Volkskammer, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Volkskammer · Nominativ Plural: Volkskammern
Aussprache
WorttrennungVolks-kam-mer
WortzerlegungVolkKammer
Wortbildung mit ›Volkskammer‹ als Erstglied: ↗Volkskammermandat
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

eine von zwei gesetzgebenden parlamentarischen Körperschaften in Staaten mit Zweikammersystem
  insbesondere die direkt vom Volk gewählte Vertretung
Beispiele:
Der Verfassungstext sieht die direkte Wahl des Staatspräsidenten sowie Wahlen für zwei Volkskammern [in Afghanistan] vor. [Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2003]
Die schwarz gekleideten Mitglieder der Volkskammern »Sejm« und »Senat« hielten am Mittwochmittag im Stehen eine gemeinsame Trauerfeier [für den verstorbenen Papst] ab. [Berliner Zeitung, 07.04.2005]
Die […] [für Bosnien-Herzegowina] vorgesehenen gemeinsamen Institutionen – Staatspräsidium, Ministerrat, Repräsentantenhaus und Volkskammer, Verfassungsgericht und Zentralbank – sind eingerichtet, und Wahlen haben überwiegend stattgefunden. [Der Tagesspiegel, 28.11.1997]
allgemeiner Drei Tage nach der Wahl für das Zentralparlament war Benazir Bhutto auch in den Wahlen für die Volkskammern [Regionalparlamente] in den Provinzen Pakistans erfolgreich. [die tageszeitung, 12.10.1993]
Die klassische föderalistische Verfassung ist die der Vereinigten Staaten. Die »Länderkammer« des Senats steht hier als gleichberechtigter Partner der Legislative neben der »Volkskammer« des Repräsentantenhauses. [Die Zeit, 02.01.1947, Nr. 01]
nur im Singular
DDR auf Grundlage einer (vorgegebenen) Einheitsliste von der Bevölkerung gewählte, zwei- bis viermal jährlich tagende Volksvertretung und (nominell) oberstes Verfassungsorgan der DDR
Beispiele:
In turbulenter Nachtsitzung hatte die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik früh um 2.47 Uhr mit satter Zweidrittelmehrheit die Auflösung ihres Staates durch Beitritt der DDR zur Bundesrepublik für den 3. Oktober beschlossen. [Der Spiegel, 27.08.1990, Nr. 35]
[…] Er wurde in der ersten demokratischen Wahl der DDR im Jahr 1990 in die Volkskammer gewählt, dort fungierte er als Parlaments-Vizepräsident. [Die Zeit, 11.06.2014, Nr. 24]
Nach ausführlicher Diskussion[…] bestätigte der Zentralrat entsprechend dem Statut der FDJ die Vorschläge des Jugendverbandes für die Kandidatenliste der Nationalen Front für die Wahlen zur Volkskammer. [Neues Deutschland, 01.10.1971]
Am 7. Oktober 1949 bin ich nach der Konstituierung der Volkskammer von ihrer stärksten Fraktion, der Fraktion der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, als Ministerpräsident für die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik benannt worden. [Grotewohl, Otto: Die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten der DDR auf der gemeinsamen Tagung der Provisorischen Volks- und Länderkammer am 04.11.1998. In: Barthel, Henner (Hg.) Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 29. Zitiert nach: Grotewohl, Otto: Die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten der DDR auf der gemeinsamen Tagung der Provisorischen Volks- und Länderkammer am 12.10.1949.]
Oberstes Organ der Staatsgewalt ist [laut Verfassungsentwurf für die Deutsche Demokratische Republik] eine Volkskammer von 400 Abgeordneten. Aus Vertretern der Länder wird eine Länderkammer gebildet. [Archiv der Gegenwart, 1948, Bd. 18.]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die neugewählte, [erste und letzte] frei gewählte Volkskammer
mit Genitivattribut: die Volkskammer der DDR
in Präpositionalgruppe/-objekt: Wahlen zur Volkskammer; ein Sitz in der Volkskammer; eine Rede vor der Volkskammer; in der Volkskammer vetreten sein; etw. [einen Gesetzentwurf] in die Volkskammer einbringen
mit Dativobjekt: der Volkskammer angehören
als Genitivattribut: das Präsidium, die Abgeordneten, die Fraktionen, der Ausschuss, die Tagung, der Beschluss der Volkskammer
als Aktivsubjekt: die Volkskammer tritt zusammen, tagt, beschließt etw., billigt etw., verabschiedet [ein Gesetz]
in Koordination: Volkskammer und Staatsrat, Ministerrat, Länderkammer

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Volkskammer [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgeordnete Beitrittsbeschluß DDR DDR-Regierung Einigungsvertrag Konstituierung Kulturbund Länderkammer Machtorgan Massenorganisation Ministerrat Palast der Republik Plenarsaal Präsidium SED-Fraktion SPD-Fraktion SPD-Fraktionsvorsitzende Sitzungssaal Sonderausschuß Staatsrat Volksrat Volksvertretung freigewählt gewählt konstituieren neugewählt ostzonal provisorisch sowjetzonal tagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Volkskammer‹.

Zitationshilfe
„Volkskammer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Volkskammer>, abgerufen am 20.10.2019.

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