Vestalin, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vestalin · Nominativ Plural: Vestalinnen
Aussprache  [vɛs'taːlɪn]
Worttrennung Ves-ta-lin
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutung

Priesterin der römischen Göttin Vesta
Beispiele:
Die Vestalinnen wohnten im […] Atrium Vestae und hüteten das hl. (= heilige) Feuer. Für sie galt strengstes Keuschheitsgebot; Verletzungen wurden durch Lebendigbegraben gesühnt. Ihre Verrichtungen galten als unmittelbar mit dem Wohl des Staates verbunden. Es gab jeweils 4 (bzw. 6) Vestalinnen, die, bereits im Kindesalter ausgewählt, ihren Dienst 30 Jahre lang versahen; danach war Verheiratung möglich. [o. A.: Lexikon der Kunst – V. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 36890/91]
In einem Weidenkorb im Tiber ausgesetzt, so berichtet Plutarch, ließ Amulius, König von Alba Longa, die Enkel [Romulus und Remus] seines brüderlichen Konkurrenten verschwinden. Doch die waren in Wahrheit die Kinder einer jungfräulichen Vestalin und des Kriegsgottes Mars. Eine Wölfin fand und säugte sie. [Süddeutsche Zeitung, 01.09.2018]
Beim Studium der römischen Spätantike ist mir aufgegangen, dass die damaligen Heiden in der Jungfräulichkeit durchaus einen Wert sahen. Zumindest offiziell glaubten sie, dass die Vestalinnen, also die jungfräulichen Priesterinnen der Göttin Vesta, durch ihr bloßes Dasein als Jungfrauen den Staat trugen und seine Fortexistenz sicherten. Eine Vestalin hatte sogar vor dem Kaiser den Vortritt. [Welt am Sonntag, 04.01.2015, Nr. 1]
Die Vestalinnen hatten übrigens ein zwar herausgehobenes, aber auch schwieriges Leben. Wenn eine von ihnen das Staatswohl gefährdete, indem sie sich zur Unkeuschheit verleiten ließ, wurde sie lebendig begraben. [Süddeutsche Zeitung, 15.01.2013]
Hestia (griech. Estia), Tochter des Kronos und der Rhea, Göttin des Herdes und des Herdfeuers. […] Der H.‑Kult (= Hestiakult) war in Rom weit verbreitet, wo die Göttin als Vesta verehrt wurde. Ihr Kult galt als Staatskult, besorgt von 6 Jungfrauen, den Vestalinnen. Der Vesta‑Tempel auf dem Forum Romanum war der älteste Tempel Roms. In ihm stand der Herd mit dem ewigen Feuer. [o. A.: Lexikon der Kunst – H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 12695]
Zitationshilfe
„Vestalin“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vestalin>, abgerufen am 20.09.2020.

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