Volksfrömmigkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Volksfrömmigkeit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache [ˈfɔlksfʀœmɪçkaɪ̯t]
Worttrennung Volks-fröm-mig-keit
Wortzerlegung VolkFrömmigkeit
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutung

von einem Großteil der gläubigen Bevölkerung gelebter Ausdruck ihrer Religiosität (gelegentlich im Widerspruch zur Haltung der offiziellen Kirche stehend)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: mittelalterliche, katholische Volksfrömmigkeit
als Genitivattribut: Formen der Volksfrömmigkeit
Beispiele:
Der Adventskalender ist ein Kind erst des 19. Jahrhunderts. Für die seltsame, rätselhafte, ätherische Figur des Christkindes zeichnet wahrscheinlich Martin Luther verantwortlich. Der vermeintlich christliche Christbaum, der gern den Eindruck erweckt, als wäre er schon immer da gewesen, fand erst 1982 seinen Weg auf den Petersplatz in Rom, vorher hatte man dort für ihn maximal das Wort »Volksfrömmigkeit« übrig. [Die Zeit, 17.12.2017, Nr. 52]
Er [Jesus] ist zentral für die muslimische Frömmigkeit, es wird ihm Ehrerbietung entgegengebracht. Das ist nicht nur eine Floskel. Es gibt zum Beispiel christliche Marienheiligtümer in Ägypten, die von Muslimen besucht werden. Das ist eher auf der Ebene der Volksfrömmigkeit, aber Maria und Jesus sind in der muslimischen Heilsgeschichte auf jeden Fall bedeutende Personen. [Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2015]
Trotz aller Eventisierung der Religion und Privatisierung des Glaubens erweist sich die Marienverehrung auch in der Moderne als Ausdruck von Volksfrömmigkeit in Kapellen, Wegkreuzen, Votivtafeln, Gebeten, Fürbitten und Wallfahrten. [Die Welt, 25.08.2007]
Archäologen haben in der Mainzer Innenstadt einen »heiligen Bezirk« mit wissenschaftlich hochbedeutsamen Resten römischer Volksfrömmigkeit freigelegt. Sie stießen dabei auf Opferplätze, bleierne, noch eingerollte »Verfluchungstäfelchen« und Relikte von voodooähnlichem »Liebeszauber«. [Frankfurter Rundschau, 25.05.2000]
Genuiner Ausdruck der Volksfrömmigkeit wurden [nach der Reformation und dem Konzil von Trient 1563] Volksandachten, Prozessionen und Wallfahrten, häufig getragen von den wieder aufblühenden Bruderschaften. [Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 8283]

Typische Verbindungen zu ›Volksfrömmigkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Volksfrömmigkeit‹.

Zitationshilfe
„Volksfrömmigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Volksfr%C3%B6mmigkeit>, abgerufen am 02.12.2020.

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