Vlies, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vlieses · Nominativ Plural: Vliese
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Vlies‹ als Erstglied: Vliesstoff · Vliestextilien
eWDG

Bedeutungen

1.
Fell des Schafes und die nach der Schur in ihrer natürlichen Form zusammenhängende Wolle
Beispiele:
ein weiches, dichtes, volles, lockeres, seidiges Vlies
die Vliese werden nach Farbe, Feinheit sortiert
das Goldene Vlies (= das heilbringende Fell eines goldenen Widders, der dem Zeus der griechischen Sage geopfert wurde)
2.
Textilindustrie Schicht aus infolge natürlicher Haftung zusammenhängenden, nicht in einer Richtung geordneten Fasern
Beispiele:
Vliese bilden die Grundlage für die Herstellung von Filzen
neue Technologien für die Produktion von Stoffen aus Vliesen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vlies · Vließ
Vlies Vließ n. ‘Schaffell’. Das in den westgerm. Sprachen vertretene Substantiv mhd. vlius, frühnhd. vlües, vlus, mnd. vlūs, vlǖs ‘Haarbüschel, Flocke, Schaffell’, mnl. vlies, vluus, nl. vlies, aengl. flēos, engl. fleece ‘Schaffell’ (s. auch Flaus, Flausch) ist verwandt mit Flaum (s. d.), wo Weiteres zu Herkunft und Verwandtschaft. Mit niederländischen Siedlern dringt südmnl. vlies in die dt. Mundarten östlich der Elbe (Fliese). In der nhd. Literatur ist Vlies seit dem 16. Jh. bezeugt, zunächst ausschließlich mit Bezug auf den 1429 in Brügge gestifteten Orden vom Goldenen Vlies (nl. Gulden Vlies als Übersetzung von lat. aureum vellus bzw. mfrz. frz. toison d’or), der symbolisch auf das goldene Widderfell der griechischen Argonautensage zurückgreift. Formgebend für das Wort im Nhd. ist daher mnl. nl. vlies. In jüngerer Zeit bezeichnet Vlies in der Fachsprache der Schafzucht die ‘abgeschorene zusammenhängende Wolldecke des Schafs’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Vlies · Vliesstoff

Typische Verbindungen zu ›Vlies‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vlies‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vlies‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Mann zieht aus "gegen die alte Welt", ihr das Wissen, das Goldene Vlies, zu rauben "um der Macht Willen".
Die Welt, 08.12.2003
Die Idee der Ehe durchstrahlt »Das Goldene Vlies« mit deutlichem Licht.
Hofmannsthal, Hugo von: Rede auf Grillparzer. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 10436
Das Fort sei mit einem Vlies abgedeckt worden, so dass es jederzeit, auch schrittweise, wieder freigelegt werden könne.
Der Tagesspiegel, 20.11.2004
Dafür wird auf das Futter aufbügelbares Vlies in fertiger Größe der Klappe gebügelt.
Janusch, Antonie: Unser Schneiderbuch, Leipzig: Verlag für d. Frau 1979 [1965], S. 108
Aus Liebe zu Jason verhilft sie diesem zum Goldenen Vlies.
Fath, Rolf: Werke - M. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 27428
Zitationshilfe
„Vlies“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vlies>, abgerufen am 26.07.2021.

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