Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wahlrecht, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Wahlrecht(e)s · Nominativ Plural: Wahlrechte · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈvaːlʀɛçt]
Worttrennung Wahl-recht
Wortzerlegung Wahl Recht
Wortbildung  mit ›Wahlrecht‹ als Erstglied: Wahlrechtsfrage · Wahlrechtsreform · wahlrechtlich
 ·  mit ›Wahlrecht‹ als Letztglied: Ausländerwahlrecht · Direktwahlrecht · Dreiklassenwahlrecht · Frauenwahlrecht · Klassenwahlrecht · Kommunalwahlrecht · Mehrheitswahlrecht · Proportionalwahlrecht · Proporzwahlrecht · Verhältniswahlrecht
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur Bundestagswahl.
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 09.06.2022.
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Gesamtheit der gesetzlichen Bestimmungen zur Durchführung von Wahlen
Beispiele:
Italiens Oberste Richter haben […] entschieden, dass Teile des im Mai 2015 vom Parlament verabschiedeten neuen Wahlrechts verfassungswidrig sind. [Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2017]
Entsprechend dem in den USA geltenden Wahlrecht fallen dem Kandidaten, der in einem Bundesstaat die einfache Mehrheit erreicht, alle Wahlmänner in diesem Staat zu. [Berliner Zeitung, 10.11.1988]
Vordemokratische Wahlrechte wie etwa das preußische Dreiklassenwahlrecht legten die Höherwertigkeit der Wahlstimmen Reicher und sehr Reicher (und deshalb mehr Steuern Zahlender) fest. [Frankfurter Rundschau, 25.06.2020]
Da ist eine Wählerin, die [in der Wahlkabine] ihr Smartphone gezückt hat und sich nun bei der Stimmabgabe fotografieren will. Die Wahlhelfer gucken sich kurz an, dann steht einer auf und gibt der Frau zu verstehen, dass es laut türkischem Wahlrecht verboten ist, Fotos in der Kabine zu schießen. [Süddeutsche Zeitung, 08.04.2017]
Es war ein historischer Moment für die Bürgerrechtsbewegung der USA, als der Kongress 1965 den »Voting Rights Act« verabschiedete. Das Bundesgesetz verbot diskriminierende Bestimmungen im Wahlrecht, die vor allem Schwarze vom Gebrauch ihres Stimmrechts ausschlossen. […] Jetzt wird ein Abschnitt dieses Wahlrechts vor dem Obersten Gerichtshof der USA diskutiert. [Der Standard, 01.03.2013]
Das griechische Wahlrecht gibt der Partei mit einer Stimmenmehrheit automatisch eine Mehrheit der Sitze, unabhängig davon, wie groß der Vorsprung vor den anderen Parteien ist. [Süddeutsche Zeitung, 11.04.2000]
Die Wahl der […] Landrätin des niederbayerischen Landkreises Rottal‑Inn hat eine bayerische Besonderheit des kommunalen Wahlrechts ins Blickfeld gerückt. Bayern ist das einzige Bundesland, in dem der Landrat direkt von den Bürgern gewählt wird. [Landrat in Bayern. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1987]]
metonymischDer Ehrgeiz der [türkischen] Armee war es, [mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung 1982] die chaotische und bis dahin oft zerstörerische, gar mörderische Parteipolitik des Landes dauerhaft zu »zivilisieren«. Zu diesem Zweck schafften sie [die Militärs] das proportionale Wahlrecht ab, das kleinen, oft extremistischen Parteien den Weg ins Parlament geöffnet hatte, und führten eine Zehn‑Prozent‑Hürde ein. [Die Welt, 13.09.2010]
metonymisch Die beliebteste Seite in der Wahlnacht wird wohl Fivethirtyeight (538) sein – die Zahl steht für die Zahl der Stimmen im Electorate College der USA, das sind die vom Volk gewählten Wahlmänner[,] die über den Präsidenten abstimmen, eine Besonderheit des indirekten Wahlrechts der USA. [Der Spiegel, 03.11.2008 (online)]
2.
Befugnis bzw. gesetzlich festgelegter Anspruch (c), als wahlberechtigte und als wählbare Person an der Wahl von Körperschaften oder Amtsträgern teilzunehmen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das kommunale Wahlrecht
als Genitivattribut: die Einführung, die Ausübung des Wahlrechts; die Aberkennung, die Einschränkung, der Entzug des Wahlrechts
Beispiele:
gleiches Wahlrecht für alle BürgerWDG
das aktive Wahlrecht (= Recht, selbst zu wählen, Stimmrecht)WDG
das passive Wahlrecht (= Recht, gewählt zu werden)WDG
Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 hatten Frauen erstmals in der deutschen Geschichte das aktive und passive Wahlrecht und nahmen es mit großer Beteiligung in Anspruch. [Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, 08.09.2019, aufgerufen am 22.05.2020]
In den vergangenen sechs Jahren haben 22 [US-]Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die das Wahlrecht einschränken. [Die Welt, 25.01.2019]
Die Voraussetzungen für das Wahlrecht [in Deutschland] sind: die deutsche Staatsbürgerschaft und Volljährigkeit (mindestens 18 Jahre alt). Abgesehen davon kann es nur unter bestimmten und selten erfüllten Voraussetzungen zu einem Ausschluss vom Wahlrecht kommen. Davon betroffen sind etwa Menschen, die in »Totalbetreuung« sind oder denen das Wahlrecht wegen einer schweren politischen Straftat richterlich entzogen wurde. [Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2017]
Um es Menschen mit einer Behinderung oder auch einer Lese‑Rechtschreibschwäche leichter zu machen, ihr Wahlrecht wahrzunehmen, wurde die Wahlunterlagen in leichter Sprache verfasst. […] Etwa die Hälfte der 28 EU‑Staaten gibt Behinderten mehr Wahlrechte. [Kieler Nachrichten, 28.08.2017]
Als 1928 in Großbritannien das allgemeine Wahlrecht für Frauen beschlossen wurde, ging ein jahrelanger Kampf zu Ende, der nicht nur in der Öffentlichkeit mit Demonstrationen und Versammlungen ausgetragen worden war, sondern von den sogenannten »Suffragetten« auch aus dem Untergrund heraus hatte geführt werden müssen. [Der Standard, 02.02.2016]
Das Gericht [der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten] entschied, daß der »District of Columbia« auch weiterhin nicht das Recht habe, Vertreter mit vollem Stimmrecht in das Bundesparlament zu entsenden. […] Der Streit um das Wahlrecht für die Hauptstädter reicht bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zurück[…]. Das Oberste Gericht wies nun nach einem zweijährigen Verfahren Anträge von Bürgergruppen mit der kurzen Begründung ab, daß es ein Wahlrecht für den Kongreß nicht zulassen könne, weil der District nicht, wie von der Verfassung vorgeschrieben, ein Staat sei. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2000]
1948 hatte die weiße Regierung [in der Republik Südafrika] die Apartheid eingeführt – kein Wahlrecht sowie Ghettos für Schwarze, Mischehen verboten, getrennte Schulen, Busse, Krankenhäuser u. a. [Bild, 27.12.1999]
Als einziger Staat der EU hat Belgien noch keine gesetzliche Grundlage für ein kommunales Wahlrecht der EU‑Ausländer geschaffen. [Frankfurter Rundschau, 08.08.1998]

letzte Änderung:

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Thesaurus

Synonymgruppe
Stimmrecht · Wahlberechtigung · Wahlrecht

Typische Verbindungen zu ›Wahlrecht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wahlrecht‹.

Zitationshilfe
„Wahlrecht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wahlrecht>.

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