Volkswahl, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Volkswahl · Nominativ Plural: Volkswahlen
Aussprache
WorttrennungVolks-wahl
WortzerlegungVolkWahl
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutung

unmittelbare Wahl (Lesart 2) von politischen Vertretern, Regierenden o. ä. Funktionsträgern durch alle allgemein Wahlberechtigten eines Gemeinwesens
Synonym zu Direktwahl (Lesart 2)
Beispiele:
Zu deren [der Kommunalverfassung] wichtigsten Merkmalen zählt die unmittelbare Volkswahl (Direktwahl, Urwahl) des Bürgermeisters, der an der Spitze der Gemeindeverwaltung steht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2001]
Eine direkte Volkswahl des Präsidenten existiert in den USA nicht. Gewählt wird der Präsident indirekt von 538 Wahlmännern. [Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2016]
In Genf wird der Generalstaatsanwalt vom Volk gewählt; die Volkswahl soll dem Chef der kantonalen Justizbehörde eine höhere Legitimität verleihen und die Justiz gegenüber den anderen Staatsgewalten stärken. [Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2011]
Zu Überlegungen, ob der Bundespräsident künftig nicht vom Volk direkt gewählt werden solle, sagte er, eine Volkswahl habe nur Sinn, wenn mit ihr die Übertragung schwerwiegender Kompetenzen auf den Bundespräsidenten verbunden sei. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.1994]
Nach der österreichischen Bundesverfasssung soll das Staatsoberhaupt durch Volkswahl bestellt werden. Doch ist unter besonderen Bedingungen auch die Wahl durch das Parlament zugelassen, und bisher hat man immer diesen zweiten Weg vorgezogen. [Die Welt, 01.01.1951]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine direkte, unmittelbare, allgemeine Volkswahl
mit Genitivattribut: die Volkswahl des Staatsoberhauptes, des Bundespräsidenten, des Regierungschefs, der Gouverneure
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Legitimation durch eine Volkswahl; jmd. wird in einer Volkswahl gewählt, bestimmt; aus einer Volkswahl [als Sieger, Verlierer] hervorgehen
als Akkusativobjekt: die Volkswahl [des Staatsoberhauptes] fordern
historisch, verhüllend in sozialistischen Staaten, z. B. von den Volkskammerwahlen in der DDR   Wahl (Lesart 2), zu der alle wahlberechtigten Bürger eines Landes aufgerufen sind
Der Ausdruck Volkswahl nimmt in dieser Lesart zum einen Bezug auf die formell grundlegende Rolle des Wahlvolkes für die Legitimierung der staatlichen Organe und suggeriert zugleich eine Übereinstimmung von Volks- und Staatsinteresse. Aus Sicht seiner Kritiker steht er beschönigend für eine Wahl ohne ein wirklich demokratisches Verfahren, mit einer eingeschränkten, von der herrschenden Partei kontrollierten Kandidatenauswahl für eine Einheitsliste und einer im Wesentlichen feststehenden Sitzverteilung in den Volksvertretungen.
Beispiele:
Im Sinne des Wahlaufrufs der Nationalen Front gelte es, durch Wort und Tat an der Vorbereitung der Volkswahlen mitzuwirken, damit die Wahlentscheidung am 8. Juni das starke politische Bekenntnis des Volkes zu den Beschlüssen des XI. Parteitages zum Ausdruck bringt. [Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.): Mit aller Kraft der Gewerkschaften auf dem Kurs des XL Parteitages. In: Neues Deutschland 41/101 (1986), S. 1.]
In den Volkswahlen zur Volkskammer stimmen regelmäßig um die 99 Prozent für die Einheitsliste der Nationalen Front. [Der Spiegel, 11.10.1976, Nr. 42]
Bis zu den Kommunalwahlen 1970 Abgeordneter des Kreistages Magdeburg […], kandidiert er bei den bevorstehenden Volkswahlen für den Magdeburger Bezirkstag. [Verlag Neue Zeit (Hrsg.): Verpflichtendes Prinzip. In: Neue Zeit 27/262 (1971), S. 5.]
Die am Sonntag in Bulgarien durchgeführten Volkswahlen sind zu einem glänzenden Sieg für die Kandidaten der Vaterländischen Front geworden. [Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.): Glänzender Wahlsieg in Bulgarien. In: Neues Deutschland 17/59 (1962), S. 1.]
Dieses, in der Geschichte unseres Landes nie gekannte Vertrauensverhältnis zwischen Volk und Regierung kam am 15. Oktober 1950 überzeugend zum Ausdruck, als die Bevölkerung unserer Republik in der Volkswahl die deutsche Volkskammer wählte, die vom Vertrauen der überwältigenden Mehrheit der Wähler getragen ist. [Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.): Aufwärts durch Friedenspolitik. In: Neues Deutschland 6/233 (1951), S. 3-4.]

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschaffung Amt Bundespräsident Bundesrat Einführung Gouverneur Legitimation Präsident Regierungschef Reichspräsident Staatsoberhaupt Staatspräsident Vorbereitung abschaffen allgemein bestimmen direkt einführen hervorgehen unmittelbar verlängern wählen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Volkswahl‹.

Zitationshilfe
„Volkswahl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Volkswahl>, abgerufen am 16.10.2019.

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