Vermächtnis, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vermächtnisses · Nominativ Plural: Vermächtnisse
Aussprache
WorttrennungVer-mächt-nis
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Jura testamentarische Verschreibung, Verfügung über eine (finanzielle) Zuwendung an jmdn.
Beispiel:
Es ist auch nicht möglich, daß ein Ehegatte allein in Verfügungen von Todes wegen Vermächtnisse ... über gemeinschaftliches eheliches Vermögen trifft [Neue Justiz1966]
2.
das, was jmd. jmdm. (durch Testament) vermacht, hinterlässt, Legat
Beispiele:
sie hat ihm letztwillig ein bedeutendes Vermächtnis zugedacht
er wollte seine Kunstsammlung seinen Kindern als Vermächtnis hinterlassen
der Schrank im Speisezimmer enthielt das kostbarste Vermächtnis unseres Freundes an die Nachwelt, seine Bücher
3.
letzter Wille, Testament
Beispiele:
er hat uns in seinem Vermächtnis ein Legat ausgesetzt
jmdn. in seinem Vermächtnis bedenken
gehoben, bildlich Auftrag eines Verstorbenen an die Lebenden
Beispiele:
das Vermächtnis eines Toten erfüllen
sie hatte ihm die Sorge für das Kind als Vermächtnis hinterlassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

machen · abmachen · aufmachen · ausmachen · Machenschaft · Mache · Macher · Macherlohn · Machwerk · vermachen · Vermächtnis
machen Vb. ‘tun, erzeugen, hervorbringen, ausführen, gestalten, verursachen, bewirken, ergeben’. Das nur im Westgerm. vertretene Verb ahd. mahhōn (8. Jh.), mhd. machen, asächs. makon, macian, mnd. māken, aengl. macian, engl. to make, mnl. nl. maken, afries. makia (germ. *makōn) ist verwandt mit griech. magḗnai (μαγῆναι), dem Aorist Pass. von mássein, att. máttein (μάσσειν, μάττειν) ‘kneten, zubereiten’, magís (μαγίς) ‘geknetete Masse, Kuchen’, bret. meza ‘kneten’, aslaw. mazati, russ. mázat’ (мазать) ‘bestreichen, beschmieren, salben’, aslaw. maslo ‘Öl, Salbe’, russ. máslo (масло) ‘Butter, Öl’. Diesen liegt eine Wurzel ie. *mag̑- ‘kneten, drücken, streichen’ zugrunde; das Germ. setzt dabei eine spezielle Anwendung im Bereich des Lehmbaus ‘kneten, formen, zusammenfügen’ voraus. Noch im Ahd. ist die Verwendung des Verbs im Sinne von ‘zusammenfügen, -bringen’, dann ‘verfertigen’ deutlich erkennbar. Über ‘bewirken, zuwege bringen’ entwickelt sich der weite, verallgemeinerte Gebrauch. abmachen Vb. ‘loslösen, erledigen, vereinbaren’ (15. Jh.). aufmachen Vb. ‘öffnen, eröffnen, ausstaffieren’, reflexiv ‘losgehen, aufbrechen’, mhd. ūfmachen, auch ‘errichten, bauen’. ausmachen Vb. ‘auslöschen, verabreden, entdecken, ergeben’, mhd. ūʒmachen ‘vollenden, hervortreten lassen, putzen’, reflexiv ‘losgehen’. Machenschaft f. häufig im Plur. ‘üble Praktik, Handlungs- oder Verfahrensweise, Intrige’ (18. Jh.), schweiz. ‘Vergleich, Kontrakt’ (Mitte 18. Jh.). Mache f. ‘Tätigkeit, Arbeit’, auch ‘Täuschung, Vorgeben von Wichtigkeit’; vgl. (nur in Zusammensetzungen) ahd. -mahha (11. Jh.), mhd. -mache ‘das Tun, Hervorbringen’; in der Mache haben ‘in Arbeit haben, mit etw. beschäftigt sein’ (17. Jh.). Macher m. ‘wer etw. macht, Hersteller’, heute auch ‘rühriger, aktiver Mensch’, ahd. mahhāri ‘Urheber, Vermittler’ (10./11. Jh.), reich bezeugt in Zusammensetzungen (seit 9. Jh.), mhd. macher, mecher ‘Bewirker, Schöpfer’ mnd. maker, mnl. makere, mekere, afries. mekere. Macherlohn m. ‘Bezahlung, die der Verfertiger einer handwerklichen Arbeit erhält’ (16. Jh.). Machwerk n. ‘schlechte, untaugliche Arbeit’ (18. Jh.). vermachen Vb. ‘hinterlassen, übereignen’, mhd. vermachen ‘zertrümmern, verderben, bekräftigen, festmachen, einschließen, schenken, übergeben’; Vermächtnis n. ‘Testament, Hinterlassenschaft’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbe · ↗Erbgut · ↗Erbschaft · ↗Hinterlassenschaft · ↗Legat · ↗Nachlass · Vermächtnis  ●  ↗Erbteil  schweiz. · ↗Hypothek  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Letzter Wille · Nachlassdokument · ↗Testament · Vermächtnis · letztwillige Verfügung
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Drachenreiter Emigrant Erbschaft Gönner Inka Lebzeiten Millionenkonto Nachwelt Privatkredit Schenkung Tempelritter Traumzeit Wanderhure Widerstandskämpfer angeblich anonym bleibend deklarieren erfunden filmisch hinterlassen jüdisch kompositorisch kostbar leninsch literarisch tarnen testamentarisch tönend verraten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vermächtnis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als Vermächtnis sollen seine Jets später in den Besitz des Museums übergehen.
Die Welt, 27.11.2004
Vermächtnisse sind eine Einrichtung, von der viel zu wenig Gebrauch gemacht wird.
Der Tagesspiegel, 15.03.2000
Es mag wirkungslos sein, aber es ist Verpflichtung, dies Vermächtnis der großen Lehrer zu verteidigen.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 385
Sein »Vermächtnis« ist das schönste Künstlerbuch, welches geschrieben - man möchte fast, daß man niemals eine Arbeit glücklich vollführte.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30279
Damals wurde Rom für mich das Testament und Vermächtnis meiner teuren Großmutter.
Le Fort, Gertrud von: Das Schweißtuch der Veronika, Frankfurt a. M.: Fischer 1959 [1928], S. 160
Zitationshilfe
„Vermächtnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vermächtnis>, abgerufen am 15.10.2019.

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