Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Verlies, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verlieses · Nominativ Plural: Verliese
Aussprache  [fɛɐ̯ˈliːs]
Worttrennung Ver-lies
Häufige Falschschreibung Verließ
Wortbildung  mit ›Verlies‹ als Letztglied: Turmverlies
eWDG

Bedeutung

unterirdischer Kerker, besonders in mittelalterlichen Befestigungsanlagen
Beispiele:
ein tiefes, unterirdisches, steinernes, festes, dunkles Verlies
die dicken, undurchdringlichen Mauern eines Verlieses
jmdn. in ein Verlies werfen, sperren
in einem Verlies schmachten
direkt über dem Verlies des Schlosses, der Burg befindet sich der ehemalige Gerichtssaal
Fritz Hardekopf wurde in den Keller geführt und in ein langes, kahles Verlies gestoßen [ BredelSöhne263]
bildlich
Beispiel:
Es gab in seinem Kopf ein Verlies, das nur ihm bekannt war, und das er verschlossen hielt, damit niemand eindringen konnte [ SeghersDie Toten6,263]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Verlies n. ‘unterirdischer Kerker’ (in mittelalterlichen Befestigungsanlagen) und Burgverlies werden in der 2. Hälfte des 18. Jhs. bei der dichterischen Darstellung mittelalterlicher Verhältnisse in der Literatursprache geläufig. Es handelt sich um eine Übernahme von nd. Verlies ‘Ort, wo man verloren ist, unsichtbar wird, Abgrund, Keller’ (vgl. in’t Verlies kamen ‘unsichtbar werden, verschwinden’), älter ‘Verlust’, vgl. mnd. vorlēs, vorlies ‘Verlust, Schaden, Nachteil, Schädigung’, mhd. verlies ‘Unterlassung, Sünde’, mnl. nl. verlies ‘Verlust, Schaden, Verderben’, Abstraktbildung zu dem unter verlieren (s. d.) behandelten Verb. Die vorübergehend geltende Schreibung (besonders bair.-öst.) Verließ knüpft irrig an verlassen an (s. lassen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Arrestzelle · Haftraum · Verlies · Zelle  ●  Gefängniszelle  Hauptform · Kerker  altertümlich · Verwahrraum  fachsprachlich · Loch  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Verlies‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verlies‹.

Verwendungsbeispiele für ›Verlies‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die ersten sechs Monate wird sie nur in diesem Verlies sein. [Die Zeit, 20.09.2010, Nr. 38]
So kurz nur überlebte eines der Kinder in dem Verlies. [Die Zeit, 23.03.2009, Nr. 12]
Irgendwann in den neunziger Jahren wollte er einmal das Verlies besichtigen. [Die Zeit, 27.12.1999, Nr. 52]
Sie sollen keinen Schaden leiden von der ungewohnten Temperatur der Verliese. [Die Zeit, 14.09.1990, Nr. 38]
Das bewegungsunfähige Opfer ist fortan wehrlos, bleibt aber in dem finsteren Verlies, in das es verschleppt wurde, oft noch wochenlang am Leben. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 29]
Zitationshilfe
„Verlies“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verlies>.

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