Verweis, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Verweises · Nominativ Plural: Verweise
Aussprache
WorttrennungVer-weis
Grundformverweisen
Wortbildung mit ›Verweis‹ als Letztglied: ↗Landesverweis · ↗Literaturverweis · ↗Rückverweis · ↗Schulverweis
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Rüge, Tadel, Verwarnung
Beispiele:
einen strengen, scharfen, schweren, milden, deutlichen Verweis erteilen, aussprechen, geben
als der Junge zu spät nach Hause kam, bekam er von seinem Vater einen (gehörigen) Verweis
umgangssprachlich als der Junge zu spät nach Hause kam, musste er einen Verweis einstecken
der versteckte Verweis war in ihren Worten nicht zu überhören
disziplinarische Maßnahme, durch die jmd. in seinem Betrieb wegen falschen Verhaltens getadelt wird
Beispiel:
wegen Auseinandersetzungen mit einem Arbeitskollegen erhielt M einen (strengen) Verweis
2.
Hinweis auf eine andere Stelle in einem Text, Buch
Beispiele:
ein Verweis auf eine andere Seite, eine Abbildung in einem Buch, auf ein anderes Kapitel, Stichwort
einen Verweis anbringen, nachlesen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verweisen1 · Verweis
verweisen1 Vb. ‘zum Vorwurf machen, verbieten, tadeln’, ahd. firwīʒan (8. Jh.), mhd. verwīʒen ‘strafend, tadelnd vorwerfen’, mnd. vorwīten, mnl. verwīten, nl. verwijten ‘vorwerfen’, got. fraweitan ‘rächen’ stehen als Präfixbildungen zu ahd. wīʒan (9. Jh.), mhd. wīʒen ‘bemerken, vorwerfen, (be)strafen’, asächs. aengl. wītan, mnd. mnl. wīten, nl. wijten ‘vorwerfen’, anord. vīta ‘strafen’ (germ. *weitan) neben ahd. wīʒi n. (8. Jh.), mhd. wīʒe n. f. ‘Strafe, Höllenstrafe’, asächs. wīti n., aengl. wīte, anord. vīti n. ‘Strafe’. Herkunft ungeklärt. Man verbindet allgemein diese Wortgruppe mit der Wurzel ie. *u̯eid- ‘erblicken, sehen’ (s. ↗wissen und die dort genannten Formen) und geht von der Bedeutung ‘eine Schuld wahrnehmen, bemerken’ aus, die sich zu ‘(eine Schuld) vorwerfen’ weiterentwickelt habe (ähnlich lat. animadvertere ‘seinen Sinn auf etw. richten, wahrnehmen, ahnden, rügen, strafen’). Seebold 549 schlägt dagegen Anschluß an eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯ei̯ə- ‘gehen, auf etw. losgehen, etw. erstreben, erjagen, verfolgen’ (woraus ‘vorwerfen, strafen’) sowie ‘Weg, Reihe’ vor, wozu die unter ↗Weide (s. d.) genannten Formen. Verweis m. ‘Tadel, Rüge’, spätmhd. verwīʒ, aus dem Verb rückgebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Empfehlung · ↗Hinweis · ↗Rat · ↗Ratschlag · ↗Tipp · Verweis · ↗Vorschlag  ●  ↗Proposition  geh.
Unterbegriffe
  • unverbindliche Preisempfehlung · unverbindlicher Verkaufspreis
  • Geheimtipp · ↗Insidertipp · heißer Tipp
Assoziationen
  • (mit) einbeziehen · ↗befragen · dazuholen · ↗einschalten · hinzubemühen · hinzubitten · ↗hinzuziehen · ↗konsultieren · ↗miteinbeziehen · zu Rate ziehen  ●  ↗beiziehen  süddt. · (mit) ins Boot holen  ugs., fig. · (mit) ins Boot nehmen  ugs., fig.
  • (jemandem) gut anstehen (Konjunktiv) · (jemandem) gut tun (Konjunktiv) · (jemandem) gut zu Gesicht stehen · gut sein (für) (Konjunktiv) · ↗sollen (Konjunktiv)
  • mit Hinweis auf · mit Verweis auf · unter Berufung auf · unter Bezugnahme auf · unter Verweis auf
Synonymgruppe
Referenz · Verweis
Synonymgruppe
Abkanzelung · ↗Belehrung · ↗Ermahnung · ↗Lehre · ↗Lektion · ↗Maßregelung · ↗Moralpredigt · ↗Rüffel · ↗Schelte · ↗Tadel · Verweis · ↗Zurechtweisung  ●  ↗Abmahnung  juristisch · Adhortation  veraltet · ↗Ordnungsruf  politisch · ↗Rüge  Hauptform · ↗Abreibung  ugs. · ↗Anpfiff  ugs. · ↗Anschiss  ugs., salopp · ↗Denkzettel  ugs. · ↗Donnerwetter  ugs. · ↗Einlauf  ugs., salopp, fig. · Opprobration  geh., veraltet, lat. · ↗Schimpfe  ugs. · ↗Standpauke  ugs. · ↗Strafpredigt  ugs. · ↗Zigarre  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andeutung Anmerkung Anspielung Bankgeheimnis Datenschutz Ermittlung Geldbuße Haushaltslage Homepage Paragraph Rechtslage Schweigepflicht Site Steuergeheimnis Vertraulichkeit Verwarnung Zitat ablehnen bloß erteilen intertextuell ironisch kontern rechtfertigen relativieren scharf schriftlich streng verfangen verweigern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verweis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für Nachfragen ist ein Verweis an die angegebenen Ärzte sinnvoll.
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2001
War der Verweis darauf, dass die Deutschen in der Verantwortung der Geschichte stehen, so wichtig?
Der Tagesspiegel, 07.11.2000
Verweis auf die aktive Diskussion dieser Fragen im Europäischen Parlament.
Nr. 241A: Elemente von Schlußfolgerungen des Europäischen Rates in Dublin vom 3. April 1990. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1990], S. 28915
Mit der steigenden Zahl der Melodien wurde es üblich, den Liedern nur den Verweis auf ein anderes Lied beizufügen.
Buzga, Jaroslav: Kantional (tschechisch). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 39439
Das Zeigen kann als eine »Art« von Verweisen bestimmt werden.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 70
Zitationshilfe
„Verweis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verweis>, abgerufen am 24.08.2019.

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