Vorhang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vorhang(e)s · Nominativ Plural: Vorhänge
WorttrennungVor-hang (computergeneriert)
Grundformvorhängen
Wortbildung mit ›Vorhang‹ als Erstglied: ↗Vorhangbogen  ·  mit ›Vorhang‹ als Letztglied: ↗Bettvorhang · ↗Duschvorhang · ↗Mullvorhang · ↗Seidenvorhang · ↗Spitzenvorhang · ↗Theatervorhang · ↗Tüllvorhang · ↗Wolkenvorhang
eWDG, 1977

Bedeutung

in einer oder mehreren Bahnen herabhängender Stoff, der eine Öffnung verschließt, eine Trennwand bildet und meist zur Seite oder nach oben gezogen werden kann
Beispiele:
an den Fenstern hängen einfarbige, bunte, geblümte, gemusterte Vorhänge
ein schwerer Vorhang vor der Tür hielt die Zugluft ab
eine Ecke, Hälfte des Zimmers war mit einem Vorhang abgetrennt
die Vorhänge aufziehen, zuziehen, zurückziehen, öffnen
einen Vorhang nähen, waschen, bügeln, abnehmen, aufstecken, in Falten legen, ausbessern
der Vorhang lässt die Sonne nicht durch
der Vorhang im Theater öffnet sich, geht in die Höhe, schließt sich, senkt sich, fällt
Theater der eiserne Vorhang (= feuersicherer Abschluß der Bühne gegen den Zuschauerraum)
beim Schlussapplaus traten die Künstler vor den Vorhang, hob sich der Vorhang immer wieder
umgangssprachlich nach der Premiere gab es, erzwang das Publikum viele Vorhänge (= mußten sich die Künstler dem beifallspendenden Publikum viele Male bei geöffneter Bühne zeigen)
bildlich
Beispiele:
über eine Begebenheit dichte Vorhänge ziehen (= sie zu verheimlichen suchen)
über diesem Kapitel seines Lebens war nun der Vorhang gefallen (= es war endgültig abgeschlossen)
Dann sah er den grauen Vorhang des Novemberregens [J. RothRechts und links59]
als riefe die See hinter dem dunklen Vorhang der Nacht [H. W. RichterSpuren317]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd. ↗henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gardine · Vorhang

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fall Fenster Teppich abtrennen aufgehen aufziehen durchsichtig eisern fallen fällen gefallen gerafft geschlossen golden heben herunterlassen hochgehen lüften niedergehen rot schwarz verdecken wegziehen wehend zerreißen zerrissen zugezogen zuziehen Öffnung öffnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorhang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hinter den aufgesetzten Fenstern sind direkt auf den Beton Vorhänge aufgemalt.
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2004
Das unauffälligste Möbel ist eigentlich das Bett, es verschwindet hinter einem dicken Vorhang aus rotem Samt.
Der Tagesspiegel, 30.05.2004
Heute abend um 8 Uhr 30 geht der Vorhang hoch.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 360
Was hilft denn den Sowjets eine Politik des Eisernen Vorhangs.
o. A.: Kurt Schumacher zum Deutschlandtreffen, 29.05.1950, S. 12
Man sah die Frau hinter einem Vorhang im Bett liegen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1924. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1924], S. 19
Zitationshilfe
„Vorhang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorhang>, abgerufen am 21.02.2019.

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