Vigilanz, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vigilanz · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [vigi'lanʦ]
Worttrennung Vi-gi-lanz
Herkunft aus vigilantialat ‘Wachsamkeit’, letztlich zu vigillat ‘wach, munter’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich, veraltend wache, aufmerksame, intelligente (auch überhebliche, arrogante) Art
Beispiele:
Letztere [die Ergebnislosigkeit des Pontifikats von Papst Benedikt XVI.] wurde in der Zwischenzeit auch jenen klar, die nach den pflichtschuldigen Referenz‑Bekundungen und einem verzweifelten Papst‑Jubel erkennen müssen, dass dieser Papst als Papst gescheitert ist und scheitern musste. Denn mit Vigilanz und Rechthaberei, zumal wenn diese mit scheindemütiger Arroganz gepaart sind, ist ein Großverband wie die katholische Kirche nicht zu führen. [Süddeutsche Zeitung, 20.03.2013]
Albrecht Dihle hat der deutschsprachigen klassischen Philologie der Nachkriegszeit bis in unsere Tage ein Gesicht gegeben, eines der prägnantesten und feinsten. Scharfsinn und Vigilanz des großen Gelehrten sind ungebrochen. Heute feiert er[…] seinen achtzigsten Geburtstag. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2003]
Dem hochgewachsenen, breitschultrigen Mann mit dem weichen[,] vollen Gesicht ist der Generalsrang nicht so ohne weiteres anzumerken. Die unaufdringliche Vigilanz und die smarte Gewandtheit lassen mehr auf einen erfolggewohnten Geschäftsmann schließen. [Der Spiegel, 04.07.1956]
2.
Psychologie Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft
Beispiele:
Diese Fokussierung auf das Smartphone, so folgerten […] die […] US‑Forscher aus ihrem Experiment, kann die Aufmerksamkeit im Alltag massiv beeinträchtigen […]. [Der Psychologe] Peter V[…] erklärt das mit der erhöhten Vigilanz, die sich durch das POPC (= dauerhaftes Online-Sein) einstellt. Damit wird in der Psychologie ein Zustand dauerhafter Aufmerksamkeit bezeichnet. Die Nutzer sind unbewusst darauf gefasst, sich jederzeit ihrem Smartphone zu widmen – und werden unruhig, wenn ihnen dies verwehrt wird. [Die Welt, 29.06.2019]
Die künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz vermag den Mangel an natürlichem Licht bei weitem nicht zu kompensieren. Das Ergebnis ist, dass die Körperuhr im Winter mangels Tageslicht nicht mehr so genau synchronisiert wird. Das tägliche Auf und Ab des Aktivitäts‑ und Schlafrhythmus wird schwächer. Darunter leidet vor allem auch die Vigilanz, die Wachheit des Gehirns. [Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2008]
Kaffee steigert Konzentration und Gedankenschärfe, die zur Kontor‑ und Schreibarbeit nötig sind, er fördert, wie man es heute nennt, die Vigilanz, verlängert und intensiviert den Arbeitstag. [Neue Zürcher Zeitung, 28.07.1993]
Im 2. Weltkrieg entstand eine dritte Tradition der Beschäftigung mit der Arbeitstätigkeit selbst. Sie ging aus von komplexen Überwachungstätigkeiten, bei denen sich das Problem der »Vigilanz«, also der Daueraufmerksamkeit gegenüber seltenen Ereignissen stellte (z. B. bei der Radarüberwachung). [Semmer, Norbert / Volpert, Walter: Arbeitspsychologie. In: Asanger, Roland / Wenninger, Gerd (Hg.): Handwörterbuch Psychologie. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 276]
An allen Haupt‑ und Nebentoren der Stadt wurde die Wache zu erhöhter Aufmerksamkeit verpflichtet; die Wirtshäuser und Herbergen, wo Leute gemeinen Schlags sich aufzuhalten pflegten, wurden sorgfältig durchsucht, auch wurden die Gendarmerie und die benachbarten Landgemeinden zu tätiger Vigilanz aufgefordert. [Wassermann, Jakob: Caspar Hauser. Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 105]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Vigilanz · Vigilität · ↗Wachheit
Assoziationen
Zitationshilfe
„Vigilanz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vigilanz>, abgerufen am 19.04.2021.

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