Vordermann, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vordermann(e)s · Nominativ Plural: Vordermänner/Vorderleute
Neben der Pluralform auf ‑männer ist auch die Pluralumschreibung mit ‑leute möglich. Diese Pluralform kann insbesondere dann verwendet werden, wenn keine Aussage über das natürliche Geschlecht der Beteiligten gemacht werden soll.
Aussprache  [ˈfɔʁdɐˌman]
Worttrennung Vor-der-mann
Wortzerlegung vorderMann
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Person, die (innerhalb einer bestimmten Ordnung) vor einer anderen Person sitzt, steht, fährt o. Ä.
Grammatik: oft mit Possessivpronomen
Gegenwort zu Hintermann (1)
Beispiele:
Es ist eine sehr soziale Form des Fahrradfahrens. […] Pino heißt es. Der Vordermann, in diesem Fall: mein Sohn, sitzt wie in einem Liegerad und hat die Aufgabe zu pedalieren (= in die Pedale zu treten). Ich hocke hinter ihm auf einem normalen Sattel, blicke über seinen Kopf hinweg, trete, lenke, bremse und klingele. [Der Spiegel, 10.07.2017 (online)]
Andreas ist größer als Wolfgang, also liegt er [beim Rodeln] oben (richtig wäre: Vordermann). Der, der unten liegt (eigentlich: hinten sitzt), lenkt nur mit den Schultern, er sieht praktisch nichts von der Welt und soll eher nicht an Platzangst leiden. Der, der oben ruht (eigentlich: vorne sitzt), steuert das Ding [den Schlitten] durch Gewichtsverlagerung. [Der Standard, 15.02.2006]
Um besser zu sehen, stützten sich die hinteren auf die Schultern der Vordermänner und sprangen hoch oder rissen andere, die sich ebenfalls hochstemmten, nach hinten. [Schulze, Ingo: Neue Leben. Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 673]
Ich wartete in einer Reihe mit weiteren Fahrgästen, die nach Frankfurt wollten, und stieg zügig nach meinem Vordermann in den ersten Wagen der Bahn (erste Tür nach dem Führerhäuschen). [Frankfurter Rundschau, 05.08.1998]
Tasten Sie sich vorsichtig an Kreuzungen heran, vermeiden Sie jedes unnötige Bremsen: weit voraus schauen, gebührenden Abstand zum Vordermann halten und den Gegenverkehr beobachten sind unverzichtbare Maßnahmen bei glatter Fahrbahn. [Süddeutsche Zeitung, 11.11.1992]
übertragen An dieser Stelle kreuzen die Vögel ein weiteres Mal den Flug, in ihrem V nämlich nutzen alle den Auftrieb der Wirbelschleppe ihrer Vorderleute, ausgenommen eben den Vordervogel. [Süddeutsche Zeitung, 23.03.2017]
2.
salopp, übertragen
Grammatik: nur im Singular
Phraseme:
jmdn. auf Vordermann bringen (= jmdn. disziplinieren)
etw. auf Vordermann bringen (= eine Institution o. Ä. so reorganisieren, wiederherrichten dass sie effizienter wird)
Beispiele:
[Laurent] Wauquiez wird als Heilsbringer gefeiert. Er soll die marode Partei wieder auf Vordermann bringen. Der 42‑Jährige zählt zu den Nachwuchsstars der Konservativen. [Der Spiegel, 10.12.2017 (online)]
Er sei sich der Herausforderung bewusst, sein neues Team wieder »auf Vordermann zu bringen«. [Die Welt, 27.09.2016]
Bahnhöfe wurden neu gebaut, wie denn die Verkehrsinfrastruktur des ganzen Landes mit einem Hochgeschwindigkeitszugsnetz sowie mit modernsten Autobahnen auf Vordermann gebracht wurde. [Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2013]
Mit Windows 7 will Microsoft nach dem missglückten Vista sein Image auf Vordermann bringen. [Der Standard, 07.03.2009]
Und dann gibt es wieder so Tage, da denkt man sich »I’m too sexy für das Laufband« und will partout nicht das machen, was nötig wäre, um den übergewichtigen Körper weiter auf Vordermann zu bringen, sondern lieber alles andere[…]. [Bild am Sonntag, 21.08.2005]
Vergangenes Jahr erklärte der Bayerische Verfassungsgerichtshof gerade die Bestimmungen, mit denen Bayerns Schüler auf Trab und auf Vordermann gebracht werden sollen, für verfassungswidrig. [Der Spiegel, 13.04.1981]
3.
Ballspiel Defensivspieler, der vor dem Torwart steht (aus dessen Perspektive)
siehe auch Abwehrspieler, Verteidiger (1)
Beispiele:
Nach einem schlampigen Abwehrverhalten seiner Vorderleute konnte der Keeper den Schuss von Joelintin aus rund 18 Metern nicht abwehren. [Welt am Sonntag, 23.09.2018]
Brady warf Pässe, die zentimetergenau ankamen, die Vorderleute hatten ihn endlich adäquat abgeschirmt. [Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2017]
Luiz war nämlich am Ende doch der, der es war: nach einem Ballverlust seiner Vordermänner stand er eine Spur zu tief, um Javier Hernández ins Abseits zu stellen, beim anschließenden Klärungsversuch traf er den Ball nicht richtig. [Süddeutsche Zeitung, 10.05.2011]
Nürnbergs Torwart Schäfer klatschte den Ball ab, sein Vordermann Bartosz Bosacki wollte die Situation bereinigen, traf aber mit seinem Abwehrschlag Hamburgs Neuzugang Benjamin Lauth, und von dessen Bein prallte der Ball ins Nürnberger Tor. [Der Tagesspiegel, 29.08.2004]
4.
Person, die vor einer anderen an einer arbeitsteiligen Produktionsanlange steht oder sitzt
Beispiele:
Jeder macht nur wenige Arbeitsschritte, dann gibt er das Uhrwerk an den Vordermann weiter. [Die Welt, 14.04.2014]
Er erhält vom Vordermann Auskunft, gibt dann sein Wissen an den Nächstkommenden weiter. [Die Zeit, 26.04.1991]
Vom Zuschnitt bis zur Verpackung ist im Holzwerk jeder im Fluß der Produktion auf die Leistung des Vordermannes angewiesen. [Berliner Zeitung, 07.12.1981]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vorder · Vordergrund · Vordermann
vorder Adj. (heute nur mit Flexionsendung der vordere, ein vorderer) ‘vorn, am Anfang befindlich’ (meist im Kontrast zu etw. weiter hinten Befindlichem, daher mit komparativischem Sinn, s. ↗hinter1 Adj.), bis ins ältere Nhd. auch auf die Zeit übertragen ‘früher, vorherig’, ahd. ford(a)ro (9. Jh., daneben, besonders obd., mit zusätzlicher Komparativendung ahd. ford(a)rōro, 9. Jh., vgl. die Superlativform ahd. ford(a)rōsto, 8. Jh.), mhd. vorder ‘räumlich oder zeitlich vorausgehend, vornehmer, bedeutender, ansehnlich’, asächs. (substantiviert) forð(e)ro ‘Vorfahr’, mnd. vȫrder, vōrder ‘vorn, auf der rechten Seite befindlich, früher, vorhergehend’ sind wahrscheinlich unmittelbar an die bei ↗vor (s. d.) dargestellte (älter auch adverbiell gebrauchte) Präposition anzuschließen; in ihrem zweiten Wortteil ist dann das im Germ. nicht mehr produktive Komparationssuffix ie. -tero- zu sehen. Dagegen gehen die Adjektivbildungen asächs. furðiro ‘größer, vornehmer, rechts befindlich’, mnd. vȫrder, vürder ‘ferner, entfernter, weiter, künftig’ und aengl. furþra ‘weiter, entfernter, größer, höher’ wohl eher auf die Steigerungsform des unter ↗fort (s. d.) behandelten Adverbs zurück. In ältester Zeit ist die Substantivierung ahd. thie ford(a)ron (8. Jh.), mhd. frühnhd. die vorder(e)n, asächs. thea forð(e)ron (s. oben), mnd. de vȫrderen mit der Bedeutung ‘die Eltern, Ahnen, Vorfahren’ gebräuchlich; dazu ahd. thie altford(o)ron, mhd. frühnhd. die altvordern, seit dem 18. Jh. wieder aufgenommen (empfohlen von Campe 1807). Vordergrund m. ‘was sich in der Nähe des Betrachters, vorn in dessen Blickfeld befindet’ (häufig mit Bezug auf Bühne, Gemälde und Zeichnungen, 18. Jh.); übertragen in Wendungen wie etw. in den Vordergrund stellen ‘die Aufmerksamkeit auf etw. lenken’, in den Vordergrund treten ‘an Bedeutung gewinnen’, im Vordergrund stehen ‘besonders wichtig sein’ (alle 19. Jh.). Vordermann m. ‘wer sich in einer bestimmten Ordnung vor einem anderen befindet’, auch ‘wer in der Rangfolge vorausgeht’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Vordermann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vordermann‹.

Zitationshilfe
„Vordermann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vordermann>, abgerufen am 14.05.2021.

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