Vernehmung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vernehmung · Nominativ Plural: Vernehmungen
Aussprache
WorttrennungVer-neh-mung
Wortzerlegungvernehmen-ung
Wortbildung mit ›Vernehmung‹ als Erstglied: ↗vernehmungsfähig · ↗vernehmungsunfähig
Wahrig und ZDL, 2020

Bedeutung

polizeiliche oder richterliche Befragung, Verhör von Beschuldigten oder Zeugen zur Klärung eines Tathergangs; Befragung von Angeklagten und Zeugen, auch Sachverständigen oder Klägern (bei Gerichtsverfahren, in Untersuchungsausschüssen)
Beispiele:
Schon bei seiner ersten Vernehmung gab der Beschuldigte zu, in Auschwitz tätig gewesen zu sein, bestritt aber, etwas von den Verbrechen erfahren zu haben. [Die Welt, 05.02.2019]
Dass er auf dem Handy sprach, als der Unfall geschah, hatte der Lokführer bei seiner Vernehmung […] laut Medien verschwiegen. [Die Zeit, 31.07.2013 (online)]
Der junge Mann, der in der Justizvollzugsanstalt Vechta in Untersuchungshaft saß, hatte die Tat weder bei stundenlangen Vernehmungen durch die Polizei noch vor der Haftrichterin eingeräumt. [Spiegel, 30.03.2012 (online)]
Es werde […] erst nach der Einvernahme aller Zeugen entschieden, ob die Vernehmung der beiden nicht in München erschienenen Mitschüler nötig sei. [Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2010]
Bei dem Gerichtstermin am Montag handelte es sich um eine richterliche Vernehmung vor dem eigentlichen Prozessbeginn. M[…] hat bereits gegenüber den Ermittlern eingeräumt, die Anschläge in New York und Washington geplant zu haben. [Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2008]
In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurden die Eltern nach den Vernehmungen wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. [Spiegel, 24.12.2009 (online)]
Da trotz der Vernehmung von mehr als 100 Belegschaftsmitgliedern die Ursache des Grubenunglücks nicht einwandfrei habe geklärt werden können, könne auch niemand für das Unglück verantwortlich gemacht und schuldig gesprochen werden, heißt es im abschließenden Bericht des Untersuchungsausschusses aus den fünfziger Jahren. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.1996]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine polizeiliche, richterliche, öffentliche Vernehmung; eine frühere, spätere, erneute Vernehmung
als Akkusativobjekt: die Vernehmung (von jmdm.) beantragen, durchführen, fortsetzen, ablehnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: bei einer Vernehmung (etw.) sagen, aussagen, angeben, gestehen, zugeben; (jmdn.) nach einer Vernehmung entlassen
mit Genitivattribut: die Vernehmung eines Zeugen, Angeklagten, Verdächtigen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Vernehmung von Zeugen; die Vernehmung durch die Polizei, die Staatsanwaltschaft; eine Vernehmung vor Gericht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nehmen · benehmen · benommen · Benommenheit · unbenommen · Benehmen · Benimm · unternehmen · Unternehmen · Unternehmer · vernehmen · Vernehmung · vernehmlich · Nahme
nehmen Vb. ‘mit den Händen ergreifen, fassen, wegnehmen, entziehen’, ahd. neman (8. Jh.), mhd. nemen, asächs. niman, neman, mnd. mnl. nēmen, nl. nemen, afries. nema, aengl. niman, engl. (älter) to nim, anord. nema, got. niman (germ. *neman) sind vergleichbar mit griech. némein (νέμειν) ‘aus-, ver-, ordnungsgemäß zuteilen, lenken, leiten, verwalten, sich aneignen, besitzen, bebauen, Weideland zuteilen, (ab)weiden, verzehren’, lett. (mit sekundärer Palatalisierung des Anlauts) n̹emt, awest. nəmah- ‘Darlehen’, air. nem ‘Gift’, lat. numerus ‘Zahl, Anzahl’, lit. núoma, núomas, lett. noma ‘Miete, Pacht’, so daß eine Wurzel ie. *nem- ‘zuteilen, nehmen’ (von der Vorstellung der hingestreckten Hand), auch (von ‘zuteilen’ ausgehend) ‘anordnen, rechnen, zählen’ angesetzt werden kann. benehmen Vb. ‘wegnehmen, entziehen’, ahd. bineman (8. Jh.), mhd. benemen; reflexiv ‘sich verhalten, sich aufführen’, anfangs ‘sich besprechen, mit jmdm. verständigen’ (18. Jh.). benommen Part.adj. ‘schwindlig, betäubt’ (19. Jh.), eigentlich ‘weggenommen, behindert’; Benommenheit f. ‘das Gefühl, keinen klaren Kopf zu haben, Betäubtheit’ (Mitte 19. Jh.). unbenommen Part.adj. ‘nicht verwehrt, unversagt’, eigentlich ‘unbehindert’, meist in der Fügung unbenommen sein, mhd. unbenomen sīn. Benehmen n. ‘das Verhalten nach Regeln von Sitte und Takt (im Umgang mit Menschen)’ (1. Hälfte 18. Jh.); dazu umgangssprachlich Benimm m. (19. Jh.). unternehmen Vb. ‘beginnen, betreiben, machen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.); vgl. ahd. untarneman ‘unterbrechen, dazwischentreten’ (10. Jh.), mhd. undernemen ‘abschneiden, unterbrechen, verhindern, wegnehmen’, reflexiv ‘sich gegenseitig fassen, sich jmds. annehmen, etw. übernehmen, antreten’; Unternehmen n. ‘was unternommen wird, Vorhaben, Absicht’ (Anfang 17. Jh.), auch ‘wirtschaftliche Unternehmung, Betrieb’ (18. Jh.), dazu Unternehmer m. ‘wer einen Gewerbe- oder Industriebetrieb besitzt (und leitet)’ (18. Jh.), nach engl. undertaker, frz. entrepreneur; älter allgemein ‘wer etw. in die Wege leitet’ (Ende 17. Jh.). vernehmen Vb. ‘geistig erfassen und aufnehmen, hören, verstehen’, ahd. firneman ‘verstehen, verbrauchen’, auch ‘zur Kenntnis nehmen, erkennen’ (8. Jh.), mhd. vernemen ‘fest-, gefangennehmen, (an)hören, erfahren, erfassen, begreifen’; als Ausdruck der Gerichtssprache ‘jmdn. befragen und anhören, verhören’ (18. Jh.); Vernehmung f. ‘geistige Erfassung’ (15. Jh.), ‘gerichtliches Verhör’ (Ende 17. Jh.); vernehmlich Adj. ‘hörbar, laut, deutlich’ (18. Jh.), älter ‘mit einem der Sinne wahrnehmbar’, auch ‘verständig, klug’ (15. Jh.). Nahme f. ‘das Nehmen, das Gewonnene’, ahd. nāma ‘Beschlagnahme, Ergreifung’ (um 800), mhd. nāme ‘gewaltsames Nehmen, Raub, Beute’, Verbalabstraktum zu nehmen; heute nur in Präfixbildungen wie Abnahme (17. Jh.), Annahme (15. Jh.), Aufnahme (15. Jh.), Einnahme (15. Jh.), Entnahme (18. Jh.), Übernahme, (mhd. übernāme), Zunahme (Mitte 17. Jh.), die von den entsprechenden Präfixverben abgeleitet sind.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anhörung · ↗Befragung · ↗Untersuchung · ↗Verhör · Vernehmung  ●  ↗Einvernahme  österr., schweiz. · ↗Einvernehmung  österr., schweiz.
Assoziationen
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu)  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · ↗vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Vernehmung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Angeklagte Beschuldigte Ermittlungsrichter Kripo Mordkommission Protokoll Sachverständiger Staatsanwaltschaft Untersuchungsausschuß Untersuchungsrichter Zeug Zeuge Zeugin angeben aussagen eidlich entlassen freilassen gestehen kommissarisch mehrstündig polizeilich richterlich staatsanwaltschaftlich stundenlang verschärft verstricken verwickeln vorladen zugeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vernehmung‹.

Zitationshilfe
„Vernehmung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vernehmung>, abgerufen am 24.02.2020.

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