Vollverb, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vollverb(e)s · Nominativ Plural: Vollverben
Aussprache [ˈfɔlvɛʁp]
Worttrennung Voll-verb
Wortzerlegung voll-Verb
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2020

Bedeutung

Sprachwissenschaft Verb, das allein das Prädikat (3) bilden kann (nicht Hilfs-, Modalverb o. Ä. ist)
Beispiele:
»Lineker [ein Fußballspieler] hat ein wenig Speck angesetzt, aber immer noch eine vorzeigbare Figur.« Leserin H. reagierte mit einem »Grrrh«, hinter dem sich der Unmut darüber verbarg, dass da unterschiedliche Funktionen von haben vermischt worden waren: die des Vollverbs, das so viel wie besitzen bedeutet, und die des Hilfsverbs, das zur Perfektbildung hat angesetzt herangezogen wird. Stimmt in der Sache und uns traurig. [Süddeutsche Zeitung, 29.10.2016]
»Die statistische Übersetzung [stößt in Übersetzungs-Apps] schnell an ihre Grenzen«, sagt etwa der Sprachwissenschaftler Martin Kay von der Stanford University, »der Ansatz ignoriert die komplexe Struktur von Sprache.« Bei der im Deutschen üblichen Stellung von Vollverb und Hilfsverb etwa versage die Technik. [Der Spiegel, 26.04.2010, Nr. 17]
Großgeschrieben werden [nach den neuen Regeln] von nun an: – Substantive in Verbindung mit einer Präposition (auf Grund, in Bezug, mit Bezug) oder einem Verb (Rad fahren, Tennis spielen) – Worte wie Pleite, Angst, Bange, Gram, Schuld – in Verbindung mit Vollverben: Sie bekommt Angst. Die Firma geht Pleite. Ich gebe dir Schuld. (Nur in Verbindung mit den Verben »sein«, »bleiben« und »werden« gilt weiter die Kleinschreibung: Mir wird angst.) [Berliner Zeitung, 01.08.2005]
Die häufigsten Vollverben [in den Texten der Jahrgänge der ZEIT von 1995 bis 1998]: leben, lassen, wissen, kommen, sehen, stehen, sagen, geben, gehen, finden, bleiben, fragen. [Die Zeit, 05.08.1999, Nr. 32]
Die Ansprache enthält eine Reihe von Passagen, die durch einen Nominalstil geprägt sind, wie er die Politiksprache der DDR bestimmte (»Erfüllung der Planaufgaben in Menge und Qualität, durch gute Einbringung der Ernte, durch gute und lückenlose Versorgung unserer Bevölkerung«). Ein durchgängiger nominaler Stil ist jedoch nicht vorhanden, da Ulbricht häufig bedeutungsstarke Vollverben verwendet. [Barthel, Henner (Hg.), Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 61]

Thesaurus

Synonymgruppe
Vollverb [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
Antonyme
  • Vollverb
Zitationshilfe
„Vollverb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vollverb>, abgerufen am 21.09.2020.

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