Vorwitz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vorwitzes · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungVor-witz (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Vorwitz‹ als Erstglied: ↗vorwitzig
eWDG, 1977

Bedeutung

vorlautes Wesen, das sich in unangemessener Neugier, keckem Besserwissen äußert
Beispiele:
er tadelt den Vorwitz des Kindes
sein Vorwitz treibt ihn dazu, kann ihm verhängsnisvoll werden
er nannte den Mount Everest, der dem Vorwitz des Menschen bis dato eisige Ablehnung entgegengesetzt habe [Th. MannZauberb.2,983]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vorwitz · vorwitzig
Vorwitz m. ‘Wißbegierde, Neugier, Übermut, Leichtsinn’, ahd. firiwizzi n. ‘Wunder, Erstaunliches, Erscheinung, Wißbegierde, Neugier’ (9. Jh.), mhd. virwiz n. m., virwitze f. ‘Wißbegierde, Neugier, Vorliebe’, asächs. firiwit n. und ahd. furiwizzi n. ‘Neugier’ (um 1000), mhd. vürwiz m., vürwitze f. ‘Wißbegierde, Neugier, Vorliebe’, nhd. Fürwitz (bis 19. Jh.), Vorwitz (seit 15. Jh.), mnd. vȫrwitte n., mnl. veurwitte, aengl. fyrwit n.; vgl. auch anord. forvitni f. ‘Wißbegierde, Neugier, Verlangen’. Gebildet zu einem zur Wurzel von ↗wissen (s. d.) gehörigen, in got. faírweitjan ‘gespannt blicken auf’ belegten germ. Verb, also zunächst mit der Partikel ahd. firi-, got. faír- ‘hinüber, hindurch’, abgelöst von ahd. furi- (s. ↗für); zum Grundwort s. ↗Witz. Vgl. noch ahd. firiwizgern Adj. (10. Jh.), furiwizgern Adj. (um 1000) ‘wißbegierig, vorwitzig’ sowie firiwizgernī f. (9. Jh.), furiwizgernī f. (11./12. Jh.) ‘unziemliche, vermessene Neugier’. vorwitzig Adj. ‘neugierig, erlebnishungrig, vermessen, vorlaut’, ahd. firiwizzīg ‘wißbegierig, neugierig’ (9. Jh.), mhd. vir-, vürwitzec, nhd. fürwitzig, vorwitzig (s. oben), mnd. vȫrwittich.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier ist Vorwitz so wenig am Platze wie ängstliches Verschweigen von Gottes Wort.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7536
Aber sie in Form irgendeines bestimmten kategorialen Postulats vorwegzunehmen, ist Vorwitz.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 161
Gegenüber ihrem tyrannischen Herrn Osmin ist sie von keckem Vorwitz und selbstbewußter Freiheit.
Der Tagesspiegel, 28.07.1998
Der kleine, charmante Vorwitz hing an meinem Arm, zu Hause war nichts zu holen, so ging ich auf dem Fleck mit.
Wohlmuth, Alois: Ein Schauspielerleben, Ungeschminkte Selbstschilderungen von Alois Wohlmuth. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 1318
Es handelt sich also gar nicht um kalkulierte Preise, sondern um eine Art Strafgebühr, die dem CD-ROM-Benutzer für seinen technischen Vorwitz abverlangt wird.
Die Zeit, 27.09.1996, Nr. 40
Zitationshilfe
„Vorwitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorwitz>, abgerufen am 11.12.2019.

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