Vornehmheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vornehmheit · Nominativ Plural: Vornehmheiten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungVor-nehm-heit
Wortzerlegungvornehm-heit
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
vornehme (Lesart 1 a u. c) Art; vornehmes Wesen
Beispiele:
Am bewegendsten aber ist immer die Schönheit in den Menschen gewesen, der ich überall, bei Reich und bei Arm, begegnet bin; diese Schönheit, die etwas ganz anders ist als Glamour oder Make-up, nämlich Charisma, Anstand, Ehrbarkeit, Edelmut des Geistes und Vornehmheit der Gesinnung. [Bild am Sonntag, 24.01.2010, Nr. 4]
Es gibt eine eigentümliche Diskrepanz zwischen der Verfallenheit des Lokals und der extremen Vornehmheit seines Personals. Die Kellner gehen mit geraden Schultern und gerecktem Kopf daher, die Arme eng am schwarzen Anzug. [Die Welt, 12.02.2014]
Ein Typus aber scheint so gut wie ausgestorben: der Herr, der noch in Diener- und Schurkenrollen ein Aristokrat bleibt, selbst im Schmutz noch Glanz lächelt, im Chaos die Contenance balanciert, dem Geschrei (der anderen) die leise Vornehmheit des distinguiert geschärften Argumentierens entgegenfunkeln läßt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2003]
Von einem dieser Butler wird berichtet, daß er seinem neuen Herrn im US-Staat Mississippi mit äußerster Gewissenhaftigkeit und unerschütterlicher Vornehmheit diente und daß dieser Herr dadurch selbst nicht unerheblich an Würde gewann. [Berliner Zeitung, 06.02.1966]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: aristokratische Vornehmheit
mit Genitivattribut: Vornehmheit der Gesinnung
in Koordination: Vornehmheit und Würde
2.
a)
vornehme (Lesart 1 d) Art; vornehmes Wesen
  von Personen, Familien o. Ä.Quelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Der 54-Jährige, den manche in seiner Partei den »linken Aristokraten« nennen wegen des Reichtums und der Vornehmheit seiner Familie […]. [Der Standard, 29.04.2015]
[…] Vornehmheit, gepaart mit Modebewusstsein, ist das, was die Frau des niederländischen Statthalters kennzeichnet. [Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2016]
Es war das Ungewöhnliche seiner sonst keineswegs ungewöhnlichen Erscheinung, sozusagen die Veredelung und Verfeinerung eines hierzulande üblichen Normaltypus, was ihn zugleich von diesem unterschied und der auffällig zur Schau getragenen, fast gelehrten Vornehmheit seines Wesens ein neues Element hinzufügte: eine Art von spanischer Grandezza[…]. [Die Zeit, 12.01.1990, Nr. 03]
scherzhaft Die Hoheiten liefern sich unter reger Anteilnahme der belustigten sächsischen Untertanen ein lautstarkes Gefecht um die Krone: Ihre Vornehmheiten (= Personen von hohem Stand) streiten wie die Kesselflicker. [Der Spiegel, 21.12.2002, Nr. 52] ungewöhnl. Pl.
b)
vornehme (Lesart 1 d) Art; vornehmes Wesen
  von Sachen oder UmständenQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Vielleicht hat aber auch die hanseatische Vornehmheit des Stadtbildes etwas damit zu tun, dass ich mich hier hin und wieder frage: Benehme ich mich eigentlich richtig? [Die Welt, 23.12.2016]
Von den versteckten Konflikten einer angespannten Gesellschaft ist eigentlich nur dort etwas zu spüren, wo vorsichtig am Status der reichen Vornehmheit gekratzt wird. [Süddeutsche Zeitung, 14.06.2016]
Natürlich spielt die Welt der Schönen und Reichen, die Fitzgerald[…] immer nur verbunden mit Charme und Vornehmheit interessierte, auch hier eine Rolle, doch »wesentlich gebrochener«. [Der Standard, 10.04.2016]
Die englische Kultur zeichnet sich durch eine gewisse Vornehmheit aus, welche natürlich die Einhaltung gewisser Regeln voraussetzt. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2015]
Er erhielt die Auszeichnung für sein Lebenswerk, da es ihm gelungen sei, das Haus »von der steifen, klischeehaften Vornehmheit eines Luxushotels zu befreien und erfolgreich in die Zukunft zu führen«. [Spiegel, 28.01.2014 (online)]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: echte, falsche Vornehmheit
3.
vornehme (Lesart 1 b) Art
Beispiele:
Das alte Parkett ist aufwendig gearbeitet, die Tapeten, die antiken Möbel und die großformatigen Ölgemälde – alles ist von edler Vornehmheit. [Die Zeit, 13.02.2014, Nr. 08]
Um die Pracht zu erhöhen und die Vornehmheit zu betonen, wurden Stoffe der Kleider bunt gefärbt mit Indigoblau, Purpurrot und anderen aus der Natur gewonnen Farben. [Süddeutsche Zeitung, 12.04.2016]
Die Beliebtheit dieses Stils liegt in der Einfachheit und Vornehmheit der Formen und Linien, in seinem Bewusstsein und teilweise auch in dem leichten Gefühl der Nostalgie, das er hervorruft, und natürlich in seinem Luxus. [Welt am Sonntag, 20.09.2015, Nr. 38]
Man spürt die Freude der Designer am Detail, feine Chromringe und -linien deuten Vornehmheit an, aber nicht zu aufdringlich, je nach Ausstattungslinie […] präsentiert sich die Mittelkonsole als ein Feld der Funktion oder als ein Land des Luxus. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2004]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: natürliche, schlichte, wahre Vornehmheit
in Koordination: Vornehmheit und Eleganz, Schönheit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

vornehm · Vornehmheit · vornehmlich
vornehm Adj. ‘sich durch Zurückhaltung und gutes Benehmen auszeichnend, Anstand, Würde zeigend, geschmackvoll, elegant’, mhd. vürnæme, (md.) vornæme, vornēme ‘vorzüglich, ausgezeichnet, vornehm’, nhd. auch fürnehm (bis ins 18. Jh.), gebildet mit der unter ↗für, ↗vor (s. d.) dargestellten Präposition zu dem unter ↗nehmen (s. d.) behandelten Verb (wie ↗angenehm, ↗genehm, s. d.), also eigentlich ‘aus einer Menge hervor-, herauszunehmen’, daher ‘hervorragend’ und ‘wichtig’, nhd. (verengt) häufig ‘von höherem Rang und Stand, von edler Herkunft, hoher gesellschaftlicher Stellung’, aber auch ‘hochherzig, anständig, nobel’. Beim Superlativ vornehmst (wie auch bei vornehmlich, s. unten) bleibt die ältere Bedeutung ‘sehr wichtig, vorrangig, hauptsächlich’ bewahrt. Vornehmheit f. ‘vornehme Art, vornehmes Wesen’ (18. Jh.), älter (vereinzelt) Fürnehmheit (Ende 15. Jh.). vornehmlich Adv. ‘vor allem, insbesondere, hauptsächlich’ (Anfang 17. Jh.), älter adjektivisch ‘sich anmaßend, vor anderen wichtig, von vornehmer Abstammung’ (15. Jh.). Daneben bis ins 18. Jh. auch fürnehmlich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dignität · ↗Distinktion · ↗Eleganz · ↗Erhabenheit · ↗Gefasstheit · ↗Grandezza · ↗Gravität · ↗Haltung · ↗Stolz · Vornehmheit · würdevolles Benehmen  ●  ↗Getragenheit  geh. · ↗Pathetik  geh. · ↗Weihe  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Charakter Eleganz Gesinnung Mangel Reichtum Schönheit Würde Zeichen ablegen aristokratisch ausstrahlen auszeichnen echt falsch gewiss inner natürlich ruhig schlicht still wahr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vornehmheit‹.

Zitationshilfe
„Vornehmheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vornehmheit>, abgerufen am 17.10.2019.

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