Verwertungsgesellschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verwertungsgesellschaft · Nominativ Plural: Verwertungsgesellschaften
Aussprache [fɛɐ̯ˈveːɐ̯tʊŋsgəˌzɛlʃaft]
Worttrennung Ver-wer-tungs-ge-sell-schaft
Wortzerlegung  Verwertung Gesellschaft
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Gesellschaft (6), die die Wiederverwertung von Müll o. Ä. betreibt
Beispiele:
Was ein Laden [für gebrauchte Designerkleidung] nicht nutzen kann, weil der Zustand nicht gut ist oder es nicht ins Sortiment passt, wird weitergegeben, manchmal an andere Einrichtungen, die dafür Verwendung haben, manchmal an Verwertungsgesellschaften. [Die Welt, 02.01.2018]
In Kooperation mit der Abfallentsorgungs‑ und Verwertungsgesellschaft Köln (AVG) wird in Rio [de Janeiro] eine moderne Kompostierungsanlage eröffnet. [Süddeutsche Zeitung, 18.08.2016]
Wie bei Karotten auf dem kalten Buffet hobelt ein »Decoiner« Streifen in die Oberfläche der [alten DM-]Münzen. Nach einer anderen Methode werden sie zerschnitten. Eine bundeseigene Verwertungsgesellschaft verscherbelt dann die Rohstoffe. [Süddeutsche Zeitung, 15.01.2002]
»Meine Bank räumt heimlich, ohne Ankündigung, mein Haus leer«, beklagt er [der Eigentümer] und beziffert den Schaden auf etwa 100.000 Mark. Zudem verlange die Sparkasse noch Geld – rund 18.000 Mark – dafür, daß »der abtransportierte Müll« einer Verwertungsgesellschaft zugeführt worden sei. [Frankfurter Rundschau, 23.04.1997]
Um die Entsorgung der strahlenden Abfälle kümmert sich nun eine Verwertungsgesellschaft. Sie wurde 1992 gegründet und beschäftigt 130 Mitarbeiter. Das Müllproblem sei »sehr komplex und technisch schwierig«, urteilt H[…]. [Süddeutsche Zeitung, 05.05.1994]
2.
Rechtssprache Gesellschaft von Verlegern, Urhebern usw. zum Zwecke der Wahrnehmung von Verwertungsrechten o. ä. Schutzrechten
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die urheberrechtlichen, musikalischen Verwertungsgesellschaften
als Akkusativobjekt: eine Verwertungsgesellschaft gründen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Abgaben, Gebühren an die Verwertungsgesellschaft [zahlen]; eine Einigung, Vereinbarung mit der Verwertungsgesellschaft [erzielen]; ein Streit zwischen [Künstlern und] der Verwertungsgesellschaft
in Koordination: die Verwertungsgesellschaft und die Musikindustrie, Musikverlage, Plattenfirmen, Gerätehersteller, Künstler, Rechteinhaber, Urheber
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte
als Genitivattribut: die Tarife, Forderungen, die Mitglieder, Vertreter der Verwertungsgesellschaft
Beispiele:
Erfindungen wie softwaregestützte Steuerungen – etwa das Anti‑Blockier‑System ABS – sind durchaus patentierbar. Weiterhin ist Software geistiges Eigentum und fällt damit unter das Urheberrecht. Dafür sind in Deutschland die Verwertungsgesellschaften zuständig, die unter die Aufsicht des Deutschen Patentamts fallen. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 1997 [1996]]
Für die meisten [Musik-]Stücke werden Lizenzgebühren fällig, die an die Verwertungsgesellschaft Gema abgeführt werden müssen. Die veranschlagt für die Nutzung von Werken aus ihrem Repertoire in Telefonwarteschleifen und Anrufbeantwortern 160,90 Euro jährlich für je 30 Anschlüsse. In einem Großunternehmen mit vielen hundert oder sogar Tausenden Telefonen kommt da schnell eine ordentliche Summe zusammen. [Süddeutsche Zeitung, 07.04.2018]
Es [ein Gesetz] enthält neue Regelungen für die Verwertung von Musik – angepasst an die neuen Herausforderungen durch Verwertungen im Internet. Der Entwurf enthält detaillierte Anforderungen zur Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft, deren Unternehmensverfassung sowie über die Pflichten gegenüber Rechteinhabern und Nutzern. [Der Standard, 04.04.2016]
Die Erklärung [der Künstler] bezeichnet das Urheberrecht als »historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit« und als »materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen«. Sie richtet sich gegen das Argument, dass es einen Interessengegensatz zwischen den eigentlichen Urhebern kreativer Werke und den sogenannten Verwertern gibt, also etwa Verlage, Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften wie die Gema. [Die Zeit, 10.05.2012 (online)]
In der Computerszene herrscht beträchtlicher Aufruhr. Industrie und Anwender laufen Sturm gegen die Forderungen der Verwertungsgesellschaften GEMA und VG Wort/VG Bild‑Kunst, auch für PCs und etliche Peripheriegeräte Urheberrechtsvergütungen abzuführen. [C’t, 2001, Nr. 2]
3.
Gesellschaft, die aus etw., z. B. Immobilien, finanzielle Erlöse erzieltDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die bundeseigene Verwertungsgesellschaft
mit Genitivattribut: die Verwertungsgesellschaft des Bundes
Beispiele:
Wer sich für die Maschine [ein ausgemustertes Flugzeug der Bundeswehr] ernsthaft interessiert, kann sie kommende Woche Dienstag und Mittwoch auf dem Militärflughafen in Köln‑Wahn besichtigen. Dazu muss man sich allerdings vorher bei der Verwertungsgesellschaft des Bundes (VEBEG) anmelden, die den Verkauf für das Verteidigungsministerium organisiert. [Süddeutsche Zeitung, 17.07.2010]
Echte Synergien, die durch die Zusammenführung der unterschiedlichen bundeseigenen Verwaltungs‑ und Verwertungsgesellschaften für Immobilien zu erzielen wären, sind wegen der verschiedenen Interessen in den eigenständigen Unternehmen nicht angestrebt. [Der Tagesspiegel, 02.05.2004]
Große Teile der ehemaligen sowjetischen Militärliegenschaften in den neuen Ländern haben sich […] zu Ladenhütern entwickelt. Das ergab eine […]Umfrage bei den Verwertungsgesellschaften. Da Bund und Länder für die teils riesigen Areale fernab der Zentren keine Käufer finden, können explosive Munition und giftige Abfälle nur nach und nach geräumt werden. [Der Tagesspiegel, 09.08.2003]
Das [Berliner] Landesvermögen soll in einer neuen Verwertungsgesellschaft Gewinne abwerfen [Überschrift] […] Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) hat gestern vorgeschlagen, eine neue Landesgesellschaft zur Verwertung öffentlichen Kapitals einzurichten. Die Institution soll Gewinne von landeseigenen Firmen wie der Bewag einziehen und mit geschickter Verwaltung vermehren. [die tageszeitung, 22.11.1996]
Allein im ersten Halbjahr 1996 mußten rund 4.000 ostdeutsche Firmen Gesamtvollstreckung anmelden. Ihr Inventar ist ein gefundenes Fressen für die 30 Verwertungsgesellschaften, die zwischen Elbe und Oder den letzten Pfennig aus den letzten Resten der Pleiteunternehmen ziehen. Mit den Einnahmen werden dann die Forderungen der Banken und Gläubiger beglichen. [Bild am Sonntag, 13.10.1996]

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Typische Verbindungen zu ›Verwertungsgesellschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verwertungsgesellschaft‹.

Zitationshilfe
„Verwertungsgesellschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verwertungsgesellschaft>, abgerufen am 18.10.2021.

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