Volksverhetzung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Volksverhetzung · Nominativ Plural: Volksverhetzungen
Aussprache [ˈfɔlksfɛɐ̯ˌhɛʦʊŋ]
Worttrennung Volks-ver-het-zung
Wortzerlegung Volk Verhetzung
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Recht Aufstachelung zum Hass oder Aufruf‍(e) zu Gewalt- und Willkürmaßnahmen sowie beleidigende, böswillig verächtlich machende oder verleumderische Äußerungen gegen eine bestimmte (nationale, rassische, religiöse, durch ihre ethnische Herkunft definierte) Gruppe der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppe in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören
Dies ist in § 130 Strafgesetzbuch (Volksverhetzung) (in Österreich Verhetzung) geregelt.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gemeinschaftliche, antisemitische Volksverhetzung
als Akkusativobjekt: jmdm. Volksverhetzung vorwerfen; Volksverhetzung betreiben
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Strafanzeige, ein Ermittlungsverfahren, ein Strafverfahren, eine Verurteilung, eine Vorstrafe wegen Volksverhetzung; der Verdacht auf Volksverhetzung
in Koordination: Volksverhetzung und Beleidigung, Aufstachelung zum Rassenhass, üble Nachrede, Verleumdung, Körperverletzung, Sachbeschädigung
als Genitivattribut: der Tatbestand, Verdacht, Vorwurf der Volksverhetzung
Beispiele:
Der Bundesgerichtshof hat die Verurteilung eines Hamburger Strafverteidigers wegen Volksverhetzung durch Leugnen des Holocaust bestätigt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2004]
Wenn man sieht, wie reflexartig heute »Volksverhetzung« in Richtung jeder Äußerung aus einer [bestimmten] politisch oder religiös gefärbten Ecke geschrien und wie dann die persönliche Hetzjagd auf die Äußernden eröffnet wird, kann man sich schon Sorgen um die Meinungsfreiheit machen. [Der Spiegel, 13.10.2015 (online)]
Sind die Äußerungen von Bischof Overbeck (u. a. »ohne Religion und ohne religiöse Praxis gibt es kein Menschsein«) von der Meinungsfreiheit gedeckt oder schon Volksverhetzung? [skydaddy.wordpress.com, 01.06.2012]
Meinungsfreiheit findet im Rechtsstaat ihre Grenzen da, wo Volksverhetzung beginnt. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2003]
Das Gericht befindet den Angeklagten der Volksverhetzung, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Verbreitung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen für schuldig. [konkret, 2000 [1995]]
Ein knapper[…] Gesetzentwurf »gegen Volksverhetzung« schlug eine Änderung des Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches vor: »Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise – erstens – zum Haß gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstachelt, sie beschimpft oder böswillig verächtlich macht, oder – zweitens – wider besseres Wissen verunglimpfende Behauptungen tatsächlicher Art über sie aufstellt und verbreitet, wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.« [Die Zeit, 11.12.1959]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Demagogie · Propaganda · Volksverführung · Volksverhetzung
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Volksverhetzung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Volksverhetzung‹.

Zitationshilfe
„Volksverhetzung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Volksverhetzung>.

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