Visier, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Visiers · Nominativ Plural: Visiere
Aussprache  [viˈziːɐ̯]
Worttrennung Vi-sier
Grundform visieren
Wortbildung  mit ›Visier‹ als Erstglied: Visierlinie
eWDG

Bedeutung

zum Zielen dienende Vorrichtung an Feuerwaffen, besonders der am hinteren Ende des Laufs angebrachte Teil der mechanischen Visiereinrichtung von Handfeuerwaffen
Beispiele:
der Schütze hatte das Ziel, Wild im Visier
das Visier (auf zweihundert Meter) einstellen
übertragen, umgangssprachlichjmdn. ins Visier nehmen (= jmdn. scharf beobachten)
»Stellung!« schreit Lamm. »Visier achthundert!« [ RennKrieg64]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

visieren · Visier2
visieren Vb. ‘sorgfältig betrachten, als Ziel(punkt) ins Auge fassen, zielen, ein Instrument, eine Schußwaffe zielgenau einstellen’ übertragen ‘im Auge behalten, auf etw. achten, auf etw. abzielen’ (Anfang 17. Jh., heute meist anvisieren), mhd. visieren ‘(kunstvoll) modellieren, darstellen, schildern, in kunstgerechter Weise beschreiben’, spätmhd. ‘messen, ein Hohlmaß eichen’, entlehnt aus afrz. frz. viser ‘seine Aufmerksamkeit auf etw. richten, etw. sorgfältig beobachten, auf etw. zielen, sich um etw. bemühen’, afrz. auch ‘untersuchen, prüfen, erkennen’, dem vlat. *vīsāre ‘aufmerksam betrachten’ (zu lat. vidēre, s. Vision) voraufgeht. Visier2 n. ‘Sucher (besonders an einer Schußwaffe), mit dessen Hilfe ein Ziel anvisiert wird, Zielvorrichtung’ (Ende 16. Jh.), zu visieren ‘als Ziel(punkt) ins Auge fassen’; älter ‘Aufriß, Entwurf (eines Gebäudes)’ und ‘Eichmaß(instrument)’ (15./16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Visier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Visier‹.

Verwendungsbeispiele für ›Visier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den kommenden Tagen dürfte er das Rekordhoch ins Visier nehmen.
Die Zeit, 14.09.2009, Nr. 37
Die Kamera wackelt, das Objektiv nimmt das rechte Auge ins Visier.
Die Welt, 04.09.2004
Dann gerieten die asiatischen Tiger in unser Visier, sie galten als schlicht brillant.
Der Spiegel, 27.07.1998
Dieses Visier brauchte erst unmittelbar vor dem Kampf eingehängt zu werden.
o. A.: Lexikon der Kunst - V. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 33994
Im nächsten Jahr will sie ihre vierten Olympischen Spiele ins Visier nehmen.
Süddeutsche Zeitung, 23.07.1994
Zitationshilfe
„Visier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Visier#1>, abgerufen am 15.10.2021.

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Visier, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Visiers · Nominativ Plural: Visiere
Aussprache  [viˈziːɐ̯]
Worttrennung Vi-sier
Wortbildung  mit ›Visier‹ als Erstglied: Visierkante · Visierklappe  ·  mit ›Visier‹ als Letztglied: Gesichtsvisier
Herkunft aus visièremfrz frz ‘Helmgitter’ < visafrz ‘Gesichtssinn, Antlitz, Gesicht’ (visagefrz, Visage)
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur COVID-19-Pandemie.
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

Ritterhelme mit Visier
Ritterhelme mit Visier
Motorradhelm mit Visier
Motorradhelm mit Visier
1.
beweglicher Teil eines Helms, der das Gesicht oder die Augen vor Verletzungen schützt, dabei aber dennoch mehr oder weniger eingeschränkte Sicht ermöglicht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: mit offenem, herabgelassenem, geschlossenem Visier [fechten, kämpfen]
als Akkusativobjekt: das Visier herunterklappen, herunterlassen, öffnen, schließen
Beispiele:
Wenn sich früher zwei Ritter auf offenem Feld begegneten, dann hoben sie die Hand zum Kopf, um entweder ihr Visier zu öffnen, was Frieden signalisierte, oder um es zu schließen, was Krieg bedeutete. [Die Zeit, 23.03.1990]
Durch das offene Visier eines Motorradhelmes flatterte ein Insekt – und irritierte den Biker (35) so sehr, dass er die Kontrolle über seine Maschine verlor. [Bild, 03.06.2019]
[Die Formel-I-Rennfahrer] Hamilton, Rosberg und Vettel und ihre Kollegen […] werden an diesem Wochenende das Visier herunterlassen und bei 100 Prozent Konzentration wieder Gas geben – wie immer. [Restrisiko bei Mercedes – Vettel als rote Gefahr, 24.09.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
Wenn Fechter das Visier herunterlassen, geschieht dies in ihrem eigenen Interesse. Die Maske schützt vor Verletzungen. Das enge Gitter erschwert aber auch den Blick ins Gesicht des Gegners. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2001]
Die modernen Helme für das Schweißen bestehen häufig aus leichtem und zudem feuerfestem Polyamid und bieten ein Visier mit automatischer Abblendfunktion. [expondo.de, 2014, aufgerufen am 01.09.2020]
transparenter Gesichtsschutz, der vor fliegenden Tropfen, Funken o. Ä. schützt und der nicht Teil eines Helmes ist
Beispiele:
Schon im Sommer und Frühherbst wurden Visiere [als Ersatz für Mundschutzmasken] vielerorts in der Öffentlichkeit untersagt. Seitlich im Bereich der Wangen und nach unten lassen sie Aerosole nahezu ungehindert durch und lenken den womöglich infektiösen Sprühnebel aus der ausgeatmeten Luft in die Umgebung. Wer solche Visiere trägt und dabei steht oder geht, während andere sitzen, kann leicht Viren verbreiten, statt davor zu schützen. [Süddeutsche Zeitung, 10.12.2020]
Damit [mit den Mitteln für Schutzmaßnahmen gegen Infektionen mit dem Coronavirus] können die Schulträger sowohl Ersatz‑Masken für Schüler, die ihre Mund‑Nasen‑Bedeckungen vergessen haben, als auch FFP2‑Masken für Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte kaufen. Aber auch Visiere als Spuckschutz, Einmal‑Handschuhe, Einmal‑Schutzkleidung, Schutzbrillen, Desinfektionsspender sowie Desinfektionsmittel und mobile Händewaschstationen stehen im Förderkatalog des Kultusministeriums. [Neue Osnabrücker Zeitung, 15.01.2021]
Ergebnis [der Untersuchung]: Visiere blockieren zwar den Ausstoß nach vorn. Die freigesetzten Aerosole wandern aber rund um das Visier und breiten sich relativ weit aus. [SARS-CoV-2-Immunität könnte von kurzer Dauer sein, 14.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Visiere […] können laut Expertenmeinung in der Regel nur Tröpfchen abfangen, die direkt auf die Visierscheibe treffen. [Maskenpflicht: Die wichtigsten Infos, 02.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Das RKI (= Robert Koch-Institut) weist […] darauf hin, dass Menschen, die keine herkömmliche Maske tragen können, auch mit einem Visier einen Beitrag dazu leisten, ihr Umfeld zu schützen. Ein Visier ist besser als gar kein Schutz! [Maskenpflicht: Die wichtigsten Infos, 02.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
2.
bildlich
a)
Phrasem:
das Visier herunterklappen, herunterlassen o. Ä. (= sich zum Kampf bereit machen)
Beispiele:
Jeder der Streitenden klappt sein Visier herunter, das vernünftige Gespräch endet, der Krieg beginnt. [Süddeutsche Zeitung, 02.08.1999]
Entsprechend zog ich das sprichwörtliche Visier herunter und reichte ich für meinen Mandanten die Räumungsklage ein. [»Aktenberge bis zur Decke«, 07.04.2014, aufgerufen am 07.12.2020]
Beide Mannschaften klappten das Visier herunter und boten nun herzerfrischenden Offensivfußball. [Werder – 1. FCN: Mit offenem Visier, 13.12.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Einmal mit jemand zusammen sein, der einen nicht mißtrauisch [sic!] von der Seite ansieht, wenn irgend ein Wort fällt, das vielleicht die […] Eitelkeit verletzen könnte, einer, der nicht jede Minute bereit ist, das Visier herunterzulassen und anzutreten auf Tod und Leben … […] [Das Buch zum Sonntag (69), 21.11.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
Was demnach bleibt, ist die Versicherung, daß Italien unter Berlusconi, anders als das vielleicht bei seiner ersten Regierung 1994 der Fall war, europafreundlich bleiben und nicht das antieuropäische Visier herunterlassen werde. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2002]
b)
mit offenem Visier (= so, dass man offen zum Kampf antritt oder in einer Auseinandersetzung ehrlich seine Absichten und Ansichten zeigt)

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Visier1 n. ‘bewegliches Helmgitter’, das Gesicht deckender, mit Sehschlitzen versehener Teil des mittelalterlichen Helms (als Bestandteil der Ritterrüstung), entlehnt (15. Jh.) aus mfrz. frz. visière f., afrz. visiere ‘Helmgitter’, einer Ableitung von afrz. vis ‘Gesichtssinn, Antlitz, Gesicht’ (s. Visage). Anfangs dem frz. Vorbild folgend auch Fem., dann (vielleicht in Anlehnung an Gesicht) durchgängig Neutr. Redensartlich mit offenem Visier ‘sich zu erkennen gebend, offen, ehrlich’ (18. Jh.), das Visier lüften ‘sich zu erkennen geben’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Visier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Visier‹.

Zitationshilfe
„Visier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Visier#2>, abgerufen am 15.10.2021.

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