Wahlrecht, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Wahlrecht(e)s · Nominativ Plural: Wahlrechte
Aussprache  [ˈvaːlʀɛçt]
Worttrennung Wahl-recht
Wortzerlegung WahlRecht
Wortbildung  mit ›Wahlrecht‹ als Erstglied: ↗Wahlrechtsfrage · ↗wahlrechtlich  ·  mit ›Wahlrecht‹ als Letztglied: ↗Ausländerwahlrecht · ↗Dreiklassenwahlrecht · ↗Frauenwahlrecht · ↗Klassenwahlrecht · ↗Kommunalwahlrecht · ↗Mehrheitswahlrecht · ↗Proportionalwahlrecht · ↗Verhältniswahlrecht
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der gesetzlichen Bestimmungen zur Durchführung von Wahlen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das direkte, proportionale Wahlrecht
Beispiele:
Italiens Oberste Richter haben […] entschieden, dass Teile des im Mai 2015 vom Parlament verabschiedeten neuen Wahlrechts verfassungswidrig sind. [Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2017]
Entsprechend dem in den USA geltenden Wahlrecht fallen dem Kandidaten, der in einem Bundesstaat die einfache Mehrheit erreicht, alle Wahlmänner in diesem Staat zu. [Berliner Zeitung, 10.11.1988]
In den vergangenen sechs Jahren haben 22 [US-]Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die das Wahlrecht einschränken. [Die Welt, 25.01.2019]
Da ist eine Wählerin, die [in der Wahlkabine] ihr Smartphone gezückt hat und sich nun bei der Stimmabgabe fotografieren will. Die Wahlhelfer gucken sich kurz an, dann steht einer auf und gibt der Frau zu verstehen, dass es laut türkischem Wahlrecht verboten ist, Fotos in der Kabine zu schießen. [Süddeutsche Zeitung, 08.04.2017]
Es war ein historischer Moment für die Bürgerrechtsbewegung der USA, als der Kongress 1965 den »Voting Rights Act« verabschiedete. Das Bundesgesetz verbot diskriminierende Bestimmungen im Wahlrecht, die vor allem Schwarze vom Gebrauch ihres Stimmrechts ausschlossen. […] Jetzt wird ein Abschnitt dieses Wahlrechts vor dem Obersten Gerichtshof der USA diskutiert. [Der Standard, 01.03.2013]
Das griechische Wahlrecht gibt der Partei mit einer Stimmenmehrheit automatisch eine Mehrheit der Sitze, unabhängig davon, wie groß der Vorsprung vor den anderen Parteien ist. [Süddeutsche Zeitung, 11.04.2000]
2.
Befugnis bzw. gesetzlich festgelegter Anspruch (c), als wahlberechtigte und als wählbare Person an der Wahl von Körperschaften oder Amtsträgern teilzunehmen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das kommunale Wahlrecht
als Genitivattribut: die Einführung, die Ausübung des Wahlrechts; die Aberkennung, die Einschränkung, der Entzug des Wahlrechts
Beispiele:
gleiches Wahlrecht für alle BürgerWDG
das aktive Wahlrecht (= Recht, selbst zu wählen, Stimmrecht)WDG
das passive Wahlrecht (= Recht, gewählt zu werden)WDG
Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 hatten Frauen erstmals in der deutschen Geschichte das aktive und passive Wahlrecht und nahmen es mit großer Beteiligung in Anspruch. [Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, 08.09.2019, aufgerufen am 22.05.2020]
Die Voraussetzungen für das Wahlrecht [in Deutschland] sind: die deutsche Staatsbürgerschaft und Volljährigkeit (mindestens 18 Jahre alt). Abgesehen davon kann es nur unter bestimmten und selten erfüllten Voraussetzungen zu einem Ausschluss vom Wahlrecht kommen. Davon betroffen sind etwa Menschen, die in »Totalbetreuung« sind oder denen das Wahlrecht wegen einer schweren politischen Straftat richterlich entzogen wurde. [Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2017]
Als 1928 in Großbritannien das allgemeine Wahlrecht für Frauen beschlossen wurde, ging ein jahrelanger Kampf zu Ende, der nicht nur in der Öffentlichkeit mit Demonstrationen und Versammlungen ausgetragen worden war, sondern von den sogenannten »Suffragetten« auch aus dem Untergrund heraus hatte geführt werden müssen. [Der Standard, 02.02.2016]
Das Gericht [der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten] entschied, daß der »District of Columbia« auch weiterhin nicht das Recht habe, Vertreter mit vollem Stimmrecht in das Bundesparlament zu entsenden. […] Der Streit um das Wahlrecht für die Hauptstädter reicht bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zurück[…]. Das Oberste Gericht wies nun nach einem zweijährigen Verfahren Anträge von Bürgergruppen mit der kurzen Begründung ab, daß es ein Wahlrecht für den Kongreß nicht zulassen könne, weil der District nicht, wie von der Verfassung vorgeschrieben, ein Staat sei. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2000]
1948 hatte die weiße Regierung [in der Republik Südafrika] die Apartheid eingeführt – kein Wahlrecht sowie Ghettos für Schwarze, Mischehen verboten, getrennte Schulen, Busse, Krankenhäuser u. a. [Bild, 27.12.1999]
Als einziger Staat der EU hat Belgien noch keine gesetzliche Grundlage für ein kommunales Wahlrecht der EU‑Ausländer geschaffen. [Frankfurter Rundschau, 08.08.1998]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Thesaurus

Synonymgruppe
Stimmrecht · ↗Wahlberechtigung · Wahlrecht
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Häufeln · Kumulieren · Stimmenhäufung

Typische Verbindungen zu ›Wahlrecht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wahlrecht‹.

Zitationshilfe
„Wahlrecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wahlrecht>, abgerufen am 10.05.2021.

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