Wüstung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Wüstung · Nominativ Plural: Wüstungen
Aussprache
WorttrennungWüs-tung (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

historisch von den Bewohnern, besonders im Mittelalter, verlassene Siedlung, Feldflur
Beispiel:
viele Dörfer wurden im Dreißigjährigen Krieg zu Wüstungen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wüst · Wüste · wüsten · verwüsten · Wüstling · Wüstung · Wüstenei
wüst Adj. ‘öde, nicht bebaut oder bewohnt, verheert’. Das nur westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. wuosti ‘öde, unbebaut, leer’ (um 800), mhd. wüeste, wuoste ‘öde, einsam, verlassen, leer, unschön, häßlich’, asächs. wōsti, mnd. wōste, mnl. woest(e), nl. woest, afries. wōst, aengl. wēste (westgerm. *wōsti-) ist verwandt mit lat. vāstus ‘öde, wüst, leer, plump, roh, ungeschlacht’, air. fās ‘leer’, fāsach ‘Wüste’ und kann vielleicht über ein to-Partizip ie. *u̯āsto- ‘öde’ an die unter ↗Wahnwitz (s. d.) dargestellte Wurzel ie. *eu-, *euə-, *u̯ā- ‘mangeln, leer’ angeschlossen werden. Wüste f. ‘unbebauter, unbewohnter, vegetationsloser Landstrich, verheertes Gebiet’, besonders (seit frühem bibelsprachlichem Gebrauch) Bezeichnung der außereuropäischen Sand- und Steinwüsten (vom 18. Jh. an vorherrschend), ahd. wuostī (8. Jh.), mhd. wüeste, wuoste ‘öde Gegend, Wildnis’, aengl. wēste; vgl. daneben (mit dem Suffix germ. -injō, -unjō) ahd. wuostin (8. Jh.), mhd. wuostinne, wuosten, wüestene, asächs. wōstunnia, mnd. wōstine, mnl. woestine, nl. woestijn, aengl. wēsten. wüsten Vb. ‘verheeren, beschädigen, zunichte machen, vergeuden’, ahd. wuosten ‘plündern, brandschatzen, verheeren’ (9. Jh.), mhd. wüesten ‘öde machen, ausplündern, zerstören, Raubbau treiben’, asächs. wōstian, mnd. wōsten, faktitive Bildung zum Adjektiv. verwüsten Vb. ‘verheeren, vernichten’, mhd. verwüesten. Wüstling m. ‘zügelloser, ausschweifender Mensch’ (16. Jh.). Wüstung f. ‘unbebauter, unbewohnter Landstrich, verlassene Siedlung’, mhd. wüestunge, wustunge. Wüstenei f. ‘wüste Gegend, Einöde’, mhd. (md.) wüestenīe, mnd. wōstenie, mnl. woestenie, nl. woestenij, Weiterbildung von ahd. wuostin, mhd. wüestene f. ‘Wüste’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geisterdorf · verlassene Stadt  ●  ↗Geisterstadt  Hauptform · versunkene Stadt  historisch, fig. · Wüstung  fachspr.
Assoziationen
  • frei · ↗leer stehend · ↗leerstehend · ↗ungenutzt · verwaist  ●  ↗unbewohnt  Hauptform
  • aufgelassen · dem Verfall preisgegeben · in einem desolaten Zustand · nicht unterhalten (worden) · verwahrlost (Haus, Anwesen) · verwildert · zu (...) verkommen
  • abgelegen · ↗abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · ↗öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
  • entvölkert · evakuiert · geräumt
  • abgeschieden · einsam und verlassen · entvölkert · ↗gottverlassen · kein Mensch weit und breit · ↗menschenleer · ↗unbewohnt · ↗verlassen · wie ausgestorben · ↗öd · ↗öde  ●  am Arsch der Welt  derb · hinterm Wald  ugs. · in der Walachei  ugs. · jwd  ugs., berlinerisch, Abkürzung · leer gefegt  ugs. · leergefegt  ugs.
  • beziehungslos · isoliert · ↗kontaktarm · ↗kontaktlos · ohne (soziale) Kontakte · ohne soziale Bezüge · ↗zurückgezogen  ●  ↗einsam  Hauptform · ↗insular  geh., fig.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Stark vertreten sind unter ihnen die Wüstungen, nur zwei sind zu Städten geworden.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 192
Tausende retteten sich auf diese Weise vor dem Schwarzen Tod und hinterließen teils Wüstungen.
Süddeutsche Zeitung, 17.03.1994
Manche dieser Höfe waren seit tausend Jahren bewohnt, von anderen waren nur Wüstungen übrig.
Die Zeit, 02.11.1984, Nr. 45
Sie fanden eine verlassene Hütte und verwilderte Gartenanlagen, eine Wüstung.
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 83
T. ermöglicht wiederum gegen landläufige Meinungen und Sagen eine sichere Datierung mancher Wüstungen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1937, S. 609
Zitationshilfe
„Wüstung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wüstung>, abgerufen am 23.02.2019.

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