Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vieh, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vieh(e)s · wird nur im Singular verwendet
Nebenform salopp Vieh · Substantiv · Nominativ Plural: Viecher
Aussprache  [fiː]
eWDG

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der zum Nutzen des Menschen in einem landwirtschaftlichen Betrieb gehaltenen (größeren) Haustiere
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
Vieh halten, züchten, ziehen
das Vieh auf die Weide treiben, austreiben, eintreiben, hüten, zur Tränke führen, versorgen, füttern, mästen, schlachten
gutgenährtes, gesundes, geschecktes Vieh
umgangssprachlichsie haben viel Arbeit mit dem lieben Vieh
drei Stück Vieh (= drei einzelne Tiere)
umgangssprachlichsie waren zusammengepfercht, wuchsen auf wie das (liebe) Vieh
umgangssprachlichjmdn. wie ein Stück Vieh (= roh, rücksichtslos) behandeln
umgangssprachlichsaufen sie nur Wasser wie das liebe Vieh? [ FrançoisLetzte Reckenburgerin47]
2.
salopp Tier
Grammatik: Plural ‘Viecher’
Beispiele:
ein riesiges, furchterregendes, kluges, bemitleidenswertes Vieh
das arme Vieh hat sich verletzt
so ein süßes kleines Vieh!
er konnte gut mit den Viechern umgehen
ein entsetzliches, grässliches Vieh
sie konnte solche Viecher nicht ausstehen
derbauf dem Dorf lebten die Armen früher oft wie die Viecher (= in menschenunwürdigen Verhältnissen)
derbsie arbeitet wie ein Vieh (= sehr viel)
derber hat sich wie ein Vieh (= roh, rücksichtslos) benommen
derb, abwertend, übertragen roher, abgestumpfter Mensch
Beispiel:
er war ein (übles, gemeines, rohes) Vieh
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vieh · viehisch · Viech
Vieh n. ‘Nutztiere der Haus- und Landwirtschaft’, in der Umgangssprache ‘Tier’, übertragen verächtlich ‘roher, abgestumpfter Mensch’, ahd. fihu ‘Nutzvieh, Tier, Besitz, Vermögen’ (8. Jh.), mhd. vihe, vehe, (md.) vie, asächs. fehu ‘Vieh, Besitz’, mnd. , mnl. nl. vee, aengl. feoh, fēo ‘Vieh, Besitz, Geld, Vermögen’, anord. ‘Vieh, Besitz, Geld’, schwed. ‘Vieh’, got. faíhu ‘Geld’ führt auf germ. *fehu, einen u-Stamm, der auch in aind. paśúḥ, páśu ‘Vieh, Tier’, awest. pasuka ‘Haustier’, lat. pecū ‘Vieh, Vermögen’, lit. pẽkus, apreuß. peku, pekan (Akkusativ) ‘Vieh’ vorliegt, so daß ie. *pek̑u- ‘(Klein)vieh’ angesetzt werden kann. Vergleicht man noch (mit anderer Stammbildung) anord. fær, aschwed. fār ‘Schaf’ (germ. *fahaz), lat. pecus (Genitiv pecoris) n. kollektiv ‘(Klein)vieh, Schafe’, pecus (Genitiv pecudis) f. ‘das einzelne Stück Vieh, Schaf’ und griech. pókos, pékos (πόκος, πέκος) ‘abgerupfte, abgeschorene Schafwolle, Vlies’, ahd. (8. Jh.), asächs. fahs, aengl. feax ‘Haupthaar’, anord. fax ‘Mähne’, aengl. feht ‘Vlies’, mnl. nl. vacht ‘Vlies, wolliges Fell’, weiter griech. pékein (πέκειν) ‘(sich) kämmen, krempeln, scheren’, lat. pectere ‘kämmen’, lit. pèšti ‘zupfen, rupfen, ausreißen, pflücken, raufen’, so führt dies auf eine Wurzel ie. *pek̑- ‘Wolle oder Haare rupfen, zausen, raufen’. Für ie. *pek̑u- ist daher wohl eine Grundbedeutung ‘das, was (ursprünglich) gezupft, (später) geschoren wird, Wolltier, Schaf’ anzunehmen. Da Vieh in früher Zeit als Tauschmittel an Stelle des Geldes verwendet wurde und Gradmesser für den Besitzstand darstellte, ist ein Bedeutungsübergang zu ‘Vermögen, Habe, Besitz, Geld’ erklärbar; vgl. auch von lat. pecū (s. oben) abgeleitetes lat. pecūnia ‘Vermögen, Geld(summe)’. viehisch Adj. ‘roh, brutal, vertiert, bestialisch’, mhd. vihisch ‘tierisch’. Viech n. umgangssprachlich ‘Vieh, Tier, roher Mensch’, mhd. vich, spätmhd. vicht, mundartliche Nebenform von mhd. vihe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Vieh · Viehbestand · Viehzeug
Zoologie
Synonymgruppe
tierisches Lebewesen  ●  Tier  Hauptform · Getier  geh. · Viech  ugs. · Vieh  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Vieh‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vieh‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vieh‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch vermeide man selbst das Betreten fremder Ställe und lasse überhaupt fremdes Vieh nicht auf den Hof. [Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 430]
Nur dem Vieh konnte man natürlich nicht das Maul verkleben. [Bieler, Manfred: Der Bär, Hamburg: Hoffmann und Campe 1983, S. 17]
Hierin hat es der Arme, sonst als Vieh gehalten, nicht so gut wie dieses. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 25]
Nun wird es Zeit, heimzukommen, das Vieh in die Ställe zu treiben. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 159]
Wie kommt man mit dem Vieh an die vier neuen Alternativen heran? [C't, 1991, Nr. 5]
Zitationshilfe
„Vieh“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vieh>.

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