Vielliebchen

GrammatikSubstantiv
WorttrennungViel-lieb-chen (computergeneriert)
WortzerlegungvielLiebchen
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft, veraltend doppelter Mandelkern oder andere Zwillingsfrucht, die zwei Personen gemeinsam essen, wobei sie eine Wette darüber abschließen, wer am nächsten Tag zuerst den anderen in vereinbarter Weise ansprechen wird
Beispiele:
mit jmdm. ein Vielliebchen essen
[er] bot Corinna ... ein Vielliebchen an [FontaneTreibelI 3,335]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vielliebchen n. doppelter Mandel- oder Haselnußkern, von zwei Personen zu essen und mit der Wette verbunden, daß der gewinnt, der anderntags zuerst mit Vielliebchen grüßt (Anfang 19. Jh.); ein vornehmlich zwischen zwei Liebenden üblicher Brauch. Die Annahme, in dem Ausdruck eine Umdeutung von Valentin, dem Namen des Schutzpatrons der Liebespaare (bzw. dessen femininer Form Valentine), zu sehen, ist wenig überzeugend. Vielmehr dürfte ein Adj. viellieb ‘überaus lieb’ in der deminutiven Anrede Vielliebchen unter Liebenden als Kosename gebraucht worden sein und lautähnliche Nebenformen wie Philippchen, Filipchen, Philippinchen entwickelt haben, die in Verbindung mit dem oben genannten Brauch auf die zwei Kerne enthaltene Frucht übergegangen sind. Aus den dt. Varianten ist die Bezeichnung frz. philippine (erst seit 1868 bezeugt) für die Doppelfrucht hervorgegangen.

Verwendungsbeispiele für ›Vielliebchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und doch - es ist etwas darin, ich weiß nicht was, etwas Almanach, etwas Vielliebchen und Vergißmeinnicht.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 253
Aufmerksam beobachtet er, wie der Zaubersaft des Vielliebchens auf die zerstrittenen jungen Liebenden wirkt, die sich aus Athen in seinen Wald verirrt haben.
Der Tagesspiegel, 21.10.1997
Einen ähnlichen Brauch stellte in Deutschland das Mailehen dar: Der Tag der "Mädchenversteigerung" hieß ebenfalls Valentinstag und der "Ersteigerer" nannte sein Mädchen Vielliebchen oder Valentine.
o. A. [dd]: Valentinstag. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1982]
Aus dem Vielliebchen Shen Te wird Maria, aller Christen Liebste.
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2002
Zitationshilfe
„Vielliebchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vielliebchen>, abgerufen am 20.02.2020.

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