Verszeile, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verszeile · Nominativ Plural: Verszeilen
Aussprache ['fɛʁsʦaɪ̯lə]
Worttrennung Vers-zei-le
Wortzerlegung VersZeile
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

einzelne Zeile lyrischer Dichtung
Beispiele:
Trotz einer vorherigen Bitte der Söhne von Diana ließ [Elton] John den Song aus. Er hatte nach der Trauerfeier für die Prinzessin geschworen, den Song nie wieder mit der seinerzeit eigens auf Diana umgedichteten Verszeile »Good‑bye, England’s Rose« aufzuführen. [Der Spiegel, 02.07.2007 (online)]
Land‑Art‑Künstler Italo Lanfredini hat […] einen sechs Meter langen Einbaum stranden lassen, beladen mit Amphoren[…]. In den Gefäßen stapeln sich Tontäfelchen mit eingeritzten Verszeilen. Lanfredini hat Schriftsteller um kurze Gedichte für das »Boot der kostbaren Essenzen« gebeten. [Süddeutsche Zeitung, 19.10.2018]
Im ersten Kapitel des Gedichtbandes, den er Graue Ebene genannt hat, bringt Houellebecq beinahe ausschließlich erstklassiges Mallarmésches Vokabular zum Einsatz – die Würfel, die Sterne, das Nichts[…]. Besonders die legendäre Verszeile Mallarmés Un coup de dés jamais n’ abolira le hasard (niemals wird ein Würfelwurf den Zufall besiegen) geistert, in seine Einzelworte zerlegt, durch diese Gedichte. [Die Zeit, 25.04.2013]
Ich hab’s an zwei Sachen gemerkt, daß es ein Deutscher sein muß, am Signal und am Ton. Er morste, als würde er Fraktur schreiben, das hörte man an seiner Melodie, genau und ordentlich zwar, aber eben als hätte er Verszeilen voller Jamben vor sich; mein Lehrer in Pretoria war deutscher Abstammung, und obwohl man’s seinem Akzent nicht anhörte, brach doch diese hackende Modulation immer durch[…]. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 599]
Bei seiner lyrischen Technik hätte ihn nichts daran gehindert, schlampig zu arbeiten, er hätte Hunderte von Verszeilen übersetzen können, wenn er leichthin gearbeitet hätte. [Die Zeit, 26.06.1964]
Für Dichtung, wenn sie (wirklich oder innerlich) gehört wird, die gesamten Lautungseindrücke. […] Wenn sie gesehen wird, meint man das Druckbild. Diese äußerlichste Form ist nicht ganz ohne Bedeutung: nicht bloß bei gewissen eigenartigen Anordnungen lyrischer Verszeilen bei Hofmannswaldau, Arno Holz, Apollinaire usw., sondern auch bei Hymnen (Goethe, Hölderlin, Nietzsche); denn dieses Druckbild (tatsächlich Formung der Druckerschwärze!) deutet an, in welchem Rhythmus, in welcher Versbewegung der Dichter gestaltet hat; in gewöhnlichem Prosadruck würde die Rhythmik, die der Dichter hineinlegte, nicht ohne weiteres und sofort heraustreten. [Seidler, Herbert: Die Dichtung: Wesen, Form, Dasein. Stuttgart, 1959.]
Binnenreim, Reim zweier durch eine Hebung getrennter Worte derselben Verszeile. [Brockhaus’ Kleines Konversation-Lexikon, Leipzig: F. A. Brockhaus 1906, S. 8263]

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Typische Verbindungen zu ›Verszeile‹

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Zitationshilfe
„Verszeile“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verszeile>, abgerufen am 19.04.2021.

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