Wahn, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Wahn(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›wahn‹ als Erstglied: ↗Wahnbild · ↗Wahngebilde · ↗Wahnidee · ↗Wahnsinn · ↗Wahnvorstellung · ↗Wahnwitz · ↗wahnhaft
 ·  mit ›wahn‹ als Letztglied: ↗Angstwahn · ↗Genderwahn · ↗Jugendlichkeitswahn · ↗Jugendwahn · ↗Liebeswahn · ↗Machtwahn · ↗Massenwahn · ↗PS-Wahn · ↗Rinderwahn · ↗Säuferwahn
eWDG, 1977

Bedeutung

oft auf phantastischer Vorstellung beruhende irrige Idee, irrige Annahme, Irrglaube
Beispiele:
in einem (blinden) Wahn befangen sein
er lebte in dem Wahn, er sei zu Großem bestimmt
sie ließ ihn in dem Wahn (= Glauben), sie befolge seine Weisungen
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn [SchillerBürgschaft]
Ein religiöser Wahn hatte die Stadt ergriffen [E. T. A. Hoffm.Elixiere2,38]
Medizin Veränderung des Bewusstseins von der Realität, die sich in verfälschten Urteilen über die Realität äußert
Beispiele:
der Ausbruch eines Wahns
wenn der Patient sich nachts laut mit seinen »Stimmen« unterhält ... die er im Wahn als Verfolger, Peiniger erlebt [Gesundheit1967]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wahn · wähnen
Wahn m. ‘(krankhafte) Einbildung, unbegründete Meinung, Ansicht, Vorstellung’, ahd. (8. Jh.), mhd. wān ‘ungewisse, unbegründete Ansicht, Vermutung, Meinung, Hoffnung, Erwartung, Vorstellung, Scheu’, spätmhd. auch wōn (mit ō aus ā nach w, s. ↗Argwohn), asächs. mnd. wān ‘Hoffnung, Erwartung’, mnl. waen, nl. waan, afries. wēn, und (mit wohl ursprünglichem fem. Genus) aengl. wēn, anord. vān, got. wēns (germ. *wēni-) stehen dehnstufig zu der unter ↗gewinnen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯en(ə)- ‘streben’, dann ‘wünschen, lieben, befriedigt sein’, auch ‘erarbeiten, Mühe haben’, perfektiv ‘erreichen, gewinnen’, zu der auch ↗gewöhnen, ↗wohnen, ↗Wonne, ↗Wunsch (s. d.) gehören. Als Ausgangsbedeutung ist ‘(unbegründete) Erwartung, Hoffnung’ anzusetzen, eigentlich ‘Gewünschtes, Ersehntes’. Wahn wird seit mhd. Zeit in Gegensatz zu Wissen und Wahrheit gestellt. Im Frühnhd. entwickelt sich der Sinn ‘willkürlich zurechtgemachte, nicht der Wirklichkeit entsprechende Meinung, Vorstellung’ (16. Jh.), dann ‘Selbsttäuschung, fixe Idee’ als krankhafte Erscheinung (18. Jh.), und Wahn gerät dadurch in die semantische Nähe von nicht verwandtem Wahn (in ↗Wahnsinn, ↗Wahnwitz, s. d.). wähnen Vb. ‘glauben, meinen’, ahd. wānen (8. Jh.), mhd. wæn(n)en ‘meinen, glauben, vermuten, erwarten, hoffen’, asächs. wānian, mnd. mnl. wānen, nl. wanen, aengl. wēnan, engl. (älter) to ween, anord. væna, got. wēnjan.

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Zustand der Euphorie · ↗Ekstase · ↗Rausch · ↗Taumel · ↗Trance · ↗Verzückung · Wahn · Zustand absoluter Verzückung · Zustand der Trance
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Halluzination Kindesbefangenheit Mittelmaß Rausch Schall Verblendung Wahn Wirklichkeit abergläubisch befangen chauvinistisch eitel erliegen großdeutsch großserbisch hell hineinsteigern hingeben hold kollektiv krankhaft leer mörderisch nationalistisch paranoid religiös süß verfallen verfällen völkisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Wahn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er, der "Herr über alle Länder" hätte sein können, wird seinem eigenen Wahn nicht mehr Herr.
Süddeutsche Zeitung, 10.10.1998
Doch damals zumindest war mancher nicht so weit von ähnlichem Wahn entfernt.
Der Tagesspiegel, 26.06.1998
Wir sind dafür sehr dankbar, das ist kein leerer Wahn.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 166
Er starb durch eigene Hand in dem Wahn, von einem tollwütigen Hund gebissen worden zu sein.
Orel, Alfred: Raimund. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 39896
Jetzt kommt sie zum ersten Mal her und mitten in diesen Wahn, sagte die Frau zu dem Kind.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 183
Zitationshilfe
„Wahn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Wahn>, abgerufen am 16.10.2018.

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