Verurteilung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verurteilung · Nominativ Plural: Verurteilungen
Aussprache 
Worttrennung Ver-ur-tei-lung
Wortzerlegung verurteilen-ung
Wortbildung  mit ›Verurteilung‹ als Letztglied: ↗Vorverurteilung
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Verhängung einer gerichtlichen Strafe über jmdn.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine rechtskräftige, strafrechtliche, mögliche Verurteilung
als Akkusativobjekt: die Verurteilung [von jmdm.] fordern, aufheben, bestätigen, verhindern, verlangen
in Präpositionalgruppe/-objekt: zu einer Verurteilung kommen, führen; für eine Verurteilung (aus)reichen
mit Genitivattribut: die Verurteilung des Angeklagten, Täters
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Verurteilung zu einer Haftstrafe, Freiheitsstrafe, zu fünf Jahren, Monaten; eine Verurteilung wegen Mordes, Körperverletzung, Betrugs, Steuerhinterziehung; eine Verurteilung auf Bewährung
Beispiele:
»Immer wieder kommt es zu willkürlichen Festnahmen, Verurteilungen ohne faire Gerichtsprozesse sowie zu Misshandlungen und Hinrichtungen von Andersdenkenden«, schreibt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. [Die Welt, 26.02.2019]
Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen Totschlags, die Verteidigung eine mildere Strafe. [Der Standard, 10.02.2015]
Unklar ist, ob die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen Mordes verlangen wird. [Die Zeit, 13.05.2014 (online)]
Ob das von den Ermittlern zusammengetragene Belastungsmaterial am Ende für eine Verurteilung reicht, ist ungewiss. [Spiegel, 30.01.2014 (online)]
2.
das Verurteiltwerden, Verurteiltsein (zu einer Haft-, Geldstrafe)
Kollokationen:
als Dativobjekt: der Verurteilung entgehen
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit einer Verurteilung rechnen; gegen eine Verurteilung protestieren
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Verurteilung zu fünf Jahren [Haftstrafe, Freiheitsstrafe]; die Verurteilung durch eine Gericht; eine Verurteilung auf Bewährung
Beispiele:
J[…] drohen bei einer Verurteilung wegen Rebellion 25 Jahre Haft. [Die Welt, 13.02.2019]
Auch [Bundespräsident] Wulff selbst gab in seinem Schlusswort zu verstehen, dass er nicht mit einer Verurteilung rechnet. [Spiegel, 26.02.2014 (online)]
Hunderte Menschen protestierten bei der unangemeldeten Kundgebung am Montag vor dem Moskauer Gericht gegen die Verurteilung von Oppositionellen. [Die Zeit, 24.02.2014 (online)]
Damit hoffen wir, eine Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof und somit Strafzahlungen für Österreich noch verhindern zu können. [Der Standard, 27.10.2011]
Nach der Verurteilung zu acht Monaten Haft auf Bewährung hatte der TV‑Sender RTL die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler gekündigt. [Die Welt, 29.03.2006]
übertragen (schicksalhaftes) Verurteiltsein zu etw., das dem eigenen Willen widerstrebt
Beispiele:
Eine Behausung zu haben wird für Millionen Menschen zur Existenzfrage. Unbehaust zu sein, erscheint als Verurteilung. [Berliner Zeitung, 21.06.2005]
Dem Vernehmen nach spricht er [der walisische Poet und Priester] noch heute ein akzentfreies Upper‑middle‑class‑Englisch, was er aber als Entwurzelung empfindet und als Verurteilung, lebenslang in der englischen Sprache eingesperrt zu sein. [Süddeutsche Zeitung, 09.03.1996]
vergleichendJohannes F[…] empfand sein Krankenlager wie eine schmachvolle Verurteilung. [Berliner Zeitung, 07.10.1962]
3.
negative, anklagende Beurteilung, heftige Kritik (an jmdm. oder etw.)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine pauschale, scharfe, moralische, klare Verurteilung [von jmdm. oder etw.]
als Akkusativobjekt: eine Verurteilung ablehnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: vor einer Verurteilung warnen
mit Genitivattribut: die Verurteilung der Gewalt
Beispiele:
»Wir warnen vor fremdenfeindlichem Populismus und vorschnellen öffentlichen Verurteilungen [nachdem sich ein Flüchtling nach einem Mord in Untersuchungshaft befindet]«[…]. [Spiegel, 27.12.2016 (online)]
Schwedens Regierungschef […] hat eine Verurteilung des Berichts abgelehnt. [Der Standard, 24.08.2009]
Dass die russischen Soldaten in den Straßen von Grosny Jagd auf die letzten verbliebenen Zivilisten machen, um sie wie Hunde abzuknallen, zieht kein Wort der Verurteilung, keine Geste der Missbilligung, nicht die Andeutung von Sanktionen nach sich. [Süddeutsche Zeitung, 10.02.2000]
Wo ist unser Protest heute? Ist unsere Ohnmacht schon in Resignation umgeschlagen? Demonstrationen in Europa wären mehr als eine Geste: Sie könnten den unbedingten Willen zum Frieden, die Verurteilung des massenhaften Verbrechens ausdrücken. [Süddeutsche Zeitung, 05.04.1993]
38 Jahre Tätigkeit als Pfarrer veranlassen mich auch jetzt, das Wort zu nehmen und die schärfste Verurteilung der Neutronenbombe sowie ihren Baustopp zu fordern. [Neues Deutschland, 06.09.1977]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter ↗erteilen (s. ↗Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ↗ur- und ↗er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schuldigsprechung · ↗Schuldspruch · Verurteilung
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Verurteilung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verurteilung‹.

Zitationshilfe
„Verurteilung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verurteilung>, abgerufen am 26.02.2021.

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