Verneinung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verneinung · Nominativ Plural: Verneinungen
Aussprache
WorttrennungVer-nei-nung
Wortzerlegungverneinen-ung
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
das Verneinen (a)
Beispiele:
H[…] hat kurz nachgehakt: »Amelie, hat es irgendeinen Sinn zu versuchen, dich umzustimmen?« Die entschiedene Verneinung hat […] [ihn] nicht überrascht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2006]
Der Frage nach Gott und ihrer Verneinung geht man wohl besser ohne ideologische Scheuklappen nach, was natürlich auch für die Befürworter gilt. [Die Zeit, 23.12.2010, Nr. 51]
Die Frage, ob die Literaturoper in dieser allzu naiven Form heute noch möglich ist, blieb mit Tendenz zur Verneinung offen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2001]
Er [der Lehrer] sieht den Grund für das Bauchweh [des Schülers] ganz klar im Elternhaus: »Haben Sie zuviel Druck gemacht?« und stellt auf die entrüstete Verneinung der Frage prompt die Gegenfrage: »Haben Sie vielleicht zu wenig Druck gemacht?« [Die Zeit, 31.08.1990, Nr. 36]
Unsere Gerichte prüfen […] schon im Eherechtsstreit[…], ob die Frau durch eine ihr zumutbare Arbeit imstande ist, nach der Ehescheidung ihren Unterhalt selbst zu verdienen. Die Verneinung dieser Frage kann mitunter sogar ausschlaggebend dafür sein, daß die Scheidungsklage des Ehemannes abgewiesen wird. [Neues Deutschland, 10.08.1957]
Kollokation:
mit Genitivattribut: Verneinung einer Frage
b)
das Verneinen (b)
Beispiele:
Die einzelnen Phasen zeichnen sich aufseiten der Anleger aus durch Hoffnung, Erleichterung, Optimismus, Begeisterung und schliesslich Euphorie bei steigenden Notierungen sowie durch Ängstlichkeit, Verneinung der Realität, Verzweiflung, Panik bis hin zur Verzweiflung in Zeiten fallender Kurse. [Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2017]
Dabei ist nicht nur das Fehlen von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern bedenklich, sondern auch die Ablehnung jedweder Technik durch Mangel an technischem Wissen […] und durch emotionale Verneinung von technischem Fortschritt. [Die Welt, 01.11.2011]
Er ist ein ideologischer Krieg zunehmend gut ausgebildeter, professionell agierender junger Männer, die in Tod und Vernichtung die absolute Verneinung des von ihnen als sinnentleert verachteten modernen Individualismus sehen. [Welt am Sonntag, 15.04.2007, Nr. 15]
Pekings These, Kriege seien unvermeidlich, führt logischerweise zu einer Verneinung jeglicher Koexistenzpolitik[…]. [Die Zeit, 01.07.1960, Nr. 27]
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: grundsätzliche, radikale, totale Verneinung [von etw.]
als Akkusativobjekt: etw. bedeutet eine Verneinung von etw.
als Genitivattribut: der, ein Geist der Verneinung
2.
Sprachwissenschaft
a)
das Negieren (a)
Beispiele:
Vorsichtig formuliert die Regierung in doppelter Verneinung, dass ein solcher Entwicklungspfad insgesamt »nicht grundsätzlich unmöglich« erscheine. [Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2017]
Tatsächlich kann man im Bairischen einen Satz doppelt und dreifach verneinen, im Notfall sogar öfter. In der alten Literatur begegnet man dem oft, und manchmal auch noch im Alltag. Ludwig Thoma formulierte die mehrfache Verneinung zum Beispiel in den »Lausbubengeschichten«: »Ich fragte ihn, ob er keine Zigarre nicht will, aber er sagte nein, weil er keine so starken nicht raucht.« [Süddeutsche Zeitung, 01.08.2016]
Ebenso wird in vielen eurasiatischen Sprachen der n-Laut für eine Verneinung gebraucht, von »no« / »not« im Englischen, »non« / »ne« im Französischen, »njet« im Russischen bis zur Endung »-nai«, mit der im Japanischen Verben verneint werden. [Die Welt, 02.08.2000]
Kompliziert gestellte Fragen, oft in doppelter Verneinung, lassen einfache Sachverhalte schwierig erscheinen. [Die Zeit, 26.02.1982, Nr. 09]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: doppelte Verneinung
mit Genitivattribut: die Verneinung der Verneinung
als Genitivattribut: eine Form der Verneinung
b)
Verneinungswort
Beispiele:
Die [Software] Precire analysiert Merkmale, die die Sprache auszeichnen. Die Länge der Sätze werde ebenso bemessen wie Satzbau und Wortwahl: Verneinungen, Konjunktive, Bindewörter. [Der Standard, 07.06.2016]
Wusstet Ihr, dass im Deutschen der Plural immer mit dem Artikel »die« gebildet wird oder dass man in der Welt der Verneinungen »nicht« für Verben und »kein« für Nomen nutzt? [SKETCHNOTELOVERS, 06.07.2015, aufgerufen am 15.02.2017]
Das »An« ist eine Verneinung und das »archie« bedeutet Herrschaft. [Freiwilligfrei.de, 09.03.2014, aufgerufen am 15.02.2017]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nein · nee · verneinen · Verneinung
nein Adv. eine verneinende, ablehnende Antwort auf eine Frage ausdrückend, ahd. (9. Jh.), mhd. nein, asächs. mnd. nēn, mnl. neen, nein, nl. neen setzt sich zusammen aus der Verneinungspartikel ahd. ni (8. Jh.), mhd. ne, asächs. ni, ne, mnd. , got. ni und der neutr. Form des unbestimmten Artikels (s. ↗ein Num.), so daß von einer Bedeutung ‘nicht eins’ auszugehen ist. Der Verneinungspartikel (auch in ↗nicht, ↗nie, ↗niemand, s. d.) entsprechen außergerm. aind. ‘nicht’, griech. ne- (νε-) in nēl(e)ḗs (νηλ(ε)ής) ‘ohne Mitleid, erbarmungslos’, lat. ne- in nescīre ‘nicht wissen’, air. ne- in nech ‘irgend jemand’, aslaw. aruss. ne, russ. ne (не). Verwandt sind lat. ‘nicht, daß nicht’, got. ‘nein’, lat. , alat. nei ‘nicht, daß nicht, wenn nicht’. Auszugehen ist von ie. *ne, *nē, *nei als Satznegation; einzelsprachlich allerdings ist besonders ie. *ne oft zur Wortnegation geworden (dazu s. auch ↗un-). Der Bildungsweise von nein vergleichen sich aengl. nān, engl. none, afries. nān, nēn, anord. neinn ‘irgendein, kein’ sowie lat. nōn, alat. noenum (aus *noinom) ‘nicht’. In der Umgangssprache (wohl aus dem Nordd.) nee, literarisch (auch ne, in der Doppelung ne, ne) seit dem 16. Jh. verneinen Vb. ahd. firneinen (11. Jh.), mhd. verneinen; Verneinung f. (um 1700).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abfuhr · ↗Ablehnung · ↗Absage · ↗Rückweisung · Verneinung · ↗Verweigerung · ↗Weigerung · ↗Zurückweisung
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Dementierung · ↗Negation · Verneinung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablehnung Ausdruck Bejahung Bestimmung Falle Gegenteil Geist Gott Menschenrecht Notwendigkeit Ordnung Prinzip Sein Verneinung Wesen Wille Willen Würde absolut bedeuten bejahen bloß definieren doppelt gleichkommen grundsätzlich kategorisch radikal total umfassend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verneinung‹.

Zitationshilfe
„Verneinung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verneinung>, abgerufen am 18.11.2019.

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