Verlies, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Verlieses · Nominativ Plural: Verliese
Aussprache
WorttrennungVer-lies (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Verlies‹ als Letztglied: ↗Turmverlies
eWDG, 1977

Bedeutung

unterirdischer Kerker, besonders in mittelalterlichen Befestigungsanlagen
Beispiele:
ein tiefes, unterirdisches, steinernes, festes, dunkles Verlies
die dicken, undurchdringlichen Mauern eines Verlieses
jmdn. in ein Verlies werfen, sperren
in einem Verlies schmachten
direkt über dem Verlies des Schlosses, der Burg befindet sich der ehemalige Gerichtssaal
Fritz Hardekopf wurde in den Keller geführt und in ein langes, kahles Verlies gestoßen [BredelSöhne263]
bildlich
Beispiel:
Es gab in seinem Kopf ein Verlies, das nur ihm bekannt war, und das er verschlossen hielt, damit niemand eindringen konnte [SeghersDie Toten6,263]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Verlies n. ‘unterirdischer Kerker’ (in mittelalterlichen Befestigungsanlagen) und Burgverlies werden in der 2. Hälfte des 18. Jhs. bei der dichterischen Darstellung mittelalterlicher Verhältnisse in der Literatursprache geläufig. Es handelt sich um eine Übernahme von nd. Verlies ‘Ort, wo man verloren ist, unsichtbar wird, Abgrund, Keller’ (vgl. in’t Verlies kamen ‘unsichtbar werden, verschwinden’), älter ‘Verlust’, vgl. mnd. vorlēs, vorlies ‘Verlust, Schaden, Nachteil, Schädigung’, mhd. verlies ‘Unterlassung, Sünde’, mnl. nl. verlies ‘Verlust, Schaden, Verderben’, Abstraktbildung zu dem unter ↗verlieren (s. d.) behandelten Verb. Die vorübergehend geltende Schreibung (besonders bair.-öst.) Verließ knüpft irrig an ↗verlassen an (s. ↗lassen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gefängnis · ↗Gefängniszelle · ↗Kerker · Verlies  ●  ↗Loch  ugs.
Unterbegriffe
  • Brig · Schiffsgefängnis
Assoziationen
  • eingebuchtet · eingekerkert · eingesperrt · einsitzend · festgesetzt · gefangen · gefangen genommen · hinter Gittern · hinter Schloss und Riegel · hinter schwedischen Gardinen · in (polizeilichem) Gewahrsam · in Haft · in Polizeigewahrsam · inhaftiert · interniert · ↗verhaftet  ●  bei Wasser und Brot (sitzend)  fig. · im Gefängnis  Hauptform · verknackt  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autobahnbrücke Burg Dunkel Engelsburg Festung Folterkammer Keller Kerker Kinderschänder Labyrinth Rittersaal Vatikan ausharren befreien dunkel düster einkerkern einsperren fensterlos feucht finster gefangenhalten gesichert hinabsteigen mittelalterlich muffig schmachten sperren unterirdisch verhungern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verlies‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die ersten sechs Monate wird sie nur in diesem Verlies sein.
Die Zeit, 20.09.2010, Nr. 38
Als die Mädchen erwachten, lagen sie in seinem unterirdischen Verlies.
Bild, 12.06.2004
Das bewegungsunfähige Opfer ist fortan wehrlos, bleibt aber in dem finsteren Verlies, in das es verschleppt wurde, oft noch wochenlang am Leben.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 29
Richtig ist: Der Graf von Monte Christo schmachtete Jahrzehnte im Verlies und kam sich sicher sehr verlassen vor.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 169
Als Ende 1944 die Franzosen kamen, wurde der alte Mann verhaftet und in ein Verlies geworfen.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 460
Zitationshilfe
„Verlies“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verlies>, abgerufen am 20.11.2019.

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