Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vorwitz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vorwitzes · wird nur im Singular verwendet
Worttrennung Vor-witz (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Vorwitz‹ als Erstglied: vorwitzig
eWDG

Bedeutung

vorlautes Wesen, das sich in unangemessener Neugier, keckem Besserwissen äußert
Beispiele:
er tadelt den Vorwitz des Kindes
sein Vorwitz treibt ihn dazu, kann ihm verhängsnisvoll werden
er nannte den Mount Everest, der dem Vorwitz des Menschen bis dato eisige Ablehnung entgegengesetzt habe [ Th. MannZauberb.2,983]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vorwitz · vorwitzig
Vorwitz m. ‘Wißbegierde, Neugier, Übermut, Leichtsinn’, ahd. firiwizzi n. ‘Wunder, Erstaunliches, Erscheinung, Wißbegierde, Neugier’ (9. Jh.), mhd. virwiz n. m., virwitze f. ‘Wißbegierde, Neugier, Vorliebe’, asächs. firiwit n. und ahd. furiwizzi n. ‘Neugier’ (um 1000), mhd. vürwiz m., vürwitze f. ‘Wißbegierde, Neugier, Vorliebe’, nhd. Fürwitz (bis 19. Jh.), Vorwitz (seit 15. Jh.), mnd. vȫrwitte n., mnl. veurwitte, aengl. fyrwit n.; vgl. auch anord. forvitni f. ‘Wißbegierde, Neugier, Verlangen’. Gebildet zu einem zur Wurzel von wissen (s. d.) gehörigen, in got. faírweitjan ‘gespannt blicken auf’ belegten germ. Verb, also zunächst mit der Partikel ahd. firi-, got. faír- ‘hinüber, hindurch’, abgelöst von ahd. furi- (s. für); zum Grundwort s. Witz. Vgl. noch ahd. firiwizgern Adj. (10. Jh.), furiwizgern Adj. (um 1000) ‘wißbegierig, vorwitzig’ sowie firiwizgernī f. (9. Jh.), furiwizgernī f. (11./12. Jh.) ‘unziemliche, vermessene Neugier’. – vorwitzig Adj. ‘neugierig, erlebnishungrig, vermessen, vorlaut’, ahd. firiwizzīg ‘wißbegierig, neugierig’ (9. Jh.), mhd. vir-, vürwitzec, nhd. fürwitzig, vorwitzig (s. oben), mnd. vȫrwittich.

Verwendungsbeispiele für ›Vorwitz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier ist Vorwitz so wenig am Platze wie ängstliches Verschweigen von Gottes Wort. [Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7536]
Aber sie in Form irgendeines bestimmten kategorialen Postulats vorwegzunehmen, ist Vorwitz. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 161]
Der kleine, charmante Vorwitz hing an meinem Arm, zu Hause war nichts zu holen, so ging ich auf dem Fleck mit. [Wohlmuth, Alois: Ein Schauspielerleben, Ungeschminkte Selbstschilderungen von Alois Wohlmuth. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 1318]
Gegenüber ihrem tyrannischen Herrn Osmin ist sie von keckem Vorwitz und selbstbewußter Freiheit. [Der Tagesspiegel, 28.07.1998]
Er konterte Vorwitz mit Witz, Argument mit besseren Argumenten, er war ein so geschliffener, gedanklich scharfer Formulierer, dass er mühelos überzeugen, ja verführen konnte. [Der Tagesspiegel, 18.07.2003]
Zitationshilfe
„Vorwitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorwitz>.

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