Verortung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verortung · Nominativ Plural: Verortungen · wird selten im Plural verwendet
Worttrennung Ver-or-tung
Wortzerlegung verorten -ung
Wortbildung  mit ›Verortung‹ als Letztglied: Selbstverortung
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Zuordnung, Eingliederung in ein bestimmtes Bezugssystem
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die politische, historische, soziale, zeitliche, ideologische, kulturelle Verortung; eine klare, genaue Verortung
Beispiele:
Er [Michael Jackson] wollte nicht weiß sein, aber eben auch nicht schwarz, Identifikationen wie sie ein normaler Mensch zur Verortung seines Selbst braucht, waren ihm fremd. [Der Spiegel, 29.06.2009]
Es geht ihm [dem Autor] […] nicht in erster Linie um die zeitliche Verortung von menschheitsgeschichtlichen Errungenschaften […], sondern um ihre systematische Stelle im Prozess der Zivilisation. [Die Welt, 23.09.2017]
Sie [die Breakdance-Szene] bietet eine Welt, die zwar auf Leistung, Kampf und Konkurrenz aufbaut, gleichzeitig aber eine eigenständige und klare Verortung und Identifikation für jeden Teilnehmer bietet. [Und plötzlich dreht sich die Welt nur um dich – Die Zeit, 31.05.2001, aufgerufen am 11.11.2021]
Der Bezugsrahmen wechselt; nicht das Gegeneinander exklusiver Souveränitätsansprüche und nationaler Identitätsabgrenzungen bildet den Kern des Politischen, sondern die Verortung im weltgesellschaftlichen Nexus, in der wirtschaftlichen, ökologischen, kulturellen, zivilgesellschaftlichen Globalität und Globalisierung. [Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung? Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997, S. 188]
Ein ganzer Tag verging mit dem Versuch, ihn [den Dialog mit den Vertretern Irans] aus der religiösen Verortung der Menschenrechte, die wieder einmal von iranischer Seite gemacht wurde, herauszuführen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.1995]
das Zuordnen von jmdm. oder etw. zu einer bestimmten (politischen, ideologischen, künstlerischen) Richtung, Anschauung, Zeitströmung
Beispiele:
Viele US‑Kommentatoren sagen unabhängig von ihrer politischen Verortung, [US-Präsident] Trump sei weg, der Trumpismus aber habe überlebt. [Der Tagesspiegel, 11.11.2020]
Ja, ich nehme es so wahr, dass alle Beteiligten verstanden haben: An der Verortung der FDP in der politischen Mitte darf es keinen Zweifel geben. [Die Welt, 29.04.2020]
Oskar Loerke. Nahezu vergessen ist der Lyriker, Essayist, Prosa‑Autor, Rezensent und Lektor. […] Grobe Verortung: Expressionismus, magischer Realismus. [Frankfurter Rundschau, 27.01.2011]
Er [Elias Canetti] antwortete nicht spezifischer auf meine Fragen nach der gesellschaftlichen Verortung des Dichters, der aufklärerischen Bedeutung sinnlicher Erkenntnis, der poetischen Rationalität. [Süddeutsche Zeitung, 18.01.2003]
Die Lithographie »Hommage à Chillida« drückt seine [Hans-Günther van Looks] Verehrung für den baskischen Bildhauer und seine abstrakten Arbeiten aus. Darüber hinaus erfährt man nichts über Einflüsse und Verortungen dieses Künstlers in der Kunstszene. [Badische Zeitung, 23.12.2017] ungewöhnl. Pl.
2.
Standortbestimmung, räumliche Einordnung einer Person, Sache oder eines Gebietes
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die geografische, räumliche Verortung
Beispiele:
Mit dem Begriff des »Raums« beschreibt der Regisseur nicht nur die räumliche und zeitliche Verortung von Bauwerken, sondern auch die Architektur des Films und der menschlichen Wahrnehmung. [Basler Zeitung, 08.11.2017]
Im Treff [»]Soziale Arbeit[«] werden Einblicke in den Forschungsprozess [des Netzwerks Soziale Arbeit] zur Themenvielfalt, räumlichen Verortung und dem Spektrum der Akteure gegeben […]. [Reutlinger General-Anzeiger, 09.11.2020]
Der Palast, ebenso wie der buddhistische Jogyesa‑Tempel mit riesigen goldenen Buddha‑Statuen, waren schon beides sehr beeindruckende Bauwerke, der besondere Reiz entsteht aber […] durch die paradoxe Verortung dieser Bauten [inmitten der von Hochhäusern geprägten Millionenstadt Seoul]. [Vorbei ist vorbei, 09.09.2010, aufgerufen am 11.11.2021]
Er [der Historiker Julian Luxford] weist […] auf den geografischen Bezug zur Grafschaft Nottinghamshire hin, die zwar fixer Bestandteil des Mythos um Robin Hood geworden ist – historische Belege für eine solche Verortung gab es bislang allerdings kaum. [Der Standard, 15.03.2009]
Der Kontext und die topografische Verortung, in denen ein Denk‑ oder Mahnmal steht, entscheiden darüber, wie man sich dort verhält. [Der Tagesspiegel, 20.05.2005]
Für uns ist, neben der Verortung der [von Bonn nach Berlin verlegten] Ministerien, die Art und Weise, wie sie in der Berliner Innenstadt »Platz nehmen«, von hoher Bedeutung. Sie werden in einer hochprominenten Umgebung liegen: Die unvergleichliche Museumsinsel, der Dom, der Bundespräsident, zwei Opernhäuser, nicht zuletzt das künftige Haus auf dem Schloßareal sind ihre unmittelbaren Nachbarn. [Die Zeit, 19.06.1992]

letzte Änderung:

Thesaurus

Computer, Geografie
Synonymgruppe
Geokodierung · Georeferenzierung · Verortung
Synonymgruppe
Einordnung · Zuordnung  ●  Positionierung  fig. · Verortung  geh.

Typische Verbindungen zu ›Verortung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verortung‹.

Zitationshilfe
„Verortung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verortung>.

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