Vorsprung, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vorsprung(e)s · Nominativ Plural: Vorsprünge
Aussprache 
Worttrennung Vor-sprung
Wortzerlegung vor- Sprung
Wortbildung  mit ›Vorsprung‹ als Letztglied: Bergvorsprung · Felsenvorsprung · Felsvorsprung · Informationsvorsprung · Mauervorsprung · Planvorsprung · Punktevorsprung · Punktvorsprung · Ufervorsprung · Wettbewerbsvorsprung · Wissensvorsprung · Zeitvorsprung
eWDG

Bedeutungen

1.
vorspringender, herausragender Teil
Beispiele:
der Bergsteiger ruhte sich auf einem Vorsprung unterhalb des Gipfels aus
auf einem Vorsprung stehen
unter einem Vorsprung des Daches Schutz suchen
sie betrachteten die vielen Vorsprünge und Ornamente der gotischen Fassade
2.
räumlicher oder zeitlicher Vorteil gegenüber einem Verfolger, Konkurrenten, Abstand von einem Nachfolgenden
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
einen großen, beträchtlichen, nicht aufzuholenden, kleinen Vorsprung vor jmdm. haben
der Läufer N hatte eine Runde, dreißig Sekunden Vorsprung
er konnte seinen Vorsprung bis zum Ziel halten
einen Vorsprung gewinnen, erzielen, einbüßen, wieder verlieren
umgangssprachlicheinen Vorsprung herausholen
jmdm. zehn Schritte Vorsprung geben, sechs Stunden Vorsprung lassen
übertragen günstigere, überlegene Position, Vorteil
Beispiele:
die Mannschaft konnte ihren Vorsprung weiter ausbauen
diese Brigade gewann im Wettbewerb einen klaren Vorsprung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

springen · bespringen · beispringen · entspringen · überspringen · vorspringen · Vorsprung · Springer · Springbrunnen · Springflut · Springinsfeld
springen Vb. ‘durch einen Sprung vom Boden weg-, in die Höhe schnellen, bersten’. Das bis auf das Got. gemeingerm. bezeugte, stark flektierende Verb ahd. springan (8. Jh.), mhd. springen ‘springen, tanzen, eilend gehen, laufen, hervorquellen, wallen, wachsen’, asächs. springan, mnd. springen, mnl. springhen, nl. springen, afries. springa, aengl. springan, engl. to spring, anord. springa, auch ‘bersten’, schwed. springa (germ. *sprengan) läßt sich im Sinne von ‘hastig auffahren, hervorbrechen’ mit nichtnasaliertem aind. spṛhayati ‘eifert, verlangt eifrig’, griech. spérchesthai (σπέρχεσθαι) ‘einherstürmen, sich drängen, aufgebracht, leidenschaftlich bewegt sein’ vergleichen, so daß Anschluß an ie. *sperg̑h-, *spreg̑h-, nasaliert *spreng̑h- ‘sich hastig bewegen, eilen, springen’, eine Erweiterung der unter Sporn (s. d.) angeführten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’, möglich ist. bespringen Vb. ‘(von Rindern, Pferden u. ä.) auf ein weibliches Tier zur Begattung steigen’ (18. Jh.), mhd. bespringen ‘benetzen’. beispringen Vb. ‘helfen, beistehen’ (15. Jh.). entspringen Vb. ‘entlaufen, hervorspringen’, ahd. intspringan (8. Jh.), mhd. entspringen ‘wegspringen, entrinnen, hervorsprudeln, erwachen’. überspringen Vb. ‘springend über etw. hinwegsetzen, überholen, übergehen, unbeachtet lassen, auslassen’, ahd. ubarspringan (um 1000), mhd. überspringen. vorspringen Vb. ‘nach vorn springen, weit herausragen (aus einem zurückliegenden Ganzen)’, ahd. furispringan (10. Jh.), mhd. vorspringen ‘vor(aus)springen, anspringen, übertreffen’; Vorsprung m. ‘schnelle Bewegung nach vorn, räumlicher und zeitlicher Gewinn in Vorwärtsbewegung und Entwicklung gegenüber anderen, vorragender Teil an Bauwerken, Felsen’, mhd. vorsprunc. Springer m. ‘wer springt’, mhd. springer, auch ‘Tänzer, Gaukler’; Bezeichnung einer als Pferd dargestellten Schachfigur (17. Jh.). Springbrunnen m. ‘sprudelnde Quelle’, dann besonders ‘Fontäne’ (17. Jh.). Springflut f. ‘große Meeresflut’ (16. Jh.). Springinsfeld m. ‘junger, leichtfüßiger und unbekümmerter Mensch’ (17. Jh.), nd. ein springe ynt velt (16. Jh.), eigentlich springe in das Feld, imperativischer Satzname, anfänglich Bezeichnung für Soldaten und Landsknechte (Grimmelshausen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Vorsprung · vorstehender Teil  ●  Nase  ugs.
Synonymgruppe
Ecke · Kante · Spitze · Vorsprung · Zacke · Zinke · keilförmiges Stück
Synonymgruppe
(zeitlicher) Vorsprung · Zeitvorsprung · Zeitvorteil

Typische Verbindungen zu ›Vorsprung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorsprung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Vorsprung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diesen finanziellen Vorsprung hatte im Dorf niemand mehr aufholen können. [Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 419]
Sein vorwärtsdrängender Elan sicherte der Kirche einen weiten Vorsprung vor den staatlichen Kräften. [o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 8025]
Danach bringt sie schneller medizinische Erfolge als die stationäre Pflege, verliert diesen Vorsprung allerdings nach etwa zwei bis drei Jahren. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Doch über den Vorsprung, auf dem das Haus stand, führt jetzt eine Straße. [Die Zeit, 26.02.1998, Nr. 10]
Was also liegt näher, als draußen mit allen Mitteln den wirtschaftlichen Vorsprung zu gewinnen? [Die Zeit, 23.05.1997, Nr. 22]
Zitationshilfe
„Vorsprung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorsprung>.

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