Vita, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vita · Nominativ Plural: Viten/Vitae
Aussprache  [ˈviːta]
Worttrennung Vi-ta
Wortbildung  mit ›Vita‹ als Letztglied: Heiligenvita
Mehrwortausdrücke  Curriculum Vitae · Dolce Vita
Herkunft aus vitalat ‘Leben, Lebenszeit’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
fachsprachlich Lebensbeschreibung (antiker und mittelalterlicher Persönlichkeiten und Heiliger)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine anonyme Vita [des Heiligen]
mit Genitivattribut: die Vita eines Heiligen
als Genitivattribut: der Verfasser, ein Kapitel einer Vita
Beispiele:
Hier [in der Stiftsbibliothek St. Gallen] sind die früh‑ bis spätmittelalterlichen Schriften zu Leben und Wirken des Gallus ausgestellt, darunter die älteste überhaupt entdeckte Vita von 670/80 in einer Abschrift aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts neben den Neubearbeitungen des Reichenauer Mönchs Wetti (um 830) und der seines Schülers Walahfrid Strabo, die die bekannteste Version der Gallus‑Vita wurde. [Süddeutsche Zeitung, 25.04.2012]
In der Historia Augusta folgt auf die Vita des Kaisers Hadrian an dritter Stelle das Leben des Kaisers Antonius Pius, wo im dritten Paragraphen von Faustina, seiner Gemahlin, und ihrer »übermäßigen Freiheit der Sitten« erzählt wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.1999]
[Der Mailänder Bischof] Eustorgius soll – so wird in seiner Vita erzählt – die Gebeine der Drei Könige gegen Ende des 4. Jahrhunderts von Konstantinopel[…] nach Mailand gebracht haben, als Geschenk des byzantinischen Kaisers. [Die Zeit, 26.03.1982]
[Elisabeth von Thüringen] wurde zur volkstümlichsten deutschen Heiligen, ihr Grab eine der am meisten besuchten Wallfahrtsstätten, bis Landgraf Philipp 1539 die Reliquien entfernte. Ihr Leben wurde in einer Reihe von Viten legendär ausgeschmückt und noch im 20. Jh. häufig literarisch behandelt. In der Kunst wird sie oft als gekrönte Fürstin oder als dienende Franziskanerschwester (vielfach mit Kanne und Brot) dargestellt. [Heiler, F.: Elisabeth von Thüringen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 7827]
In der römischen Kaiserzeit wandelte sich die Bedeutung der Kometen und sie wurden zu Todesboten der Cäsaren: ob es sich um den Tod des Augustus, Claudius und Nero oder um Vitellius und Vespasian handelt – jedesmal berichten die Vitae von dem wunderbaren Zusammentreffen des irdischen Ereignisses mit der Erscheinung am gestirnten Himmel. [Die Zeit, 21.01.1954]
2.
bildungssprachlich Leben, Lebenslauf, Lebensgeschichte eines Menschen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine skandalträchtige, bewegte, ereignisreiche, schillernde, beeindruckende, außergewöhnliche, erstaunliche Vita
als Akkusativobjekt: eine Vita schreiben, erzählen, schönen
in Präpositionalgruppe/-objekt: einen Blick auf, in die Vita von jmdm. [nehmen]; etw. passt in, zur Vita von jmdm.; einen [dunklen, schwarzen] Fleck in seiner Vita [haben] (= etw. Unvorteilhaftes, Negatives in seinem Lebenslauf haben)
mit Genitivattribut: die Vita des Autors, Dichters, Künstlers, Trainers
Beispiele:
Der ausschweifende Patient hat Probleme »auf den Punkt« zu kommen bzw. dabei zu bleiben. Er berichtet ausführlich über seine Beschwerden – oft mit Hang zur theatralischen Übertreibung – und schweift bei seiner Schilderung gerne ab. Der Gesprächspartner erfährt so ungefragt die ganze Krankengeschichte oder irrelevante Ereignisse aus der Vita des Patienten. Solche Gespräche sind nicht nur zeitraubend, sondern auch wenig zielführend. [Umgang mit Patiententypen, 11.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Herr Magath [Trainer verschiedener Mannschaften der Fußball-Bundesliga], angesichts Ihrer Vita sind wir überrascht: Wie um alles in der Welt sind Sie beim Drittligateam Würzburg und beim österreichischen Abstiegskandidaten Mödling gelandet? [Welt am Sonntag, 23.02.2020]
Der publizistische Arm der Flüchtlingsaktivisten hat in zum Teil sehr lesenswerten Rekonstruktionen jener Vitae der 69 nach Afghanistan abgeschobenen Migranten ein paar vorbildlich integrierte, emsige und für die Volkswirtschaft hilfreiche Zeitgenossen porträtiert. [Die Welt, 19.07.2018]
Christiane Nüsslein‑Volhard (Jahrgang 1942) erhielt 1995 zusammen mit zwei US‑Forschern den Nobelpreis für Medizin »für ihre grundlegenden Erkenntnisse über die genetische Steuerung der Embryonalentwicklung«. […] Die gebürtige Magdeburgerin ist seit 1985 am Tübinger Max‑Planck‑Institut für Entwicklungsbiologie Wissenschaftliches Mitglied und Direktorin. Inzwischen enthält ihre Vita mehr als 30 Ehrungen, darunter Ehrendoktorwürden der Universitäten Utrecht, Princeton, Harvard. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 2000 [1999]]
George Walker Bush, der Gouverneur [von Texas und spätere US-Präsident], ist der Sohn von George Herbert Walker Bush, dem Präsidenten. Er führt deshalb hinter seinem Namen den Zusatz »junior«, der allerdings im offiziellen Lebenslauf nicht auftaucht. Ebensowenig zu finden ist der Geburtsort in Neuengland, denn laut Vita handelt es sich um den Gouverneur von Texas, der in Texas aufwuchs, zur Schule ging und sein Leben lebte. [Süddeutsche Zeitung, 16.10.1998]

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Thesaurus

Geschichte
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Berufslaufbahn · Berufsweg · Karriere · Laufbahn · Lebenslauf · Vita · Vitae cursus · Werdegang · berufliche Entwicklung · berufliche Laufbahn · beruflicher Werdegang  ●  C.V.  Abkürzung · CV  Abkürzung · Curriculum Vitae  lat. · Erwerbsbiographie  fachspr., Amtsdeutsch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vita‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vita‹.

Zitationshilfe
„Vita“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vita>.

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