Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vers, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Verses · Nominativ Plural: Verse
Aussprache  [fɛʁs]
eWDG

Bedeutungen

1.
metrisch, rhythmisch gestaltetes, oft gereimtes sprachliches Gebilde in gebundener Rede, das meist eine Zeile in einem Gedicht, einer Strophe, in einem Drama oder Epos bildet
Beispiele:
ein jambischer, daktylischer Vers
gereimte, reimlose, holprige, kunstvolle Verse
freie Rhythmen sind reimlose Verse
der erste und dritte sowie der zweite und vierte Vers jeder Strophe dieses Gedichtes reimen sich (aufeinander)
das Gedicht hat fünf Strophen zu je vier Versen
in Versen schreiben, dichten
Verse vortragen, vorlesen
Verse aufschreiben, dichten
umgangssprachlich Verse machen
etw. in Verse bringen
gehobenetw. in Verse gießen
umgangssprachlich, übertragen sich [Dativ] einen, seinen Vers auf, aus etw. machenetw. begreifen, verstehen, sich etw. erklären können
Beispiele:
auf die seltsamen Vorgänge konnte sich niemand einen Vers machen
du hast alles erfahren, nun mach dir selbst deinen Vers (= deute dir das selbst)
2.
umgangssprachlich Strophe eines Gedichtes
3.
kleinster Textabschnitt in der Bibel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vers m. ‘rhythmisch gegliederte, oft mit Reim versehene Zeile einer Dichtung, Bibelstelle’, ahd. fers (9. Jh.), mhd. vers, entlehnt aus lat. versus ‘Linie, Strich, Reihe, Zeile, Verszeile’, mlat. ‘(gesungener) Abschnitt eines Psalms’, eigentlich ‘das Umwenden der Erde durch den Pflug und die dadurch entstandene Furche’, zu lat. vertere (versum) ‘kehren, wenden, drehen’. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht Vers vielfach im Sinne von Strophe (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Absatz · Gedichtabschnitt · Strophe · Vers
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vers‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vers‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vers‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Gesang wird von Vers zu Vers kräftiger, mutiger, erotischer. [Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 321]
Aber sie sagte es immerhin so reizend, daß ich nicht anders konnte, als ihr meine Verse hinüberzureichen. [Hartung, Hugo: Wir Wunderkinder, Düsseldorf: Droste Verl. 1970 [1959], S. 36]
Für den ersten Teil des Verses sprach er über die Lage der Hospitäler. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 267]
Von diesen 84 Versen sind nur 13 vollkommen gleichlautend überliefert. [Forschungen und Fortschritte. Nachrichtenblatt der deutschen Wissenschaft und Technik, 1935, Nr. 26, Bd. 11]
Und die meisten Verse in diesem Buch halten das aus. [Tucholsky, Kurt: Auf dem Nachttisch. In: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]]
Zitationshilfe
„Vers“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vers>.

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