Vorzeichen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Vorzeichens · Nominativ Plural: Vorzeichen
Aussprache  [ˈfoːɐ̯ʦaɪ̯çn̩]
Worttrennung Vor-zei-chen
Wortzerlegung vor1 Zeichen
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Omen, Anzeichen für Künftiges
Synonym zu Vorbote (●), siehe auch Menetekel
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein düsteres, schlechtes, warnendes Vorzeichen
als Prädikativ: etw. als Vorzeichen deuten, sehen, werten
Beispiele:
etw. ist ein gutes, ungünstiges VorzeichenWDG
etw. erscheint jmdm., gilt als ein schlimmes VorzeichenWDG
ein Ereignis als ein böses Vorzeichen deuten, nehmenWDG
ein Ereignis für ein sicheres, untrügliches Vorzeichen haltenWDG
Wer ein Vorzeichen bewußt oder unbewußt sucht, dem kann jedes Ding und jedes Geschehen zum O. (= Omen) werden; man muß es nur bemerken und richtig deuten. [Röhrich, L.: Omen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 23876]
Alle Medien haben über den charmanten Designer geschrieben, der […] Deutschlands B‑Prominenz mit Anzügen im Vintage‑Stil versorgte. Die Vorzeichen waren also gut, als der Modemacher[…] loszog, eine große Karriere zu starten. [Die Zeit, 08.01.2015]
Unter den Vorzeichen des Klimawandels mit steigendem Meeresspiegel sei die übliche Befestigung der Küsten mit Beton, Steinen und Asphalt nicht mehr sinnvoll, sagte der Leiter der Wattenmeerstation des Alfred‑Wegener‑Instituts für Polar‑ und Meeresforschung […]. [Die Welt, 02.05.2005]
In Japan herrscht Deflation, die Zinsen sind auf das niedrigste jemals gemessene Niveau gesunken; langfristiges Kapital ist in London und New York billiger als kurzfristiges – Vorzeichen eines beginnenden Abschwungs. [Süddeutsche Zeitung, 24.09.1998]
a)
Phrasem:
unter schlechten, ungünstigen Vorzeichen stehen (= unter widrigen, hinderlichen Umständen verlaufen, von Anfang an auf einen ungünstigen Ausgang hinauslaufen)
Beispiel:
seine Arbeit stand unter einem ungünstigen VorzeichenWDG
b)
Phrasem:
unter keinen guten Vorzeichen stehen (= unter ungünstigen Bedingungen, widrigen Umständen verlaufen) (= von Anfang an auf einen ungünstigen Ausgang hinauslaufen)
c)
Phrasem:
unter guten Vorzeichen stehen (= unter günstigen Bedingungen verlaufen) (= von Anfang an auf einen günstigen Ausgang hinauslaufen)
2.
vorangestelltes Zeichen
a)
Mathematik vorangestelltes Zeichen, das eine Zahl als positiv oder negativ kennzeichnet
Beispiele:
ein positives, negatives VorzeichenWDG
In der Übersicht der Jahresergebnisse und Prognosen der Gemeinde Dalheim von 2013 bis 2021 findet sich in jeder Spalte ein negatives Vorzeichen. Auf 143.000 Euro belief sich der nun im Gemeinderat festgestellte Jahresfehlbetrag 2016[…]. [Allgemeine Zeitung, 13.12.2017]
In der Mathematik gibt es das Rechnen in der Klammer: Entscheidend ist nicht, was in der Klammer geschieht, ob man also dort addiert, subtrahiert oder multipliziert. Entscheidend ist, welches Vorzeichen vor der Klammer steht, ob es sich um ein Plus oder ein Minus handelt. Der ganze Wert verwandelt sich ins Gegenteil, wenn aus dem Plus ein Minus wird. [Süddeutsche Zeitung, 01.04.2010]
Damit keine Verwechslung mit Ladungen von Ionen auftreten, wird die Oxidationszahl mit positivem bzw. negativen [sic!] Vorzeichen über das Elementsymbol geschrieben […]. [Oxidationszahlen bestimmen – Aufgaben, 17.12.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Zahlen bestehen nur aus Ziffern, eventuell noch einem Dezimalpunkt und einem Vorzeichen, Texte nur aus Buchstaben und Satzzeichen, also dem, was wir umgangssprachlich das Alfabet [sic!] nennen. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik? München: Hanser 1994 [1991], S. 17]
α)
übertragen
Phrasem:
mit umgekehrten Vorzeichen geschehen (= unter anderen, gegenteiligen Voraussetzungen passieren)
Beispiele:
in seinem zweiten Drama wiederholte sich dieser Konflikt mit veränderten, umgekehrten VorzeichenWDG
Schon am 5. Februar hatten die Vorwahlen den Demokraten [zur Bestimmung ihres Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl] statt des vorher fast sicher erwarteten Siegs der vormaligen Favoritin Hillary Clinton eine Fortsetzung des Zweikampfs beschert – unter Umkehrung der Vorzeichen. [Die Zeit, 28.02.2008]
β)
Phrasem:
unter umgekehrten Vorzeichen geschehen (= unter entgegengesetzten Umständen, gegenteiligen (Rahmen-)‍Bedingungen geschehen)
Beispiel:
Zwar wäre theoretisch auch eine Fortführung der [in Österreich] bestehenden rot‑schwarzen Koalition unter umgekehrten Vorzeichen möglich, doch im Verlauf des erbitterten Wahlkampfes wurde immer deutlicher, dass die traditionellen Regierungspartner einander über jede Toleranzgrenze hinaus überdrüssig geworden sind. [Die Zeit, 15.10.2017 (online)]
b)
Musik Zeichen der Notenschrift, das die Erhöhung oder Erniedrigung eines Tons um einen bzw. zwei Halbtöne oder die Aufhebung einer vorangehenden Erhöhung bzw. Erniedrigung bewirkt; Zeichen der Notenschrift, das (unmittelbar hinter dem Notenschlüssel und vor der Taktart) der Angabe der Tonart (1) eines (Teils eines) Musikstücks dientZDL
Beispiele:
ein Stück ohne VorzeichenWDG
ein Stück mit einem Kreuz, mit einem B als VorzeichenWDG
Tatsächlich beginnt das Stück in C‑Dur, also völlig ohne Vorzeichen. [Münchner Merkur, 09.03.2019]
Schon um das 10. Jahrhundert herum brauchte man zusätzlich zum H (damals noch B) auch den Halbton darunter, weil es sonst keine reine Quarte zum F gab. Eine Weile existierten zwei Bs: das höhere b quadratum, eckig geschrieben, und das niedrigere, rundliche b rotundum. Aus diesen beiden Zeichen entwickelten sich später auch die musikalischen Vorzeichen ♭ (aus dem runden B) sowie ♮ und ♯ (aus dem eckigen). [Die Zeit, 10.06.2010]
Warum Mozart so selten Tonarten mit vier oder gar mehr Vorzeichen verwendete, bleibt ein Rätsel. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2006]
Die bei den Freimaurern besonders bedeutende Zahl Drei widerspiegelt sich hier [in Mozarts Sinfonie in Es-Dur, KV 543] etwa in der Tonart Es‑Dur mit ihren drei Vorzeichen, in dem dreimaligen Es‑Dur‑Dreiklang zu Beginn der langsamen Einleitung sowie im Metrum und in der Dreiklangmotivik des ersten Allegros. [Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2017]
Stücke in Fis‑Dur mit sechs Kreuzen als Vorzeichen habe ich der Kompliziertheit wegen nie gespielt[…]. [Thüringer Allgemeine, 30.12.2017]
Es [das Thema des Satzes] steht in es‑moll, was aus dem Notenbild nicht sofort ersichtlich ist, da Schumann nur drei Vorzeichen gesetzt hat. [Schumann: Musik ohne Tonmalerei, 05.06.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
Das wegen seiner vielen Vorzeichen (sechs Kreuze) selten gespielte Präludium mit Fuge in dis‑moll faszinierte durch eine ungeheure musikalische Dichte […]. [Frankfurter Rundschau, 08.10.1998]
Auf den […]Takt [mit einem A-Dur-Dreiklang] fallen nicht weniger als sechs Auflösungszeichen, die alle unnötig wären, würden sich die Vorzeichen nur auf einen Takt beziehen. […] Zwar kann der Hörer ohne Notendruck das Lied geniessen, aber der Spieler, die Sängerin oder der Sänger und der Betrachter erhalten beim Einblick in die Notation einen zusätzlichen Gewinn. [Neue Zürcher Zeitung, 11.01.1997]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeichen · Abzeichen · Anzeichen · Vorzeichen
Zeichen n. ‘sinnlich wahrnehmbarer Hinweis, Symptom, Symbol’, ahd. zeihhan (8. Jh.), mhd. zeichen ‘Merkmal, Sinnbild, Sternbild, Vorzeichen, Symbol, Wunder’, asächs. tēkan, mnd. tēken, mnl. tēken, teiken, nl. teken ‘Zeichen’, aengl. tāc(e)n ‘Zeichen, Wunder, Beweis, Banner’, engl. token ‘(An)zeichen, Symbol, Signal’, anord. teikn, schwed. tecken ‘Zeichen’, got. taikn n., taikns f. ‘Zeichen, Wunder’ führen auf germ. *taikna- (bzw. *taikni- für got. taikns f.). Dies ist anschließbar an ie. *doig̑-, Ablautstufe neben *deig̑-, eine Variante der unter zeihen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *deik̑- ‘zeigen’. Abzeichen n. ‘Kennzeichen, Unterscheidungsmerkmal’, spätmhd. abezeichen; ‘Anstecknadel als Kennzeichen der Zugehörigkeit zu einer Organisation’ (Anfang 20. Jh.). Anzeichen n. ‘Ankündigung, Vorzeichen, erster Hinweis, Symptom’ (Anfang 16. Jh.). Vorzeichen n. ‘auf Künftiges weisendes Zeichen, Omen’, ahd. forazeihhan ‘Anzeichen, Vorankündigung’ (8. Jh.), mhd. vorzeichen ‘Vorzeichen, -bild, Sinnbild’; auch ‘vorangestelltes Zeichen’, in der Mathematik zur Kennzeichnung einer positiven oder negativen Zahl, in der Musik zur Angabe der Erhöhung oder Erniedrigung um einen oder zwei Halbtöne bzw. deren Aufhebung, ‘Versetzungszeichen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anzeichen · Omen · Vorbedeutung · Vorbote · Vorzeichen  ●  Auspizium  geh., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
Signal · Symbol · Vorzeichen · Zeichen
Assoziationen
Synonymgruppe
Anklang · Vorgeschmack · Vorzeichen
Assoziationen
Mathematik
Synonymgruppe
Signum · Vorzeichen
Synonymgruppe
Alarmsignal · Vorbote · Warnzeichen  ●  Vorzeichen  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Vorzeichen‹ (berechnet)

Umkehrung böse deuten dominiert düster entgegengesetzt geändert guenstigen günstig ideologisch negativ positiv schlecht umgedreht umgekehrt umkehren unguenstigen ungünstig veraenderten verkehren verkehrt verändern verändert warnend wechseln wechselnd werten ändern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Vorzeichen‹.

Zitationshilfe
„Vorzeichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vorzeichen>.

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