Vortrag, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vortrag(e)s · Nominativ Plural: Vorträge
Aussprache
WorttrennungVor-trag
Wortbildung mit ›Vortrag‹ als Erstglied: ↗Vortragsabend · ↗Vortragsfolge · ↗Vortragskunst · ↗Vortragskünstler · ↗Vortragspult · ↗Vortragsraum · ↗Vortragsreihe · ↗Vortragsreise · ↗Vortragssaal · ↗Vortragsstück · ↗Vortragstätigkeit · ↗Vortragsweise · ↗Vortragszyklus
 ·  mit ›Vortrag‹ als Letztglied: ↗Diavortrag · ↗Einführungsvortrag · ↗Eröffnungsvortrag · ↗Fachvortrag · ↗Festvortrag · ↗Impulsvortrag · ↗Kurzvortrag · ↗Lichtbildervortrag · ↗Schallplattenvortrag · ↗Schlussvortrag · ↗Solovortrag · ↗Tonbandvortrag
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mündlich vorgetragene Ausführungen, Rede über ein bestimmtes (wissenschaftliches) Thema
Beispiele:
ein langer, interessanter, ausgezeichneter Vortrag
öffentliche, populärwissenschaftliche, geografische Vorträge
einen Vortrag halten, ankündigen, absagen, ausarbeiten
einen Vortrag (über Dante, Fragen der Ethik) hören, besuchen
der Referent las den Vortrag ab, hielt den Vortrag frei
der Vortrag beginnt (um) 20 Uhr, findet in der Aula statt
sein Vortrag hat viel Beifall gefunden
2.
das Vortragen, die öffentliche Darbietung eines sprachlichen, musikalischen Kunstwerkes
Beispiele:
der Vortrag eines Gedichts, Musikstücks eröffnete den Abend
papierdeutsch Verse, ein Lied zum Vortrag bringen (= vortragen)
Art und Weise, wie ein Kunstwerk, eine sportliche Leistung dargeboten wird
Beispiele:
jmds. Vortrag hat Mängel, ist gekünstelt
die Pianistin hat einen guten, klaren, ausdrucksvollen Vortrag
der sichere, geschickt aufgebaute Vortrag der Eiskunstläuferin
der Vortrag [die Darstellungsweise Dürers] ist breit und tonig geworden [WölfflinDürer10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tragen · Trage · Träger · tragbar · untragbar · abtragen · Abtrag · abträglich · antragen · Antrag · beantragen · auftragen · Auftrag · beauftragen · Beauftragter · betragen · Betrag · eintragen · Eintrag · ertragen · Ertrag · erträglich · unerträglich · vertragen · verträglich · Vertrag · vertraglich · vortragen · Vortrag · zutragen · Zuträger · zuträglich
tragen Vb. ‘eine Last halten und fortbewegen, mit etw. bekleidet sein, Früchte, Ertrag hervorbringen’, ahd. tragan (8. Jh.), mhd. tragen, asächs. dragan, mnd. drāgen, mnl. drāghen, nl. dragen, got. dragan ‘tragen’, semantisch abweichend aengl. dragan ‘ziehen, schleppen, in die Länge ziehen, gehen’, engl. to draw ‘ziehen’, anord. draga ‘ziehen, locken, fahren, Atem holen’, schwed. dra(ga) ‘ziehen’ (germ. *dragan). Außergerm. Anknüpfungen sind nicht gesichert. Aus dem Germ. zu erschließendem ie. *dherāgh-, *dhrā̌gh- ‘ziehen, am Boden schleifen’ stehen nahe ie. *trāgh- ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’, wozu lat. trahere (tractum) ‘ziehen, schleppen’, sowie ie. *dereg-, wozu ↗trecken (s. d.), und ie. *dhreg̑- ‘ziehen, dahinziehen, gleiten, streifen’, wozu aind. dhrájati ‘gleitet dahin, bewegt sich, fliegt’ und (zweifelhaft) ↗trinken (s. d.); Anschluß dieser Varianten an Wurzeln wie ie. *der(ə)- ‘schinden, (ab)spalten’ (s. ↗trennen, ↗zerren) oder ie. *dher(ə)- ‘halten, festhalten, stützen’ ist möglich. Ausgangsbedeutung für tragen scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt. Trage f. ‘Gestell zum Tragen von Kranken, Lasten, Tragkorb’ (um 1400). Träger m. ‘wer Lasten trägt’, ahd. tragāri (8. Jh.), mhd. trager, treger, seit dem 14. Jh. mit Umlaut. tragbar Adj. ‘erträglich’, mhd. tragebære, ‘zu tragen, transportierbar, (von Kleidern) gut, bequem zu tragen, kleidsam, finanziell erschwinglich’ (18. Jh.), älter ‘trächtig, fruchtbar, gut tragend’ (17. bis 19. Jh.); untragbar Adj. ‘wirtschaftlich, finanziell nicht zumutbar, unerträglich’ (18. Jh.), älter ‘nicht tragend, unfruchtbar’ (16. bis 19. Jh.). abtragen Vb. ‘etw. wegschaffen, beseitigen, einebnen, niederreißen, (Kleidungsstücke) durch Tragen abnutzen, nach und nach bezahlen’, mhd. abetragen; davon rückgebildet Abtrag m. ‘Beeinträchtigung, Minderung, Abzahlung, Wiedergutmachung’, mhd. abetrac ‘Wegnahme, Betrug, Buße, Entschädigung’; abträglich Adj. ‘schädlich, nachteilig’ (Anfang 16. Jh.), mhd. (vereinzelt) abetragelich ‘entschädigend’. antragen Vb. ‘anbieten, vorschlagen’, ahd. anatragan (9. Jh.), mhd. anetragen ‘herantragen, an sich tragen, führen, anstellen, anstiften’; Antrag m. ‘Gesuch, schriftlich vorgebrachte Bitte, förmlicher Vorschlag, Heiratsantrag’, mhd. antrac ‘Anschlag’, rückgebildet aus dem Verb antragen im Sinne von ‘anstiften’; beantragen Vb. ‘einen Antrag stellen, um etw. ersuchen, vorschlagen’ (19. Jh.). auftragen Vb. ‘Speisen auf den Tisch tragen, servieren, aufstreichen, übertreiben, jmdn. verpflichten, etw. zu tun, Kleidungsstücke bis zur Abnutzung tragen, aufbauschen’, mhd. ūftragen ‘in die Höhe streben, reichen’, reflexiv ‘sich erheben, darlegen, opfern’; Auftrag m. ‘(An)weisung, Aufgabe, Verpflichtung’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Verb; davon abgeleitet beauftragen Vb. ‘jmdm. einen Auftrag erteilen’ und Beauftragter m. ‘wer einen Auftrag auszuführen hat’ (beide Ende 18. Jh.). betragen Vb. ‘eine bestimmte Summe, Höhe, ein bestimmtes Maß erreichen, ausmachen’ (17. Jh.), reflexiv ‘sich benehmen, sich aufführen, sich verhalten’ (18. Jh.), mhd. betragen ‘tragen, bringen, ertragen, aussöhnen, beilegen’, reflexiv ‘sich nähren, sich behelfen, sich begnügen, sich befassen, sich abgeben mit’; Betrag m. ‘bestimmte Menge, Geldsumme’ (18. Jh.); vgl. mhd. betrac ‘Vertrag, Vergleich, Erwägung, Sorge’. eintragen Vb. ‘an einen Ort tragen, an einer bestimmten Stelle zusammentragen’, sodann ‘Ertrag, Gewinn bringen, abwerfen’ (16. Jh.), ‘ein-, hineinschreiben, vermerken’ (17. Jh.), ahd. intragan ‘hineintragen’ (9. Jh.), mhd. īntragen, auch ‘einbringen, nutzen’; zu eintragen im Sinne von ‘hineinschreiben’ ist rückgebildet Eintrag m. ‘schriftlicher Vermerk, an bestimmter Stelle eingetragene Bemerkung, (Akten)notiz’ (17. Jh.); vgl. mhd. īntrac ‘Schaden, Nachteil, Einwand, Einrede’, dazu die Wendung einer Sache Eintrag tun ‘sie beeinträchtigen, ihr abträglich sein, sie schädigen’, mhd. īntrac tuon. ertragen Vb. ‘Unangenehmes hinnehmen, ohne sich aufzulehnen, erdulden’, mhd. ertragen ‘vertragen, ertragen’, im 16. Jh. in der heute veralteten Bedeutung ‘einbringen, Nutzen abwerfen’; dazu rückgebildet Ertrag m. ‘bestimmte Menge erzeugter Güter (besonders in der Landwirtschaft), Ausbeute, finanzieller Gewinn’ (16. Jh.); erträglich Adj. ‘so beschaffen, daß es sich ertragen läßt’, unerträglich Adj. (beide 16. Jh.). vertragen Vb. ‘(körperlich, psychisch) ohne Schaden aushalten’, reflexiv ‘gut zusammenpassen, miteinander auskommen’, ahd. firtragan (8. Jh.), mhd. vertragen ‘wegtragen, verleiten, ertragen, erdulden, sich gefallen lassen, verschonen, aussöhnen, einen Vertrag schließen’; verträglich Adj. ‘umgänglich, friedlich, bekömmlich’, mhd. vertregelich, vertragelich, eigentlich ‘erträglich’, vgl. ahd. unfirtragantlīh ‘unerträglich’ (11. Jh.), mhd. und frühnhd. vereinzelt noch vertragenlich. Vertrag m. ‘rechtsgültige Vereinbarung, Abmachung zwischen zwei oder mehreren Partnern, Kontrakt’, mhd. vertrac ‘Vereinbarung, Verträglichkeit, Dauer, Gewinn’; vertraglich Adj. ‘durch Vertrag festgelegt, gemäß dem Vertrag’ (Ende 19. Jh.), zuerst Adverb. vortragen Vb. ‘nach vorn tragen, (zum Essen) vorsetzen’, ahd. furitragan, mhd. vür-, vortragen, mnd. vordragen, -dregen, ‘in Worten vorbringen, darlegen’ (14. Jh.). Vortrag m. ‘mündliche Darlegung, Rede’ (um 1500). zutragen Vb. ‘etw. zu jmdm. hinbringen, (heimlich) hinterbringen, mitteilen’, reflexiv ‘sich ereignen, geschehen’ (15. Jh.), ahd. zuotragan ‘herbeibringen’ (um 1000); Zuträger m. ‘wer anderen (heimlich) Nachrichten zuträgt’ (15. Jh.); zuträglich Adj. ‘die Gesundheit fördernd, bekömmlich, förderlich, nützlich’ (16. Jh.), zum Verb zutragen in der veralteten Bedeutung ‘nützen’ bzw. zum heute unüblichen Substantiv Zutrag ‘Nutzen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Rede · ↗Referat · Vortrag
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Vorlesung · Vortrag
Synonymgruppe
Ansprache · ↗Monolog · ↗Rede · Vortrag
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Rede halten · Rede vortragen · Vortrag halten
Ökonomie
Synonymgruppe
Vortrag · ↗Übertrag

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aussatz Ausstellung Dia Diskussion Exkursion Filmvorführung Führung Konzert Lesung Lichtbild Musikbeispiel Podiumsdiskussion Rahmen Seminar Service-Zentrum Symposium Tagung Thema Titel Veranstaltung Volkshochschule Vorlesung Workshop anhören einladen gehalten halten lauschen mündlich wissenschaftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vortrag‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tatsächlich halten beide einen kleinen Vortrag, und die höchst wohlerzogenen Studenten stellen höchst vernünftige Fragen.
Die Zeit, 22.05.2012, Nr. 20
Nach ihrem Vortrag wurde deutlich, dass auch ohne Geld viel getan werden kann.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2004
Er hielt einen mehr als langweiligen Vortrag über die »Gaue in Österreich«.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 85
Fast noch wichtiger als der Inhalt der Rede ist die Art des Vortrags.
Commer, Heinrich: Managerknigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1985], S. 8976
Jan sagte mir nach dem Vortrag, diese Art des Sprechens sterbe bei uns mit mir aus.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1957. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1957], S. 990
Zitationshilfe
„Vortrag“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vortrag>, abgerufen am 23.07.2019.

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