren die alleinigen Abnehmer des Tuches. Diese Monopolstellung der Fabrikanten machte die Weber total abhängig. [Die Zeit, 29.01.1998, Nr. 6]
Die Gehäusehersteller, die Polierer, Guillocheure (= Ornamentstecher), Graveure und Emaileure, die Produzenten der Aufzieh- und Zahnrädchen, der Schrauben, Federn und Gläser: Sie alle liefern ihre Waren den »établisseurs«. Diese sind die Organisatoren des Verlagssystems. Sie bauen die Uhren zusammen und verkaufen sie Händlern. [Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2015]
An Millionen primitiven Spindeln, Webstühlen und Nähmaschinen lassen Händler und Geldverleiher [in ländlichen Regionen Indiens] im Verlagssystem Textilien in Heimarbeit produzieren, die dann preislich sogar mit der Fabrikware aus Bombay konkurrieren können und den guten Ruf indischer Billigware festigen. [o. A.: DIE VOLKREICHSTE DEMOKRATIE DER WELT. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1984]]
2.
Form, Struktur und Organisation, in der Verlage ihren Publikationsbetrieb durchführenQuelle: DWDS, 2019
Synonym zu Verlagswesen
Beispiele:
[Die Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin] Elfriede Jelinek nennt ihren lange erwarteten jüngsten Roman »Neid« einen »Privatroman«. Und veröffentlicht ihn fern des Verlagssystems auf ihrer Homepage. [Der Standard, 13.04.2007]
Das ehedem staatliche und […] zentralisierte Verlagssystem [der ehemaligen Sowjetunion] zerfiel von selbst. Neue Verlage, Privatverlage, sprossen wie Pilze aus dem Boden, aber sie besaßen weder Kapital noch Erfahrung, so daß ein Großteil genauso schnell wieder einging. [Der Tagesspiegel, 19.03.1997]
Lizenzvergabe, Druck und Vertrieb eines Buches waren im Osten [Deutschlands] auf eine einmalige Ausgabe berechnet, während das westliche Verlagssystem auf ständige Verfügbarkeit einer möglichst hohen Anzahl von Titeln beruht. [die tageszeitung, 12.08.1995]
Vom herkömmlichen Verlagssystem, das in stetig steigendem Maße sowohl hinsichtlich des Umsatzes wie der Produktion durch Konzentration gekennzeichnet ist, setzten sich nach 1968 die alternativen Kleinverlage besonders nachdrücklich ab. Wie die Raubdrucker und die Bewegung der »Literaturproduzenten« verstanden sie sich als Teil einer linken Gegenöffentlichkeit. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 8545]
Zitationshilfe
„Verlagssystem“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verlagssystem>, abgerufen am 25.01.2020.

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