Vieh, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vieh(e)s · wird nur im Singular verwendet
Nebenform salopp Vieh · Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vieh(e)s · Nominativ Plural: Viecher
Aussprache
Wortbildung mit ›Vieh‹ als Erstglied: ↗Viehbeschau · ↗Viehbestand · ↗Viehbremse · ↗Viehdoktor · ↗Viehfutter · ↗Viehhalter · ↗Viehhaltung · ↗Viehhandel · ↗Viehherde · ↗Viehhof · ↗Viehhändler · ↗Viehkrippe · ↗Viehmarkt · ↗Viehmast · ↗Viehpfleger · ↗Viehpflegerin · ↗Viehreichtum · ↗Viehsalz · ↗Viehseuche · ↗Viehstall · ↗Viehsterben · ↗Viehtransport · ↗Viehtransporter · ↗Viehtränke · ↗Viehwagen · ↗Viehwaggon · ↗Viehwagon · ↗Viehweide · ↗Viehwirtschaft · ↗Viehzeug · ↗Viehzucht · ↗Viehzählung · ↗Viehzüchter
 ·  mit ›Vieh‹ als Letztglied: ↗Borstenvieh · ↗Federvieh · ↗Fleckvieh · ↗Großvieh · ↗Herdbuchvieh · ↗Herdenvieh · ↗Hornvieh · ↗Hundevieh · ↗Hundsvieh · ↗Höhenvieh · ↗Jungvieh · ↗Katzenvieh · ↗Klauenvieh · ↗Kleinvieh · ↗Lebendvieh · ↗Mastvieh · ↗Milchvieh · ↗Mistvieh · ↗Niederungsvieh · ↗Nutzvieh · ↗Rabenvieh · ↗Riesenvieh · ↗Rindvieh · ↗Satansvieh · ↗Schlachtvieh · ↗Stimmvieh · ↗Urvieh · ↗Weidevieh · ↗Zuchtvieh · ↗Zugvieh
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Gesamtheit der zum Nutzen des Menschen in einem landwirtschaftlichen Betrieb gehaltenen (größeren) Haustiere
Beispiele:
Vieh halten, züchten, ziehen
das Vieh auf die Weide treiben, austreiben, eintreiben, hüten, zur Tränke führen, versorgen, füttern, mästen, schlachten
gutgenährtes, gesundes, geschecktes Vieh
umgangssprachlich sie haben viel Arbeit mit dem lieben Vieh
drei Stück Vieh (= drei einzelne Tiere)
umgangssprachlich sie waren zusammengepfercht, wuchsen auf wie das (liebe) Vieh
umgangssprachlich jmdn. wie ein Stück Vieh (= roh, rücksichtslos) behandeln
umgangssprachlich saufen sie nur Wasser wie das liebe Vieh? [FrançoisLetzte Reckenburgerin47]
2.
Pl. Viecher
salopp Tier
Beispiele:
ein riesiges, furchterregendes, kluges, bemitleidenswertes Vieh
das arme Vieh hat sich verletzt
so ein süßes kleines Vieh!
er konnte gut mit den Viechern umgehen
ein entsetzliches, grässliches Vieh
sie konnte solche Viecher nicht ausstehen
derb auf dem Dorf lebten die Armen früher oft wie die Viecher (= in menschenunwürdigen Verhältnissen)
derb sie arbeitet wie ein Vieh (= sehr viel)
derb er hat sich wie ein Vieh (= roh, rücksichtslos) benommen
derb, abwertend, übertragen roher, abgestumpfter Mensch
Beispiel:
er war ein (übles, gemeines, rohes) Vieh
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vieh · viehisch · Viech
Vieh n. ‘Nutztiere der Haus- und Landwirtschaft’, in der Umgangssprache ‘Tier’, übertragen verächtlich ‘roher, abgestumpfter Mensch’, ahd. fihu ‘Nutzvieh, Tier, Besitz, Vermögen’ (8. Jh.), mhd. vihe, vehe, (md.) vie, asächs. fehu ‘Vieh, Besitz’, mnd. , mnl. nl. vee, aengl. feoh, fēo ‘Vieh, Besitz, Geld, Vermögen’, anord. ‘Vieh, Besitz, Geld’, schwed. ‘Vieh’, got. faíhu ‘Geld’ führt auf germ. *fehu, einen u-Stamm, der auch in aind. paśúḥ, páśu ‘Vieh, Tier’, awest. pasuka ‘Haustier’, lat. pecū ‘Vieh, Vermögen’, lit. pẽkus, apreuß. peku, pekan (Akkusativ) ‘Vieh’ vorliegt, so daß ie. *pek̑u- ‘(Klein)vieh’ angesetzt werden kann. Vergleicht man noch (mit anderer Stammbildung) anord. fær, aschwed. fār ‘Schaf’ (germ. *fahaz), lat. pecus (Genitiv pecoris) n. kollektiv ‘(Klein)vieh, Schafe’, pecus (Genitiv pecudis) f. ‘das einzelne Stück Vieh, Schaf’ und griech. pókos, pékos (πόκος, πέκος) ‘abgerupfte, abgeschorene Schafwolle, Vlies’, ahd. (8. Jh.), asächs. fahs, aengl. feax ‘Haupthaar’, anord. fax ‘Mähne’, aengl. feht ‘Vlies’, mnl. nl. vacht ‘Vlies, wolliges Fell’, weiter griech. pékein (πέκειν) ‘(sich) kämmen, krempeln, scheren’, lat. pectere ‘kämmen’, lit. pèšti ‘zupfen, rupfen, ausreißen, pflücken, raufen’, so führt dies auf eine Wurzel ie. *pek̑- ‘Wolle oder Haare rupfen, zausen, raufen’. Für ie. *pek̑u- ist daher wohl eine Grundbedeutung ‘das, was (ursprünglich) gezupft, (später) geschoren wird, Wolltier, Schaf’ anzunehmen. Da Vieh in früher Zeit als Tauschmittel an Stelle des Geldes verwendet wurde und Gradmesser für den Besitzstand darstellte, ist ein Bedeutungsübergang zu ‘Vermögen, Habe, Besitz, Geld’ erklärbar; vgl. auch von lat. pecū (s. oben) abgeleitetes lat. pecūnia ‘Vermögen, Geld(summe)’. viehisch Adj. ‘roh, brutal, vertiert, bestialisch’, mhd. vihisch ‘tierisch’. Viech n. umgangssprachlich ‘Vieh, Tier, roher Mensch’, mhd. vich, spätmhd. vicht, mundartliche Nebenform von mhd. vihe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Vieh · ↗Viehbestand · ↗Viehzeug
Zoologie
Synonymgruppe
tierisches Lebewesen  ●  ↗Tier  Hauptform · ↗Getier  geh. · ↗Viech  ugs. · Vieh  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Acker Ernte Exportverbot Fleisch Futter Geflügel Getreide Saatgut Schlachtbank Schlachthof Stall Weide Weideland abschlachten füttern geschlachtet grasen grasend hüten lieb mästen schlachten tränken verdursten verenden verfüttern weiden weidend zusammentreiben züchten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vieh‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es erklärte sich dann aber doch dazu bereit, fünf Millionen Stück Vieh zu impfen.
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2001
Sprechen kann er nicht, und sein Verständnis ist nicht größer als das eines Viehes.
Der Tagesspiegel, 14.07.1999
Sämtliches Vieh, das sie in den niedergebrannten Dörfern fanden, führten sie mit sich fort.
o. A.: Einhundertsechsundneunzigster Tag. Dienstag, 6. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 5567
Nun wird es Zeit, heimzukommen, das Vieh in die Ställe zu treiben.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 159
Dieses Interesse erstreckte sich auf das Vieh wie auf das Korn.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Zitationshilfe
„Vieh“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vieh>, abgerufen am 16.10.2019.

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