Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vorspiegelung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vorspiegelung · Nominativ Plural: Vorspiegelungen
Nebenform Vorspieglung · Substantiv · Genitiv Singular: Vorspieglung · Nominativ Plural: Vorspieglungen
Aussprache 
Worttrennung Vor-spie-ge-lung ● Vor-spieg-lung
Wortzerlegung vorspiegeln -ung
eWDG

Bedeutung

nicht der Wahrheit entsprechende Behauptung, Schilderung, Verhaltensweise, durch die jmd. getäuscht werden soll, Vortäuschung
Beispiele:
unter der Vorspiegelung einer wichtigen Verabredung reiste er plötzlich ab
das ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen
was sie zu sehen glaubte, waren nur Vorspiegelungen (= Trugbilder) ihrer Phantasie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spiegel · spiegeln · Spiegelung · vorspiegeln · Vorspiegelung · Spiegelbild · Spiegelei · Spiegelfechterei
Spiegel m. ‘glatte Fläche (aus Glas oder Metall), die Abbilder davor befindlicher Personen und Gegenstände zeigt’, ahd. spiagal (um 800), mhd. spiegel, mnd. spēgel, spigel, mnl. spieghel, nl. spiegel ist über vorauszusetzendes vlat. *spēglum entlehnt aus lat. speculum n. ‘Spiegel, Abbild’; zu lat. specere ‘sehen’. Das im Vlat. gelängte ē ergibt den Diphthong ahd. ia (s. auch Brief). Anord. spegill, schwed. spegel stammen aus dem Mnd. Unter Einfluß maskuliner Gerätebezeichnungen auf -el erhält Spiegel im Germ. maskulines Genus. spiegeln Vb. ‘wie ein Spiegel Lichtstrahlen zurückwerfen, Abbilder erzeugen, glänzen’, reflexiv ‘als Spiegelbild erscheinen’, mhd. spiegeln ‘wie ein Spiegel glänzen, hell machen wie einen Spiegel’; Spiegelung f. ‘das Spiegeln’, mhd. spiegelunge; auch ‘Spiegelbild’ (17. Jh.). vorspiegeln Vb. ‘(wie) in einem Spiegel sichtbar machen’ (16. Jh.), ‘vortäuschen’ (18. Jh.); Vorspiegelung f. ‘Vortäuschung, Blendwerk’ (18. Jh.). Spiegelbild n. ‘im Spiegel sichtbares (seitenverkehrtes) Bild’ (16. Jh.). Spiegelei n. in der Pfanne gebratenes Ei, im Unterschied zum Rührei mit unzerstörtem Dotter, geformt wie ein runder Handspiegel (18. Jh.); vgl. früher bezeugtes (doch seltenes) frz. œuf au miroir (1680). Landschaftlich auch Ochsenauge (s. d.). Spiegelfechterei f. ‘Scheinkampf, Heuchelei’ (17. Jh.), zuvor Spiegelfechten n. (um 1500). Zu verstehen als Schaugefecht mit glitzernden, spiegelnden, jedoch nicht treffenden Waffen? Oder eher als unwirkliches, nur vorgespiegeltes Gefecht?

Thesaurus

Synonymgruppe
Simulation · Simulierung · Vorspiegelung · Vorspielung · Vortäuschung
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vorspiegelung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Vorspiegelung‹ und ›Vorspieglung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vorspiegelung‹, ›Vorspieglung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es werde sich durch keinerlei Vorspiegelungen oder Drohungen daraus herauslocken lassen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]]
Wenn du mir sagst, daß ich recht hatte, bist du echt, andernfalls bist du eine Vorspiegelung des Bösen? [Die Zeit, 08.08.1986, Nr. 33]
Eine Vorspiegelung irdischen Vergnügens, womöglich obrigkeitlich empfohlen, kommt für die Polen offensichtlich nicht in Betracht. [Die Zeit, 20.10.1978, Nr. 43]
Zweck der Buchführungstricks war es, die Investoren an der Wall Street mit der Vorspiegelung eines stetigen Wachstums zufrieden zu stellen. [Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004]
Kurz darauf kam wieder ein falscher Leo Frankel, dem es durch raffinierte Vorspiegelungen gelang, uns abermals zu täuschen. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5098]
Zitationshilfe
„Vorspiegelung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorspiegelung>.

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