Vordergrund, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungVor-der-grund
WortzerlegungvorderGrund
Wortbildung mit ›Vordergrund‹ als Grundform: ↗vordergründig
eWDG, 1977

Bedeutung

der vorn, in der Nähe des Betrachters liegende Teil von dem, was man sieht
Gegenwort zu Hintergrund
Beispiele:
auf dem Foto sind die Häuser im Vordergrund deutlich zu erkennen
die Figuren im Vordergrund des Gemäldes
bei seinem Monolog kommt der Schauspieler nach dem Vordergrund der Bühne
übertragen
jmdn., etw. in den Vordergrund stellen, rücken, drängenjmdm., einer Sache größere Bedeutung, mehr Beachtung verschaffen
Beispiele:
eine bestimmte Persönlichkeit, einige aktuelle Fragen stärker in den Vordergrund rücken
die gemeinsamen Interessen in den Vordergrund stellen
jmd., etw. tritt, rückt, drängt (sich), spielt sich, schiebt sich in den Vordergrundjmd., etw. gewinnt an Bedeutung, zieht die Aufmerksamkeit stärker auf sich
Beispiele:
diese Aufgabe tritt, rückt jetzt (für uns) in den Vordergrund
ein neues Problem drängt (sich) immer mehr in den Vordergrund
daß [er] ... sich wieder in den Vordergrund gespielt hatte [WelkMorgennebel533]
im Vordergrund stehenvon großer Bedeutung sein, sehr beachtet werden
Beispiele:
der Kampf um die Erhaltung des Friedens, die Sorge um den Menschen steht nach wie vor im Vordergrund
Er steht augenblicklich sehr im Vordergrunde der Aufmerksamkeit [Th. MannJoseph4,376]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vorder · Vordergrund · Vordermann
vorder Adj. (heute nur mit Flexionsendung der vordere, ein vorderer) ‘vorn, am Anfang befindlich’ (meist im Kontrast zu etw. weiter hinten Befindlichem, daher mit komparativischem Sinn, s. ↗hinter Adj.), bis ins ältere Nhd. auch auf die Zeit übertragen ‘früher, vorherig’, ahd. ford(a)ro (9. Jh., daneben, besonders obd., mit zusätzlicher Komparativendung ahd. ford(a)rōro, 9. Jh., vgl. die Superlativform ahd. ford(a)rōsto, 8. Jh.), mhd. vorder ‘räumlich oder zeitlich vorausgehend, vornehmer, bedeutender, ansehnlich’, asächs. (substantiviert) forð(e)ro ‘Vorfahr’, mnd. vȫrder, vōrder ‘vorn, auf der rechten Seite befindlich, früher, vorhergehend’ sind wahrscheinlich unmittelbar an die bei ↗vor (s. d.) dargestellte (älter auch adverbiell gebrauchte) Präposition anzuschließen; in ihrem zweiten Wortteil ist dann das im Germ. nicht mehr produktive Komparationssuffix ie. -tero- zu sehen. Dagegen gehen die Adjektivbildungen asächs. furðiro ‘größer, vornehmer, rechts befindlich’, mnd. vȫrder, vürder ‘ferner, entfernter, weiter, künftig’ und aengl. furþra ‘weiter, entfernter, größer, höher’ wohl eher auf die Steigerungsform des unter ↗fort (s. d.) behandelten Adverbs zurück. In ältester Zeit ist die Substantivierung ahd. thie ford(a)ron (8. Jh.), mhd. frühnhd. die vorder(e)n, asächs. thea forð(e)ron (s. oben), mnd. de vȫrderen mit der Bedeutung ‘die Eltern, Ahnen, Vorfahren’ gebräuchlich; dazu ahd. thie altford(o)ron, mhd. frühnhd. die altvordern, seit dem 18. Jh. wieder aufgenommen (empfohlen von Campe 1807). Vordergrund m. ‘was sich in der Nähe des Betrachters, vorn in dessen Blickfeld befindet’ (häufig mit Bezug auf Bühne, Gemälde und Zeichnungen, 18. Jh.); übertragen in Wendungen wie etw. in den Vordergrund stellen ‘die Aufmerksamkeit auf etw. lenken’, in den Vordergrund treten ‘an Bedeutung gewinnen’, im Vordergrund stehen ‘besonders wichtig sein’ (alle 19. Jh.). Vordermann m. ‘wer sich in einer bestimmten Ordnung vor einem anderen befindet’, auch ‘wer in der Rangfolge vorausgeht’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aspekt Bemühung Betrachtung Diskussion Erwägung Erörterung Frage Gemeinsamkeit Geschehen Gesichtspunkt Hintergrund Interesse Motiv Sachfrage Spaß Sport Steuervorteil Thema Wahlkampf dringen drängeln drängen rücken schieben spielen stehen stellen treten wiederstehen Überlegung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vordergrund‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist nicht ihre Art, sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Die Zeit, 04.03.2013, Nr. 09
Er habe sich aber nicht in den Vordergrund stellen wollen.
Die Welt, 28.05.2005
Wenn man Betriebe als selbstgeregelte Systeme versteht, tritt das Moment der rechtlichen Organisation in den Vordergrund.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 460
Schon sehr früh trat er als Komp. in den Vordergrund.
Paap, Wouter: Enthoven. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 24181
Über dieses jetzt wieder in den Vordergrund tretende Problem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Althaus, P.: Christologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 20836
Zitationshilfe
„Vordergrund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vordergrund>, abgerufen am 16.02.2019.

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