Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Verleihung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verleihung · Nominativ Plural: Verleihungen
Aussprache [fɛɐ̯ˈlaɪ̯ʊŋ]
Worttrennung Ver-lei-hung
Wortzerlegung verleihen -ung
Wortbildung  mit ›Verleihung‹ als Erstglied: Verleihungsurkunde  ·  mit ›Verleihung‹ als Letztglied: Diplomverleihung · Nobelpreisverleihung · Ordensverleihung · Preisverleihung · Titelverleihung
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
feierliches Zusprechen, Ernennen, offizielle Übertragung (von Rechten, Preisen, Orden, Titeln)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die diesjährige, erstmalige Verleihung [eines Preises]
als Akkusativobjekt: eine Verleihung feiern, begründen
Beispiele:
Den Auftakt zum Fest bildet jedes Jahr eine historische Inszenierung der Verleihung des Marktrechtes mit prächtigen Kostümen. [Schwarzwald – Aktuell, 26.11.2007, aufgerufen am 09.09.2019]
Hier residiert die Schwedische Akademie, hier wird die Verleihung des Literaturnobelpreises bekanntgegeben, hier hält der Preisträger seine Rede. [Die Zeit, 05.12.1997]
In der Disziplin [Medizin] habe sich ein bedenkliches »Gewohnheitsrecht entwickelt, demzufolge die Verleihung des Doktorgrades weitgehend unabhängig von der Qualität der Promotionsleistungen erfolgt«, schreiben die Gutachter des Wissenschaftsrates. [Der Spiegel, 28.09.2015 (online)]
Die mit Abstand meisten Verleihungen gab es im Schulsektor, wo es 7.745 Ernennungen zu Schulräten, Oberschulräten, Oberstudienräten, Regierungsräten oder Professoren gab. [Der Standard, 03.02.2015]
Mit der Stossrichtung des Gesetzes, also mit der Verleihung rechtlicher Autonomie an die Universität, seien alle politischen Kräfte schon in der Parlamentskommission einverstanden gewesen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 16.03.1999]
2.
Veranstaltung, feierlicher Akt für die Übergabe eines Preises, einer Auszeichnung oder eines Titels
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die diesjährige, erstmalige feierliche, geplante, offizielle Verleihung [eines Preises]
als Akkusativobjekt: eine Verleihung moderieren, feiern, übertragen, verhindern
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Verleihung kommen; an einer Verleihung teilnehmen
Beispiele:
Laut US‑Medien sind die Werbeplätze für die diesjährige Verleihung des wichtigsten Filmpreises bereits ausverkauft. [Der Standard, 11.02.2015]
Schon 1998 moderierte Hunziker zusammen mit Gottschalk die Verleihung der Goldenen Kamera. [Der Standard, 18.09.2009]
Fairerweise muss man sagen, dass der Moment kurz vor Ende der Verleihung, als die drei New‑Hollywood‑Granden Francis Ford Coppola, George Lucas und Steven Spielberg auf die Bühne traten und herumalberten[…], in die Geschichte der magischen Oscar‑Momente eingehen wird. [Der Spiegel, 26.02.2007 (online)]
[…] wer an der Verleihung des Körber‑Preises teilnimmt, glaubt eher in eine Provinzveranstaltung geraten zu sein: der Saal des Hamburger Rathauses kaum gefüllt, nur einzelne bekannte Forscher unter den Gästen[…][.] [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 1998 [1997]]
3.
das Ausleihen, Verleihen (von etw.)
Beispiele:
Während unserer Einkäufe oder der Verleihung der Ski für den Test sind wir mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. [Ski Test – Bretter getestet, 10.04.2015, aufgerufen am 09.09.2019]
Sehr erfolgreich wurde das Kreditgeschäft als Verleihung gegen ein Pfand betrieben. Durch die Erschließung weiterer Märkte durch die aufkommende Schifffahrt[…] wurde immer mehr Kredit zur Ausrüstung der Handelsflotten benötigt. [zerokredit – kreditinfos, 28.02.2012, aufgerufen am 09.09.2019]
Er schloß die Verleihung von Kirchengut bei staatlichem Notstand nicht aus. [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3749]
4.
das (übernatürliche) Ausstatten, Versehen von jmdm. mit etw.
Beispiele:
Im Alten Testament ist der Apfel das Symbol des Sündenfalls, im Neuen Testament in den Händen von Jesus das Symbol für die Erlösung von demselben. Griechische und nordische Mythologie […] [sehen] den Apfel als Frucht mit magischen Kräften und [als Quelle] der Verleihung ewiger Jugend. [mimisdosenoeffner, 29.09.2012, aufgerufen am 09.09.2019]
Es heißt, dieses wundervoll angefertigte Schachspiel enthalte eine magische Formel zur Verleihung von Macht. [senkpiel.net, 31.03.2010, aufgerufen am 09.09.2019]
Noch einmal zieht ihr [Kassandras] Leben an ihr vorbei, ihre Rolle als Lieblingstochter von König Priamos, die Verleihung der Sehergabe und der darauf lastende Fluch[…]. [Der Standard, 09.08.2007]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leihen · entleihen · verleihen · Verleihung · Verleiher · Verleih · Anleihe
leihen Vb. ‘gegen die Verpflichtung zur Rückgabe jmdm. etw. geben oder etw. von jmdm. annehmen, borgen’, ahd. līhan ‘(ver)leihen, geben’ (9. Jh.), mhd. līhen ‘auf Borg nehmen’, selten ‘auf Borg geben’, asächs. līhan, mnd. līen, aengl. lēon, anord. ljā, got. leiƕan wird mit Lehen und davon abgeleitetem lehnen2 (s. d.) und den außergerm. Verwandten aind. riṇákti ‘läßt, überläßt, gibt auf, entbindet, läßt los’, rikthá- ‘Nachlaß, Erbschaft’, rḗkṇaḥ ‘ererbter Besitz, Eigentum, Habe’, atirēkaḥ ‘Überschuß, Überbleibsel’, griech. lé͞ipein (λιμπάνειν) ‘verlassen, zurück-, hinterlassen’ (s. Ellipse), limpánein (λιμπάνειν) ‘(ver)lassen’, loipós (λοιπός) ‘übriggelassen, übrig’, lé͞imma (λεῖμμα) ‘Rest’, lat. relinquere ‘zurücklassen’ (s. Relikt), reliquus ‘zurückgelassen, übrig’ (s. Reliquie), aslaw. otъlěkъ ‘das Übrige, Rest’, lichъ ‘übermäßig, über etw. hinaus, Mangel habend’, russ.-kslaw. lěkъ ‘Überbleibsel, Rest’, russ. lichój (лихой) ‘böse, arg, kühn, tapfer’ auf eine Wurzel ie. *leiku̯- ‘lassen, zurück-, übriglassen’ zurückgeführt. Das Germ. hat den ursprünglichen Bedeutungsumfang auf ‘überlassen’ eingeschränkt. Die Bedeutung ‘übriglassen, -bleiben’ findet sich bei Formen, die jetzt zu ie. *leip- (s. bleiben) gestellt werden, möglicherweise aber auf ie. *leiku̯- zurückgehen (s. elf). entleihen Vb. ‘sich leihen, borgen’, ahd. intlīhan ‘aus-, ver-, entleihen’ (8. Jh.), mhd. entlīhen ‘auf Borg nehmen oder geben’. verleihen Vb. ‘zeitweise zum Gebrauch überlassen, leihen, verborgen, als Auszeichnung feierlich übergeben, auszeichnen’, ahd. firlīhan ‘leihweise, als Geschenk geben, gewähren’ (um 800), mhd. verlīhen ‘als Darlehen, als Lehen oder in Miete geben, schenken, geben, zuteil werden lassen’; Verleihung f. ‘feierliche Zusprechung, Übertragung’ (16. Jh.); Verleiher m. ‘wer etw. (gewerbsmäßig) verborgt’, mhd. verlīher; Verleih m. ‘Unternehmen, das etw. gewerbsmäßig gegen eine Gebühr verleiht’ (1. Hälfte 20. Jh.). Anleihe f. ‘(langfristige) Aufnahme einer Geldschuld’, übertragen ‘Verwendung fremden geistigen Eigentums’ (18. Jh.), anstelle des älteren Anlehen n., ahd. analēhan ‘Anleihe’ (um 800), mhd. anlēhen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Belehnung · Beleihung · Bestätigung · Verleihung
Assoziationen
  • Berg- und Hüttenwesen · Bergbau  ●  Montanwesen  lat.
  • Erbgerechtigkeit · Erbstollengerechtigkeit
Synonymgruppe
Erteilung · Vergabe · Verleihung · Zuerkennung · Zuerteilung · Zusprechen

Typische Verbindungen zu ›Verleihung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verleihung‹.

Zitationshilfe
„Verleihung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verleihung>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verleihsystem
Verleihfirma
Verleiher
Verleih
Verlegung
Verleihungsurkunde
Verleimung
Verleitung
Verlesung
Verletzbarkeit