Verlegenheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verlegenheit · Nominativ Plural: Verlegenheiten
Aussprache
WorttrennungVer-le-gen-heit
Wortbildung mit ›Verlegenheit‹ als Erstglied: ↗Verlegenheitsgeschenk · ↗Verlegenheitslösung · ↗Verlegenheitsmannschaft · ↗Verlegenheitspause
 ·  mit ›Verlegenheit‹ als Letztglied: ↗Geldverlegenheit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Befangenheit, Beschämung, Verwirrtheit
Beispiele:
jmd. zeigt, verrät, verbirgt seine Verlegenheit
sie errötete vor Verlegenheit
eine Frage, ein Kompliment bringt jmdn. in Verlegenheit
linkische, mädchenhafte Verlegenheit
2.
unangenehme, hilflose Lage, schwierige Situation, in der sich jmd. befindet
Beispiele:
in (großer, arger, ernstlicher) Verlegenheit sein
in Verlegenheit geraten, kommen
jmdm. aus der (ersten), aus einer (finanziellen, pekuniären) Verlegenheit helfen
jmdm. Verlegenheiten bereiten
hoffentlich komme ich nie in die Verlegenheit (= komme ich nie in die Lage), das tun zu müssen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verlegen2 · Verlegenheit
verlegen2 Part.adj. ‘befangen, beschämt, verwirrt, unsicher’ (18. Jh.), ahd. firlegan ‘schwerfällig, träge, ehebrecherisch’, mhd. verlegen ‘durch zu langes Liegen, durch Nichtstun, durch Tändelei in Trägheit versunken, verdorben’, zu ahd. firliggen ‘Ehebruch treiben’ (8. Jh.), mhd. verligen ‘durch Liegen Schaden nehmen, durch zu langes Liegen in Untätigkeit, Trägheit versinken, erschlaffen, untauglich werden’; s. ↗liegen. Die Bedeutungsentwicklung führt von ‘untätig’ über ‘ratlos, unschlüssig’ zu ‘befangen, beschämt’. Verlegenheit f. ‘Befangenheit, Verwirrung, Unsicherheit, unangenehme, schwierige Lage’ (18. Jh.); vgl. mhd. verlegenheit ‘schimpfliche Untätigkeit, Trägheit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Betretenheit · ↗Peinlichkeit · Verlegenheit
Synonymgruppe
Beschämung · ↗Erniedrigung · Verlegenheit
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Aporie · ↗Ausweglosigkeit · ↗Ratlosigkeit · Verlegenheit · unauflöslicher Widerspruch
Synonymgruppe
(in der) Patsche · ↗(in der) Tinte (sitzen) · ↗Misslichkeit · ↗Not · ↗Notlage · ↗Schwierigkeit · ↗Schwulität (meist Plur.: in Schwulitäten) · Verlegenheit · missliche Situation · schwierige Situation · verzwickte Situation  ●  ↗Bedrängnis  geh. · ↗Bredouille  ugs., franz. · ↗Klemme  ugs. · Schwulibus  ugs., selten · ↗Verdrückung  ugs., regional
Assoziationen
  • (für jemand anderen) die Vorteile sichern · (für jemand anderen) etwas riskieren  ●  (für jemand anderen) die Kastanien aus dem Feuer holen (und sich dabei die Pfoten verbrennen)  fig.
  • Krise · ↗Misere · ↗Missstand · ↗Tragik · ↗Verhängnis · kritische Situation · missliche Lage · schlimmer Zustand  ●  ↗Kalamität  geh., lat. · ↗Krisis  geh., veraltend · ↗Malaise  fachspr. · ↗Schlamassel  ugs.
  • (für jemanden) die Situation retten · ↗(jemanden) herausreißen  ●  (für jemanden) den Karren aus dem Dreck ziehen  fig. · (jemandem) aus der Patsche helfen  ugs.
  • (etwas ist) nicht gut · schöner Mist  ●  schöne Scheiße  derb
  • in Schwierigkeiten (sein) · in Schwierigkeiten (stecken) · in einer schwierigen Situation sein · in einer schwierigen Situation stecken  ●  (sich) in schwierigem Fahrwasser befinden  fig.
  • bis zum Hals in Schwierigkeiten stecken · in großen Schwierigkeiten sein  ●  (knie)tief in der Scheiße stecken  derb, fig. · bis zum Hals in der Scheiße stecken  derb, fig. · echte Probleme haben  ugs., variabel · ganz schön in der Klemme sitzen  ugs. · jede Menge Ärger haben  ugs.
  • (das) Fehlen (von) · ↗Knappheit · ↗Seltenheit · ↗Unterversorgung (mit) · ↗Verknappung  ●  ↗Engpass  fig. · ↗Mangel (an)  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwehr Anflug Gegenüber Hintermannschaft Peinlichkeit Röte Scham Scheu Verlegenheit Verlogenheit allergrößt arg beträchtlich bringen ersparen geraten gewiss heraushelfen hinweghelfen kaschieren peinlich pur sichtlich stürzen taumeln versetzen winden ziemlich äußerst überspielen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verlegenheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Koalition kam damit nicht in die Verlegenheit, womöglich nicht geschlossen zugunsten des Ministers zu stimmen.
Süddeutsche Zeitung, 17.05.2002
Umso mehr stürzte er jetzt seine Anhänger in peinliche Verlegenheit.
Der Tagesspiegel, 14.03.1999
Aber er wußte sich glänzend aus der Verlegenheit zu ziehen.
Röhrich, Lutz: Hummel, Hummel. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 15555
Sie zeigte eine gewisse Verlegenheit und da beide nur Englisch sprachen, gab es nur eine dürftige Unterhaltung.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Der Verlegenheiten gab es Hunderte, und eine gebar die andere.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„Verlegenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verlegenheit>, abgerufen am 19.11.2018.

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