Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vollmacht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vollmacht · Nominativ Plural: Vollmachten
Aussprache 
Worttrennung Voll-macht
Wortbildung  mit ›Vollmacht‹ als Erstglied: Vollmachtgeber · Vollmachtserteilung  ·  mit ›Vollmacht‹ als Letztglied: Blankovollmacht · Exekutivvollmacht · Generalvollmacht · Handlungsvollmacht · Inkassovollmacht · Postvollmacht · Prozessvollmacht · Sondervollmacht · Vorsorgevollmacht
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdm. von jmdm. erteilte Ermächtigung, etw. an seiner Stelle zu tun, Befugnis zur Vertretung eines anderen
Beispiele:
jmdm. (die) Vollmacht (für die Verhandlungen, zum Unterschreiben des Vertrags) geben, erteilen, übertragen
jmdn. mit allen, weitreichenden, weitgehenden Vollmachten ausstatten
er hat ihm die Vollmacht entzogen
er hat dazu (die) uneingeschränkte Vollmacht, ist mit besonderen Vollmachten ausgerüstet
sie hat von ihm Vollmacht bekommen, etw. zu tun
seine Vollmacht überschreiten, missbrauchen
in Vollmacht
Grammatik: steht in Briefen vor der Unterschrift des unterzeichnungsberechtigten Stellvertreters
2.
Schriftstück, durch das jmd. von jmdm. ermächtigt wird, etw. an seiner Stelle zu tun
Beispiele:
jmdm. eine Vollmacht schreiben, ausstellen, aushändigen
eine Vollmacht unterschreiben
dafür musste er eine schriftliche Vollmacht vorlegen, vorweisen, beibringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

voll · vollends · völlig · vollständig · Vollständigkeit · vollkommen · Vollkommenheit · vervollkommnen · Vollblut · vollstrecken · Vollmacht
voll Adj. ‘gefüllt, bedeckt’, ahd. fol (8. Jh.), mhd. vol, asächs. ful, mnd. vul, mnl. nl. vol, aengl. full, anord. fullr, schwed. full, got. fulls (germ. *fulla-) und aind. pūrṇáḥ ‘voll, gefüllt’, lit. pìlnas, aslaw. plьnъ, russ. pólnyj (полный) ‘voll’ sowie (ablautend) lat. plēnus ‘voll’ sind alte Partizipialbildungen mit dem Suffix ie. -no-, führen also auf ie. *pḷno- bzw. *plēno- ‘angefüllt’ (im Germ. mit Assimilation von -ln- zu -ll-). Vergleichbar sind griech. pimplánai (πιμπλάναι) ‘füllen’, lat. plēre ‘füllen’, so daß eine Wurzel ie. *pel(ə)-, *plē- ‘gießen, fließen, aufschütten, (ein)füllen’ zugrunde gelegt werden kann (wozu auch viel, s. d.). – vollends Adv. ‘völlig, ganz, überdies noch’ (17. Jh.), mit adverbiellem -s gebildet im Anschluß an spätmhd. vollent, das seinerseits (mit unorganischem -t) mhd. vollen Adv., ahd. follūn Adv. (8. Jh.), follon (9. Jh.) fortsetzt. völlig Adj. ‘gänzlich’, ahd. follīg ‘vollständig, sich ergänzend’ (11. Jh.; vgl. follī̌glīh Adj. ‘voll, reichlich, vollkommen’, um 1000, follī̌glīhho Adv., 10. Jh.), mhd. vollec, vollic ‘voll, vollständig, reichlich’. vollständig Adj. ‘aus allen zugehörigen Teilen bestehend, ganz’ (16. Jh.); Vollständigkeit f. (Anfang 16. Jh.). vollkommen Part.adj. ‘vollständig, vollendet, unübertrefflich’, ahd. folkoman ‘vollendet’ (Hs. 12. Jh.), mhd. volkomen, volkumen ‘ausgebildet, herangewachsen, vollständig’, Part. Prät. von ahd. fol(la)queman ‘zu einem Ziel gelangen, hinkommen, gelingen’ (um 1000), mhd. volkomen, volkumen Vb. ‘zum Ende, zum Ziele kommen, ausgeführt werden, sich ereignen’; Vollkommenheit f. mhd. volkomenheit; vervollkommnen Vb. ‘vollkommen machen, vervollständigen’ (vereinzelt 16. Jh., häufig ab 18. Jh.). Vollblut n. ‘reinrassiges Pferd’ (18. Jh.), nach engl. full-blood. vollstrecken Vb. ‘ausführen, verwirklichen’ (2. Hälfte 15. Jh.), eigentlich ‘bis zum Ende, zum Ziele strecken’. Vollmacht f. ‘einem anderen erteiltes Verfügungsrecht’, spätmhd. volmacht, vgl. afrz. plein pooir sowie nlat. plēnipotentia.

Thesaurus

Synonymgruppe
Befugnis · Bevollmächtigung · Ermächtigung · Freibrief · Handlungsvollmacht · Mandat · Prokura · Vollmacht · Vollziehungsbefehl  ●  Pouvoir  österr. · Kommittiv  fachspr., lat., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vollmacht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vollmacht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vollmacht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vollmacht braucht jeder, der für einen andern vertretungsweise handeln will, als Ausweis. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 343]
Nie hatte er sich Vollmachten geben lassen, immer hatte er sich Freiheiten genommen. [Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 104]
Mit anderen Worten, das Eigentumsrecht wurde abhängig von bürokratischer Vollmacht. [Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 203]
Ist es daneben noch nötig, besondere Räte mit besonderen politischen Vollmachten auszugestalten? [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 04.04.1919]
Über die Ausübung seiner Vollmachten ist er dem Parlament verantwortlich. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]]
Zitationshilfe
„Vollmacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vollmacht>.

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