Vertreibung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vertreibung · Nominativ Plural: Vertreibungen
WorttrennungVer-trei-bung
Wortzerlegungvertreiben-ung
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
das Verdrängen, Verbannen von jmdm. oder etw. von einem Platz, aus einem Land
Beispiele:
Das Regime betreibt seit Jahren eine Politik der systematischen Vertreibung, Verwüstung und Ermordung, die sich im Wesentlichen gegen die arabisch-sunnitische Bevölkerung richtet – mit drei Vierteln die große Mehrheit im Land. [Süddeutsche Zeitung, 17.11.2016]
Man braucht beides: steigende Standards, aber ohne die Vertreibung von Leuten durch zu hohe Mieten. [Spiegel, 12.11.2016 (online)]
[…] »Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.« [Die Zeit, 02.09.2016 (online)]
Als Folgen [des Befahrens von abgelegenen Feld- und Wanderwegen mit Rennrädern] beschreiben die Naturschützer nicht nur zurückgelassenen Müll, sondern die Vertreibung von bedrohten Tierarten. [Berliner Zeitung, 07.08.1991]
Während der vierzehn Jahre seit den Abkommen von London und Zürich, die im Jahre 1960 die britische Herrschaft beendeten und Zypern zum unabhängigen Staat machten, berichteten die türkischen Zeitungen […] über Vertreibungen und Ermordungen von Inseltürken. [Die Zeit, 30.08.1974, Nr. 36]
Denn nicht der Begriff »Judenverfolgung« ist, wie einer der Anklagevertreter gesagt hat, das Kernstück der nazistischen Politik gegen die Juden gewesen: ihr Antisemitismus »beschränkte sich nicht auf die Verfolgung des jüdischen Volkes, und nicht nur die Entrechtung, Ausplünderung und Vertreibung, sondern seine völlige Vernichtung und seine restlose Ausrottung sind das Ziel ihres teuflischen Wahnsinns gewesen«. [Berliner Zeitung, 11.01.1946]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die systematische, gewaltsame Vertreibung
als Akkusativobjekt: die Vertreibung [einer Bevölkerungsgruppe] rechtfertigen, verurteilen, verhindern
mit Genitivattribut: die Vertreibung der Juden, der Sudetendeutschen
Phrasem:
die Vertreibung aus dem Paradies (= die Verstoßung Adam und Evas, der ersten Menschen, durch Gott, Teil der biblischen Schöpfungsgeschichte)
Beispiele:
Seit Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies markiert das Interesse am anderen oder am gleichen Geschlecht die Menschen auf unterschiedliche Weise. [Welt am Sonntag, 19.03.2017, Nr. 12]
Man denke an Adam und Evas Sündenfall, der zur Vertreibung des Menschen aus dem Paradies führte – ein Mythos, der später von Augustinus in der Theorie der Ur-Sünde neu formuliert wurde, die auf die Geschichte des Christentums einen enormen Einfluss hatte. [Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2016]
übertragen Möglicherweise steht den Anlegern [von Wertpapieren] jetzt die »Vertreibung aus dem Paradies« bevor. Nach mehreren Jahren mit einer von den Zentralbanken massiv unterstützten, ruhig verlaufenden weltwirtschaftlichen Entwicklung zeichnen sich Änderungen der Rahmenbedingungen ab. [Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2015]
Der älteste Fall von Verbannung, den die christliche Welt kennt, ist die Vertreibung aus dem Paradies. [Die Zeit, 10.02.1989, Nr. 07]
Wir glauben, daß sich zwischen der Erschaffung des ersten Menschen und seiner Vertreibung aus dem Paradies eine Reihe ganz einfacher Vorgänge abgespielt hat. [Die Zeit, 11.04.1946, Nr. 08]
2.
das Verdrängtwerden, Verbanntsein
Beispiele:
Es schreibt von den Zwangsarbeitern und den Kriegsgefangen, von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg […]. [Süddeutsche Zeitung, 27.12.2016]
Fast einen Monat nach ihrer Vertreibung durch zerstörerische Waldbrände in Kanada haben Tausende Bewohner die Rückkehr in ihre Heimatstadt begonnen. [Die Zeit, 02.06.2016 (online)]
Völkerwanderungen und Vertreibungen durch Kriege oder Umweltkatastrophen, aber auch der Handel führten dazu, dass die Pflanzen über die Welt verteilt wurden. [Süddeutsche Zeitung, 15.10.2016]
Nicht alle, aber viele der Geflüchteten tragen die traumatische Erfahrung von Gewalt und Vertreibung aus ihrer Heimat mit sich. [Süddeutsche Zeitung, 05.09.2015]
Für Diskussionsforen, wie sie die Protestbewegung seit ihrer Vertreibung aus dem Gezi-Park in anderen Parks allabendlich veranstaltet, sei hier (= im Gezi-Park) ebenso wenig Platz wie für andere politische Manifestationen. [Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2013]
[…] der [russisch-amerikanische] Dichter [Joseph Brodsky] ist in seiner [eigenen] Sicht unter jeglichen Verhältnissen ein Fremdling. Verbannung und Vertreibung sind die beiden Pole der Entfremdung, über die Brodsky […] sich mit Dankbarkeit äußert […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2002]
Kollokation:
in Koordination: Flucht und Vertreibung

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausstoßung · ↗Austreibung · ↗Vergrämung · Vertreibung
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Abschiebung · ↗Aussiedlung · ↗Exilierung · Vertreibung  ●  ↗Ausschaffung  schweiz. · ↗Rückführung  verhüllend · ↗Rückschaffung  schweiz.
Assoziationen
Synonymgruppe
Massenvertreibung · Vertreibung · ethnische Säuberung
Unterbegriffe
  • Große Säuberung · Großer Terror
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albaner Aussiedlung Bombenkrieg Deportation Deutsche Enteignung Entrechtung Ermordung Flucht Folter Kosovare Kosovo-Albaner Massaker Massenmord Mord Paradies Sudetendeutsche Säuberung Taliban Umsiedlung Unrecht Verfolgung Vergewaltigung Vernichtung Völkermord Zentrum Zerstörung ethnisch gewaltsam systematisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vertreibung‹.

Zitationshilfe
„Vertreibung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vertreibung>, abgerufen am 16.11.2018.

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