Volksverräter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Volksverräters · Nominativ Plural: Volksverräter
WorttrennungVolks-ver-rä-ter
WortzerlegungVolkVerräter
Am 10. Januar 2017 wurde das Wort Volksverräter von einer sprachkritischen Jury zum Unwort des Jahres 2016 gewählt.
Quelle: DWDS, 2017

Bedeutungsgeschichte

Das Wort Volksverräter, zuerst fassbar Ende des 18. Jahrhunderts, wird Anfang des 19. Jahrhunderts zum politischen Kampfbegriff der antifeudalen Opposition. Er entwickelt sich, nicht zuletzt aufgrund einer unklaren Zuordnung des Erstgliedes Volk (Lesart 1, 2 u. 3) zu einem vielgebrauchten Kampfbegriff verschiedener Seiten, insbesondere linker Parteien. Von dort aus findet er Eingang in das politische Vokabular zunächst des Nationalsozialismus und später der DDR. Heute wird das Wort Volksverräter vorwiegend von Vertretern des rechtspopulistischen und rechtsextremen politischen Spektrums verwendet, um politische Gegner zu diffamieren.
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutung

abwertend jmd., der das Volk (Lesart 1, 2 u. 3), seine Werte, Ziele o. Ä. verrät, es hintergeht, betrügt
In der politischen Auseinandersetzung werden durch die Verwendung des Wortes Volksverräter stark divergierende und auf diskursivem Wege nicht auszugleichende Standpunkte signalisiert, die meist in diametral entgegengesetzten Gesellschaftsmodellen begründet sind. Die Verwendung insbesondere auch als Schimpfwort ist typischerweise mit der Vorstellung eines scheinbar klar erkennbaren und einheitlichen Volkswillens verbunden.
Beispiele:
In Dresden hatten Pegida-Anhänger am Montag Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Ehrengäste der Festveranstaltungen mit Rufen wie »Merkel muss weg«, »Haut ab« und »Volksverräter« beschimpft. [Spiegel, 06.10.2016 (online)]
Sie [die Hooligans] gehörten schon mehrmals zu den ersten, die den völkischen Ruf gegen die sogenannte Lügenpresse intonierten oder im rechtsextremen Duktus gegen Volksverräter hetzten. [Die Zeit, 12.01.2015, Nr. 2]
Die »Herrschaften« von SPÖ und ÖVP [die österreichischen Regierungsparteien] hätten eine Politik gegen die eigene Bevölkerung betrieben und die Menschen mit ihren Problemen allein gelassen. Die vermeintlichen Volksvertreter seien in Wahrheit »Volksverräter«. [Der Spiegel, 22.09.2008, Nr. 39]
Den Volksverrätern der Weimarer Republik schrie er [Johannes R. Becher] den revolutionären Protest entgegen, zu dem ihm seine Parteinahme für die Sache des Volkes die Kraft verlieh. [Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.): Auf der Suche nach Deutschland. In: Neues Deutschland 6/114 (1951), S. 4.]
Irgendwann im Sommer [des Jahres 1933] erschien in den Zeitungen eine Liste von 30 oder 40 der bekanntesten wissenschaftlichen und literarischen Namen: Ihre Träger waren zu »Volksverrätern« erklärt, ausgebürgert, geächtet. [Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1939], S. 182]
Rufe [im Parlament] nach links: Scheren Sie sich nach Frankreich! Landesverräter! Ruf links: Ihr seid Volksverräter! Ruf rechts: Idioten, Hampelmänner! [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1921]
Kollokation:
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. als Volksverräter beschimpfen
Zitationshilfe
„Volksverräter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Volksverräter>, abgerufen am 17.10.2019.

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