Vormund, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vormund(e)s · Nominativ Plural: Vormünder/Vormunde
Aussprache
WorttrennungVor-mund (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Vormund‹ als Erstglied: ↗Vormundschaft  ·  mit ›Vormund‹ als Letztglied: ↗Gegenvormund
eWDG, 1977

Bedeutung

jmd., der zum gesetzlichen Vertreter eines Minderjährigen, Entmündigten bestellt ist
Beispiele:
jmdm. einen Vormund geben
für jmdn. einen Vormund einsetzen
er wurde für die Kinder als Vormund berufen, zum, als Vormund bestellt
das Mädchen hat einen Vormund
übertragen
Beispiele:
wir brauchen keinen Vormund (= können selbständig entscheiden)
umgangssprachlich, abwertend er spielt sich als dein Vormund auf (= will dich bevormunden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund2 · mündig · entmündigen · Mündel · Vormund · Vormundschaft · bevormunden
Mund2 f. ‘Herrschafts- und Schutzgewalt über Personen und Sachen, Vormundschaft’, ahd. munt f. ‘Hand, Schutz’ (um 800), mhd. munt m. f. ‘Hand, Schutz, Bevormundung, Erlaubnis’, asächs. mund f. ‘Hand’, aengl. mund ‘Hand, Schutz, Vormund(schaft)’, anord. mund f. ‘Hand’ (germ. *mundō f.), anord. mundr m. ‘Brautgeschenk, Mitgift’ (germ. *munda- m.). Verwandt sind außergerm. lat. manus f. ‘Hand’ (wozu lat. mandāre ‘übergeben, anvertrauen, überlassen’), mir. montar, muinter ‘rechtmäßige Gattin’, griech. márē (μάρη) f. ‘Hand’, die als Reste eines alten r/n-Stammes ie. *mər (Genitiv *mənés) ‘schützend über jmdn. gehaltene Hand’ voraussetzen. Einer schwundstufigen Erweiterung ie. *mṇt- folgen die oben genannten germ. Formen. mündig Adj. ‘volljährig, erwachsen, zu Rechtshandlungen berechtigt’, mhd. mündec, (md.) mundic, eigentlich ‘fähig, sich selbst zu schützen und rechtlich zu vertreten’. entmündigen Vb. ‘für unmündig erklären, unter Vormundschaft stellen’ (19. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet Mündel n. m. f. ‘minderjährige oder entmündigte Person’, die gesetzlich der Sorge eines Vormunds unterstellt ist, spätmhd. (md.) mundelin, frühnhd. mundelein (15. Jh.), mnd. mündel, afries. mondele. Im 16. Jh. gilt Mündlin, Mündlein und Mündel; letzteres wird im 18. Jh. geläufig. Älter, aber nur bis ins 18. Jh. bezeugt, ist Mündlin m. ‘wer unter der Gewalt eines anderen steht, Schützling’, mhd. mundelinc. Vgl. (in Urkunden des 10./11. Jhs.) mlat. jamundilingus, das wohl als ein latinisiertes ahd. *(gi)mundiling angesehen werden kann. Vormund m. ‘Vertreter eines Minderjährigen, eines Entmündigten’, ahd. foramunto ‘Rechtsbeistand, Rechtsvertreter’ (10. Jh.), mhd. vormunde, vormünde, vormunt, vürmunt, mnd. vȫrmünde, vȫrmunt, mnl. vōremonde, zusammengesetzt mit ↗vor (s. d.). Die Bedeutungsentwicklung geht aus von ‘(schützend über jmdn. gehaltene) Hand’ zu ‘wer Schutzpflicht und Rechtsvertretung gegenüber einzelnen oder mehreren ausübt’ sowie ‘Rechtsvertreter von Ehefrau, Kindern’, dann ‘Rechtsvertreter und Vermögensverwalter von Minderjährigen und Entmündigten’ (seit 15. Jh.). Im 18. Jh. auch Fürmund, dem damaligen Sprachempfinden folgend an ↗für (s. d.) angeschlossen. Vormundschaft f. ‘amtlich verfügte Wahrnehmung der gesetzlichen Vertretung eines Minderjährigen, Entmündigten’, ahd. foramuntscaf ‘Verteidigung, Rechtsvertretung’ (10. Jh.), mhd. vormuntschaft. bevormunden Vb. ‘nicht selbständig entscheiden lassen, gängeln’ (16. Jh.), für älteres mhd. vormunden ‘beschirmen, schützen, bevormunden, Vormund sein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hirte · ↗Hüter · Vormund
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Bevollmächtigter · ↗Kurator · ↗Vertreter · ↗Verwalter · Vormund  ●  ↗Repräsentant  geh.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Betreuer · Sorgeberechtigter · Vormund · gesetzlicher Vertreter
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beistand Beschützer Bestellung Betreuer Braut Ehemann Einwilligung Elter Eltern Enkel Erzieher Geistliche Jugendamt Knabe Mündel Neffe Onkel Pfleger Vater amtlich aufspielen aufwerfen bestellen bestellt eingesetzt ernennen gesetzlich männlich selbsternannt verwalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vormund‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deine Mutter konnte das nicht, denn sie war ledig, und ledige Mütter bekamen einen Vormund für ihre Kinder.
Die Zeit, 26.12.2011 (online)
Einer Therapie müsse auch der Vormund des Kindes zustimmen, hieß es.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.1999
Bei dem Bilde meines Vormundes muß ich noch etwas verweilen.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 4379
Zur Vertretung des Kindes ist sie nicht berechtigt, aber diese fällt dem Vormund zu.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 28051
Die waren von seinem Vormund 1939 nicht in den Verkauf eingeschlossen worden.
o. A. [mh.]: Schloß Glienicke. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1989]
Zitationshilfe
„Vormund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vormund>, abgerufen am 19.05.2019.

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