Vorteil, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vorteil(e)s · Nominativ Plural: Vorteile
Aussprache  ['foːɐ̯taɪ̯l]
Worttrennung Vor-teil
Wortzerlegung  vor- Teil
Wortbildung  mit ›Vorteil‹ als Erstglied: Vorteilsnahme · vorteilhaft  ·  mit ›Vorteil‹ als Letztglied: Augenblicksvorteil · Effizienzvorteil · Größenvorteil · Hauptvorteil · Konkurrenzvorteil · Kostenvorteil · Platzvorteil · Steuervorteil · Verbundvorteil · Vermögensvorteil · Wettbewerbsvorteil · Zinsvorteil
 ·  formal verwandt mit: bevorteilen
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Nutzen, günstige, positive BegleiterscheinungWDG
Gegenwort zu Nachteil
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein geldwerter, steuerlicher, materieller, finanzieller, wirtschaftlicher, ökonomischer Vorteil; ein unschätzbarer, wesentlicher, enormer Vorteil; handfeste, unbestreitbare Vorteile
als Akkusativobjekt: etw., jmdm., sich Vorteile versprechen, verschaffen, gewähren; sich Vorteile erhoffen; Vorteile bieten, versprechen, bringen, besitzen, bergen; Vorteile erkennen, sehen; Vorteile ziehen [aus etw.], genießen, nutzen, ausnutzen
in Präpositionalgruppe/-objekt: zum Vorteil gereichen; auf jmds. Vorteil bedacht sein
Beispiele:
diese Neuerung bietet einige Vorteile, erweist sich als großer VorteilWDG
er tut das um des eigenen Vorteils willen, ist sehr auf seinen Vorteil bedachtWDG
etw. ist für jmdn. von Vorteil, geschieht zu jmds. VorteilWDG
sie hat sich zu ihrem Vorteil (= vorteilhaft) verändert, entwickeltWDG
»Staaten haben keine Freunde, nur Interessen.« […] Mag sein, dass freundschaftliche Gefühle zwischen Nationen und Regierungen rasch an Grenzen stoßen, wenn es darum geht, sich gegenüber dem anderen kurzfristige politische oder wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. [Die Welt, 18.12.2017]
Gegenüber Elektro‑ bieten Erdgasautos den Vorteil, nicht stundenlang geladen werden zu müssen. [Süddeutsche Zeitung, 13.09.2017]
Die Menschen wollen keinen »Kraken« EU, sondern einen Bund unabhängiger Staaten, die auf gewissen Gebieten gedeihlich und zum gegenseitigen Vorteil zusammenarbeiten. [Süddeutsche Zeitung, 09.06.2016]
Studieren oder lieber eine Ausbildung machen? […] Akademiker haben langfristig bessere Karrierechancen. Aber eine Ausbildung bei einem Unternehmen bietet auch handfeste Vorteile: Praxisnähe, früher ein festes Einkommen und meist gute Aussichten auf den ersten Job. [Süddeutsche Zeitung, 27.02.2008]
Reformen wie diese sind unbedingt erforderlich, und sie werden uns mit Sicherheit nicht schaden, sondern – im Gegenteil – zum Vorteil gereichen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1999]]
Der Übergang von der Umajjadendynastie zu den Abbasiden stürzte den Vorderen Orient und Nordafrika in Bürgerkriegswirren, aus denen Byzanz seinen Vorteil zog. [Rubin, Berthold: Byzanz. In: Propyläen Weltgeschichte. Bd. 5. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7099]
2.
(für eine oder mehrere der beteiligten Seiten) günstige Situation
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
den eigenen Vorteil erkennen, wahren, suchen, im Auge habenWDG
jmdm. gegenüber im Vorteil (= begünstigt) seinWDG
In Pandemiezeiten ist der Minimalist eindeutig im Vorteil, weil er bei unsicherem Infektionsgeschehen einfach mit dem Zelt auf dem Buckel Richtung Polen wandert – oder im Falle eines überraschenden Lockdowns zum Balkonurlauber wird. [Süddeutsche Zeitung, 11.03.2021]
Als Bewerber ist man bei Unternehmen mit Schwerpunkt auf Ökologie und Nachhaltigkeit im Vorteil, wenn man sich in der Gesellschaft engagiert. [Die Zeit, 10.07.2017 (online)]
Durch den Trump‑Triumph in den USA sehen sich die Staats‑ und Regierungschefs der Visegrád‑Gruppe […] im Gefüge der EU nun im Vorteil. [Die Zeit, 06.02.2017 (online)]
Beim 5:4 (16.) lag die deutsche Mannschaft […] erstmals vorn, verspielte den Vorteil aber und geriet mit 6:8 (21.) in Rückstand. [Der Spiegel, 04.04.2014 (online)]
In der zweiten Hälfte hatten sich die Gastgeberinnen in Potsdam vor 2.260 Zuschauern – unter ihnen auch der Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck – leichte Vorteile erkämpft. [Die Zeit, 03.03.2013 (online)]
Es mag ja sein, dass bei offenem Streit in einer Großen Koalition die Kanzlerpartei im Vorteil ist, weil sie es leichter hat, die andere Partei der Nörgelei zu zeihen. [Süddeutsche Zeitung, 07.07.2007]
a)
spezieller, Fußball Verzicht auf die Ahndung eines Regelverstoßes in der Erwartung, dass dies für die Mannschaft, gegen die der Regelverstoß gerichtet war, im Vergleich zu einer Spielunterbrechung eine günstigere Spielsituation ergibt
Beispiele:
Bei grobem Foulspiel, einer Tätlichkeit oder einem zweiten verwarnungswürdigen Vergehen sollte nicht auf »Vorteil« entschieden werden, es sei denn, es ergibt sich eine klare Torchance. […] In dem seltenen Fall, dass der Schiedsrichter bei einem feldverweiswürdigen Vergehen auf »Vorteil« entscheidet (nur wenn sich in unmittelbarer Folge eine klare Torchance ergibt) und der fehlbare Spieler anschließend in das Spiel eingreift, muss das Spiel unterbrochen werden, da es unfair wäre, wenn dieser Spieler ein Tor schießen, zu einem Tor beitragen oder den Gegner an einem Tor hindern würde. [Diese Fußball-Regeln ändern sich zur neuen Saison, 04.07.2016, aufgerufen am 17.03.2021]
Wenn der Schiedsrichter bei einem verwarnungs‑/feldverweiswürdigen Vergehen auf Vorteil entscheidet, muss die fällige Verwarnung/der fällige Feldverweis bei der nächsten Spielunterbrechung ausgesprochen werden. [CE85 – Fallmuster, 15.11.2016, aufgerufen am 17.03.2021]
Falls […] nicht klar auf Vorteil entschieden werden kann, sollte das Spiel unterbrochen und der Spieler sofort verwarnt werden. [Das Regelwerk: Zwischen Theorie und Praxis, 26.02.2012, aufgerufen am 17.03.2021]
Neulich habe ich zufällig ein Premier‑League‑Spiel gesehen, in dem sich der Schiedsrichter umgehend entschuldigt hat, nachdem er ein Foul gepfiffen hatte, obwohl er besser den Vorteil hätte laufen lassen. [Schiri, »Telefon« Blog!, 01.03.2008, aufgerufen am 17.03.2021]
metonymischLeider wartete der Schiedsrichter den Vorteil nicht ab und pfiff Freistoß und rot für die […] Abwehrspielerin. [U17: TuS Issel : FFC 1:0 (1:0), 13.12.2011, aufgerufen am 17.03.2021]
b)
spezieller, Tennis Konstellation, in der einem Spieler nach Gleichstand einen Punkt erzielt, sodass ihm noch ein Punkt fehlt, um den Satz (7) für sich zu entscheiden
Beispiele:
Vorteil besagt, dass nach dem Gleichstand (»Einstand«) ein Spieler erneut einen Punkt gemacht hat und nur noch einen weiteren braucht, um ein Spiel eines Satzes für sich zu entscheiden: »Vorteil Spieler X«. […] Der Terminus Vorteil ist die Übersetzung des englischen Wortes advantage, das wiederum vom französischen avantage (avant = vor, vorher) kommt. [Frankfurter Rundschau, 06.11.2000]
Um die Spieldauer zu verkürzen, wurden vier Änderungen vorgenommen: Sätze nur auf vier gewonnene Games, verkürztes Tie‑Break (auf 5) beim Stand von 3:3, kein »Vorteil« nach 40:40 (wer den Punkt macht, gewinnt das Game) und ein Service, der via Netzkante ins Aufschlagfeld fliegt, wird nicht wiederholt. Die Änderungen wurden bereits bei australischen Klubmeisterschaften getestet und führten zu einer Halbierung der Spielzeit. [Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2015]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Teil · teilen · Teilung · teilbar · abteilen · Abteilung · erteilen · mitteilen · Mitteilung · verteilen · teilhaftig · teils · Anteil · Anteilnahme · Gegenteil · gegenteilig · Nachteil · nachteilig · benachteiligen · Vorteil · übervorteilen · teilhaben · Teilhaber · teilnehmen · Teilnahme
Teil m. n. ‘Stück eines Ganzen, Einzelheit, Anteil’, ahd. (8. Jh.), mhd. teil m. n., asächs. dēl m., mnd. dēl m. n., mnl. nl. deel n., aengl. dǣl m., engl. deal, got. dails f. sowie ahd. teila f. ‘Teilung’ (9. Jh.), mhd. teile f. ‘Teilung, Zugeteiltes’, anord. deila f. ‘Teilung, Zwiespalt, Streit’, got. daila f. ‘Teilnahme’ (germ. *dail- mit unterschiedlicher Stammbildung) und aslaw. dělъ ‘Teil’, russ. (älter) del (дел) ‘Teilung’ sind Bildungen mit l-Suffix, die mit lit. dailýti ‘teilen’ zusammenstimmen. Weitere Verknüpfungen bleiben unsicher. Zu einer Wurzel ie. *dā(i)-, *dī̌- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’? Oder stammt der germ.-baltoslaw. Ausdruck aus einer Substratsprache? teilen Vb. ‘ein Ganzes in Einzelstücke zerlegen’, ahd. teilen, teilōn (8. Jh.), mhd. teilen, asächs. dēlian, mnd. mnl. dēlen, deilen, nl. delen, aengl. dǣlan, engl. to deal, anord. deila, got. dailjan, Bildung zum Substantiv; dazu Teilung f. ahd. teilunga (um 900), mhd. teilunge, und teilbar Adj. ‘so beschaffen, daß man es teilen kann’ (15. Jh.). abteilen Vb. ‘einteilen, trennen, absondern’, mhd. abeteilen ‘(gerichtlich) aberkennen, vermögensrechtlich abfinden, einen Teil von einem Ganzen trennen’; vgl. got. afdailjan ‘ein Zehntel abgeben’. Abteilung f. ‘Abtrennung, Loslösung, Abschnitt, Teil eines Ganzen’, (militärisch) ‘Gliederungseinheit der Truppe’, auch ‘Bereich der Verwaltung und Arbeitsorganisation’ (18. Jh.), mhd. abeteilunge ‘Abtrennung, Loslösung’, frühnhd. ‘Erbteilung’ (16. Jh.), auch ‘Eisenbahnabteil’ (2. Hälfte 19. Jh.), s. Abteil. erteilen Vb. ‘(auf Grund einer Verfügungsgewalt eine Aufgabe, eine Berechtigung) zuteil werden lassen’, ahd. irteilen ‘Recht zuteilen, ein Urteil aussprechen, einen Rat, Befehl geben’ (8. Jh.), mhd. erteilen ‘ein Urteil sprechen, richten, verurteilen, als Urteil zuerkennen, teilen’. Dazu Urteil, s. d. mitteilen Vb. ‘etw. wissen lassen, benachrichtigen, anvertrauen’, mhd. miteteilen ‘Rat geben, etw. mit jmdm. teilen, jmdm. zukommen lassen, übergeben’; Mitteilung f. ‘Nachricht, Meldung, Benachrichtigung, Bekanntgabe’ (16. Jh.). verteilen Vb. ‘(ein Ganzes in einzelnen Stücken) ausgeben’, ahd. firteilen ‘des Anteils berauben, verurteilen’ (10. Jh.), mhd. verteilen ‘ver-, zerteilen, bei einer Teilung übergehen, enterben, den Anteil absprechen, eines Anteils berauben, durch Urteil absprechen, verurteilen, verdammen, verfluchen, verwünschen’. teilhaftig Adj. ‘Anteil habend’, mhd. teilhaftic, teilheftic. teils Adv. ‘teilweise, zum Teil’ (17. Jh.), aus der genitivischen Fügung mhd. eines teiles, frühnhd. (eines) theils ‘zum Teil, einige’, wohl entstanden aus Verbindungen, in denen Teil als Ergänzung zum Verb auftritt. Anteil m. ‘zustehender, zufallender Teil, innere Anteilnahme, Beteiligung’, mhd. anteil; die übertragene Bedeutung ‘Mitgefühl’, besonders in der Wendung Anteil nehmen, entsteht im 18. Jh.; dazu Anteilnahme f. ‘(innere) Beteiligung, Mitgefühl’ (19. Jh.). Gegenteil n. ‘den Gegensatz zu etw. anderem Darstellendes’, mhd. gegenteil ‘Gegenpartei im Rechtsstreit’; im heutigen verallgemeinerten Sinne seit dem 16. Jh.; gegenteilig Adj. (16. Jh.). Nachteil m. ‘Umstände, die jmdn. beeinträchtigen, jmdm. schaden’ (15. Jh.), als Gegenwort zu älterem Vorteil, s. unten; nachteilig Adj. (15. Jh.).; benachteiligen Vb. ‘zurücksetzen, nicht das gleiche zugestehen’ (16. Jh.). Vorteil m. ‘günstiger Umstand, Gewinn, Nutzen’, ahd. forateila f. ‘Belohnung, Zuteilung’ (8. Jh.), mhd. vorteil m. n. ‘Teil voraus, Vorausempfang, Vorrecht’, mnd. vordēl n.; übervorteilen Vb. ‘Vorteil über jmdn. erringen, überlisten, betrügen’ (15. Jh.). teilhaben Vb. ‘beteiligt sein, teilnehmen’, ahd. teil habēn (8. Jh.), mhd. teil haben; Teilhaber m. ‘Mitberechtigter an Eigentum, besonders Geschäftseigentum’ (Anfang 18. Jh.), Kompagnon verdrängend. teilnehmen Vb. ‘sich beteiligen, mitmachen, mitempfinden, mitfühlen’, ahd. teil neman (8. Jh.), mhd. teil nemen; Teilnahme f. ‘Beteiligung, das Beteiligtsein, Mitgefühl’ (18. Jh.), älter Teilnehmung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewinn · Nutzeffekt · Nutzen · Plus · Pluspunkt · Vorteil · Vorzug · positiver Aspekt  ●  Benefit  fachspr.
Assoziationen
Antonyme
  • Vorteil · Vorteil · Vorteil
Synonymgruppe
Trumpf · Vorteil · Vorzug  ●  (unsere) Wunderwaffe  ugs., scherzhaft, fig. · Ass im Ärmel  ugs., fig.
Antonyme
  • Vorteil
Synonymgruppe
Gunst · Privileg · Vergünstigung · Vorteil · Vorzug
Antonyme
  • Vorteil

Typische Verbindungen zu ›Vorteil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorteil‹.

Zitationshilfe
„Vorteil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorteil>, abgerufen am 24.07.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Vorteig
Vortäuschung
vortäuschen
vortasten
Vortänzer
vorteilhaft
vorteilhafterweise
Vorteilhaftigkeit
Vorteilsannahme
Vorteilsgewährung