Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vollkommenheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vollkommenheit · Nominativ Plural: Vollkommenheiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Voll-kom-men-heit
eWDG

Bedeutung

das Vollkommensein, die Makellosigkeit, Vollendung
Beispiele:
nach Vollkommenheit streben
Vollkommenheit erreichen
etw. gelingt jmdm. zur Vollkommenheit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

voll · vollends · völlig · vollständig · Vollständigkeit · vollkommen · Vollkommenheit · vervollkommnen · Vollblut · vollstrecken · Vollmacht
voll Adj. ‘gefüllt, bedeckt’, ahd. fol (8. Jh.), mhd. vol, asächs. ful, mnd. vul, mnl. nl. vol, aengl. full, anord. fullr, schwed. full, got. fulls (germ. *fulla-) und aind. pūrṇáḥ ‘voll, gefüllt’, lit. pìlnas, aslaw. plьnъ, russ. pólnyj (полный) ‘voll’ sowie (ablautend) lat. plēnus ‘voll’ sind alte Partizipialbildungen mit dem Suffix ie. -no-, führen also auf ie. *pḷno- bzw. *plēno- ‘angefüllt’ (im Germ. mit Assimilation von -ln- zu -ll-). Vergleichbar sind griech. pimplánai (πιμπλάναι) ‘füllen’, lat. plēre ‘füllen’, so daß eine Wurzel ie. *pel(ə)-, *plē- ‘gießen, fließen, aufschütten, (ein)füllen’ zugrunde gelegt werden kann (wozu auch viel, s. d.). – vollends Adv. ‘völlig, ganz, überdies noch’ (17. Jh.), mit adverbiellem -s gebildet im Anschluß an spätmhd. vollent, das seinerseits (mit unorganischem -t) mhd. vollen Adv., ahd. follūn Adv. (8. Jh.), follon (9. Jh.) fortsetzt. völlig Adj. ‘gänzlich’, ahd. follīg ‘vollständig, sich ergänzend’ (11. Jh.; vgl. follī̌glīh Adj. ‘voll, reichlich, vollkommen’, um 1000, follī̌glīhho Adv., 10. Jh.), mhd. vollec, vollic ‘voll, vollständig, reichlich’. vollständig Adj. ‘aus allen zugehörigen Teilen bestehend, ganz’ (16. Jh.); Vollständigkeit f. (Anfang 16. Jh.). vollkommen Part.adj. ‘vollständig, vollendet, unübertrefflich’, ahd. folkoman ‘vollendet’ (Hs. 12. Jh.), mhd. volkomen, volkumen ‘ausgebildet, herangewachsen, vollständig’, Part. Prät. von ahd. fol(la)queman ‘zu einem Ziel gelangen, hinkommen, gelingen’ (um 1000), mhd. volkomen, volkumen Vb. ‘zum Ende, zum Ziele kommen, ausgeführt werden, sich ereignen’; Vollkommenheit f. mhd. volkomenheit; vervollkommnen Vb. ‘vollkommen machen, vervollständigen’ (vereinzelt 16. Jh., häufig ab 18. Jh.). Vollblut n. ‘reinrassiges Pferd’ (18. Jh.), nach engl. full-blood. vollstrecken Vb. ‘ausführen, verwirklichen’ (2. Hälfte 15. Jh.), eigentlich ‘bis zum Ende, zum Ziele strecken’. Vollmacht f. ‘einem anderen erteiltes Verfügungsrecht’, spätmhd. volmacht, vgl. afrz. plein pooir sowie nlat. plēnipotentia.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausgereiftheit · Ideal · Idealergebnis · Makellosigkeit · Perfektion · Unübertrefflichkeit · Vollendung · Vollkommenheit · höchste Blüte  ●  Kalokagathia  griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vollkommenheit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vollkommenheit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vollkommenheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal kommt es eben mehr auf den guten Willen an als auf die Vollkommenheit. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 77]
Er habe erst Adam erschaffen, der sei ihm nicht gelungen, dann aber, beim zweiten Experiment, bei Eva, sei die göttliche Vollkommenheit erreicht? [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 108]
Daß es aber seliges Leben sein muß, ergibt sich von selbst aus der Vollkommenheit Gottes. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2851]
Eigene Taten sollten der Vollkommenheit früherer Taten entsprechen; das war verbreitete Überzeugung. [Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7217]
Sie weigern sich, auch nur einem die »vier Sterne« höchster Vollkommenheit zuzusprechen. [Die Zeit, 13.03.1964, Nr. 11]
Zitationshilfe
„Vollkommenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vollkommenheit>.

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