Vertragsfreiheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vertragsfreiheit · Nominativ Plural: Vertragsfreiheiten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache [fɛɐ̯ˈtʀaːksfʀaɪ̯haɪ̯t]
Worttrennung Ver-trags-frei-heit
Wortzerlegung  Vertrag Freiheit
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Recht als Ausprägung der allgemeinen Handlungsfreiheit im deutschen Zivilrecht geltender Grundsatz, der es jedermann gestattet, über Abschluss, Partner, Gegenstand, Inhalt und Form eines Vertrages frei zu bestimmen, soweit damit nicht gegen gesetzliche Bestimmungen oder die guten Sitten verstoßen wird
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die völlige, allgemeine, weitgehende Vertragsfreiheit; die [verfassungsrechtlich, grundgesetzlich] geschützte, garantierte Vertragsfreiheit
als Akkusativobjekt: die Vertragsfreiheit einschränken
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Eingriff in die Vertragsfreiheit
in Koordination: Vertragsfreiheit und Wettbewerb
als Genitivattribut: der Grundsatz, das Prinzip, eine Einschränkung der Vertragsfreiheit
Beispiele:
Wie bei den meisten anderen Verträgen gilt auch für den Darlehensvertrag Vertragsfreiheit. Das bedeutet, die beiden Vertragsparteien können die Inhalte des Vertrags weitestgehend frei vereinbaren. Außerdem muss der Darlehensvertrag nicht unbedingt schriftlich geschlossen werden. [Formular Darlehensvertrag, 18.06.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Soweit das Gesetz nicht für bestimmte Verträge Formerfordernisse vorschreibt, wie die schriftliche Form bei für längere Zeit als ein Jahr geschlossenen Mietverträgen (§ 550 BGB mit der Folge vorzeitiger Kündbarkeit), ist ein Rechtsgeschäft nach dem Grundsatz der Vertragsfreiheit mit dem formlos vereinbarten Inhalt wirksam. [Langfristige unentgeltliche Gebrauchsüberlassung, 31.03.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Früher war die Vertragsfreiheit der Ehegatten bei Abschluss eines Ehevertrages nahezu uneingeschränkt. Dies hat sich aufgrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und sodann auch des Bundesgerichtshofs der letzten Jahre jedoch geändert. […] Es muss sichergestellt sein, dass durch die vertraglichen Vereinbarungen ein Ehegatte nicht ungerechtfertigt benachteiligt oder der Schutzzweck der gesetzlichen Regelungen unterlaufen wird. [Eheliches Güterecht, 19.01.2015, aufgerufen am 31.08.2020]
Die Vertragsfreiheit der Krankenkassen wurde in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet, leider meist auf Kosten der persönlichen Vertragsfreiheit der Patienten. [Zweierlei Vertragsfreiheit im Gesundheitswesen, 11.09.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Vertragsfreiheit leitet sich im deutschen Grundgesetz aus dem Grundrecht der allgemeinen Handlungsfreiheit des Artikel 2 ab. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2003]
In einem Vertrag zur Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist zu regeln, wer die Gesellschaft nach außen hin vertreten darf. Im einzelnen bleibt immer noch ein weiter Raum für individuelle vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten, denn es gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit. [C’t, 1990, Nr. 6]
Im Rahmen der Gesetzesänderungen wurde zusätzlich zu den Nichtigkeits‑ und Schadensersatzvorschriften ein neues Sanktionssystem erarbeitet, das die Verkäufer davon abhalten soll, die neuen Vertragsfreiheiten (= Spielräume bei der Gestaltung von Verträgen) hinsichtlich der Preisgestaltung zu missbrauchen. [Frankreich reformiert sein Wirtschaftsvertrags- und Wettbewerbsrecht, 19.01.2009, aufgerufen am 07.12.2020] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Vertragsfreiheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vertragsfreiheit‹.

Zitationshilfe
„Vertragsfreiheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vertragsfreiheit>, abgerufen am 16.10.2021.

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