Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Waise, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Waise · Nominativ Plural: Waisen
Aussprache 
Worttrennung Wai-se (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Waise‹ als Erstglied: Waisengericht · Waisenhaus · Waisenkind · Waisenknabe · Waisenrente · Waisenunterstützung · Waisenvater · Waisenvogt
 ·  mit ›Waise‹ als Letztglied: Halbwaise
eWDG

Bedeutung

Kind, dessen Eltern gestorben sind
Beispiel:
die Waise wurde in einem Heim erzogen, von einer Familie adoptiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Waise · verwaisen
Waise f. ‘Kind, dessen Eltern verstorben sind’, ahd. weiso (9. Jh.), mhd. weise, mnd. mnl. wēse, nl. wees wird meist mit ahd. wīsan ‘(ver)meiden’ (9. Jh.; vgl. biwīsan, um 800) und lat. dīvidere ‘trennen, zer-, ab-, ein-, austeilen’ zu der unter Witwe (s. d.) dargestellten Ausgangsform ie. *u̯eidh-, *u̯idh- ‘trennen’ gestellt. Anders Seebold 547 f., der lat. vītāre ‘meiden’, toch. AB wik- ‘vermeiden, sich fernhalten von, verzichten auf’ heranzieht und von einer Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’ (s. Weide1) ausgehen will. Schreibung mit ai entstammt bair.-öst. Schreibgewohnheit (s. auch Kaiser) und wird von Luther übernommen, so daß sich eine orthographische Unterscheidung zu Weise und weise ergibt. Ahd. weiso ist nur Mask., mhd. weise zeigt auch fem. Genus, das sich vom 18. Jh. an durchsetzt. – verwaisen Vb. ‘die Eltern verlieren, verlassen werden, allein sein’, mhd. verweisen ‘zur Waise werden oder machen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Waise · Waisenkind · elternloses Kind
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Waise‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Waise‹.

Verwendungsbeispiele für ›Waise‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie war als Waise aufgewachsen, irgendwo in einem finsteren Haus auf dem Lande. [Wellershoff, Dieter: Die Sirene, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1980, S. 150]
Als er uns verlassen hatte, war mir halb zumute wie einer Waise. [Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18184]
Und ich stützte die Bauern, und sie waren mir gesinnt wie eine Waise gegen die Mutter. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 15241]
Allmählich wurde es ihr selbstverständlich, sich als Waise zu sehen. [Der Spiegel, 05.10.1987]
Auf einmal sind sie alle verwandt, und ich bin eine Waise. [Tucholsky, Kurt: Die Musikalischen. In: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926]]
Zitationshilfe
„Waise“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Waise>.

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