Verlangen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verlangens · Nominativ Plural: Verlangen
Aussprache
WorttrennungVer-lan-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Verlangen‹ als Letztglied: ↗Suchtverlangen
eWDG, 1977

Bedeutung

Sehnsucht, Begierde nach etw., jmdm., starkes, sehnsuchtsvolles Streben nach etw.
Beispiele:
ein starkes, tiefes, wildes, leidenschaftliches, heißes, brennendes, schmerzliches, unstillbares Verlangen
es war ihr sehnlichstes Verlangen, den Sohn noch einmal zu sehen
sein Verlangen nach Erfolg, Ruhm, Macht, Anerkennung war nicht zu stillen
jmdn. treibt, quält ein unwiderstehliches Verlangen
etw. erregt, erweckt heftiges Verlangen
ein großes Verlangen nach etw., jmdm. haben, spüren
gehoben ein großes Verlangen nach etw., jmdm. tragen
er hatte kein Verlangen nach ihr, einem Wiedersehen
er hatte das ernste Verlangen, Arzt zu werden
gehoben sie trug kein Verlangen nach Streit
der Kranke hat, zeigt kein Verlangen (= Bedürfnis) nach Speise, Nahrung
ein Verlangen befriedigen, stillen, unterdrücken
einem Verlangen nachgeben
unter einem quälenden, ungestillten Verlangen leiden
von einem Verlangen erfüllt sein
voller Verlangen die Hände, Arme nach etw., jmdm. ausstrecken
mit, voll Verlangen nach jmdm., etw. ausschauen
er brannte vor Verlangen, uns die Neuigkeit mitzuteilen
wie meine Nächte nichts anderes waren als Träume von ihr und meine Tage nichts als Verlangen [RinserRinge109]
Forderung, nachdrücklich, energisch geäußerter Wunsch
Beispiele:
ein unbilliges, berechtigtes Verlangen
die Eintrittskarte ist auf Verlangen vorzuzeigen
auf sein ausdrückliches Verlangen (hin) erhielt er eine Quittung
auf allgemeines Verlangen wurde eine Untersuchung eingeleitet
auf Verlangen des Pförtners zeigte ich meinen Betriebsausweis
jmds. (dringlichem) Verlangen nachkommen
diese Maßnahme erfolgt auf Verlangen (= Anordnung) des Abteilungsleiters
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang · lange · längs · längst · unlängst · Länge · langen · anlangen · erlangen · verlangen · Verlangen · länglich · langsam · Langeweile · langweilen · langweilig · Langfinger · Langmut · langmütig · Langohr · langwierig
lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch ↗gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. ↗-sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit ↗seit, ↗Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter ↗Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. ↗währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
Affinität · ↗Anziehung · ↗Begierde · ↗Geneigtheit · ↗Hang · ↗Lust · ↗Neigung · ↗Tendenz · Verlangen
Synonymgruppe
Appetit (auf) · ↗Begehren · ↗Lust (auf) · ↗Sehnen (nach) · ↗Sehnsucht (nach) · ↗Trieb · Verlangen (nach) · ↗Wunsch (nach)  ●  ↗Appetenz  fachspr. · einen Zahn haben (auf)  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bedarf · ↗Bedürfnis · ↗Begehren · ↗Begierde · ↗Drang · ↗Gier · ↗Sehnen · ↗Sehnsucht · Verlangen · ↗Wunsch  ●  ↗Durst  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Religion
Synonymgruppe
(sündhafte) Begierde · (triebhaftes, sündiges) Verlangen · ↗Triebhaftigkeit  ●  ↗Konkupiszenz  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gebirge Geborgenheit Sehnsucht Töten Tötung Verlangen ausdrücklich aushändigen befriedigen berechtigt brennend entspringen ernstlich erotisch nachgeben nachkommen sehnsüchtig sexuell stattgeben stillen unbillig unbändig unerfüllt unersättlich ungestillt unstillbar unwiderstehlich verspüren vorzeigen wecken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verlangen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den Deutschen fehlt in erster Linie das Verlangen nach Bildung.
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2000
Und damit hebt das unerfüllbare Verlangen nach dem primären Erleben der Sprache an.
Der Tagesspiegel, 05.03.1999
Auf Verlangen hat er die von ihm geführten Waren vorzulegen.
o. A.: Gewerbeordnung. In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998
Der Arzt ist verpflichtet, dem Patienten auf Verlangen diese Daten abschriftlich auszuhändigen.
o. A. [Hi.]: Strahlenschutz. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1975]
Dieses verständliche Verlangen aber ist nach deutschem Recht nicht strafbar.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 601
Zitationshilfe
„Verlangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verlangen>, abgerufen am 15.12.2018.

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